Artefakte im Sol-System
Eine Zusammenstellung aller aufgefundenen Artefakte nicht-menschlicher Herkunft im Sol-System
- Kaio Schiff
- Kopernikus Station
- Deepspace-Grid
- Contour Bojen
- Centaurus-Komplex
- Arizona Krater Relikte
- Weltraum Müll
Kaio Schiff
Entdeckung: 2312, Katana Aiko Io
Ort: Solare Umlaufbahn, 130 Mio. km, Exzentrizität 1,6
Alter: ca. 130.000 Jahre
Ursprung: unbekannt
Das sog. Kaio Schiff wurde 2312 von der Prospektorin Katana Aiko Io entdeckt (die Presse verkürzte den Namen zu K.A.Io). Io untersuchte eine Asteroidengruppe auf einem elliptischen Orbit. Sie befand sich mit ihrem Kleinraumschiff allein, weitab der üblichen Routen zwischen Erde und Venus. Io handelte im Auftrag von Kepler Mining ShInSE. Spektroskopie hatte die Gesellschaft Kepler Mining auf die Asteroiden aufmerksam gemacht. Kepler Mining beschäftigte als Generalauftragnehmer unter einem Kontrakt eines südamerikanischen Industriekonglomerats zu dieser Zeit 850 Leute mit dem Ziel, mehrere Asteroiden verschiedener Zusammensetzung in eine Mond-Erde-L5 Umlaufbahn zu transferieren. Die Entdeckung wurde Kepler zugesprochen. Ios von der Palladischen Liga (deren Bürgerin sie war) unterstützte Klage wurde abgewiesen.
Das von Io entdeckte fremde Raumschiff war physisch an einem 5,5x3,7x4,1 km großen Asteroiden befestigt. Es war annähernd würfelförmig mit einer Kantenlänge von 85 m. Das Raumschiff bestand im wesentlichen aus einer großen Maschineneinheit, Triebwerken und einer kleinen Kabine. Aus der Kabine waren alle Hinweise auf die Herkunft entfernt. Auf den ersten Blick auffällig war allerdings die geringe Höhe der Einrichtung, die auf eine Körpergröße von maximal 50 cm schließen ließ. Wichtiger als die Frage der Exobiologie war der zentrale Maschinenkomplex, der sich durch Vergleich mit den Raummodulationsversuchen der zweiten Generation als einfaches ÜL-Triebwerk herausstellte. Bei dem Raketenanschlag 2315 wurde der ÜL-Komplex glücklicherweise nur gering beschädigt. Das Studium der Anlage gab der Theorie neue Impulse und führte rasch zu einem deutlich verbesserten Verständnis der Raummodulationseffekte. Später, als die ÜL-Technik weiter fortgeschritten war, vermutete man, dass das Schiff als systeminterne überlichtschnelle Fähre gedient hatte, da die Kapazität des Antriebs nicht für interstellare Distanzen geeignet war.
Das Raumschiff wurde später im Schiffsmuseum der Nagora Station untergebracht und 2609 bei einem kisorischen Angriff auf Nagora zerstört. Eine Replik ist zum 300-jährigen Jubiläum der ersten Raumversetzung im Museum of Space Sciences, Mars installiert worden. Das Exponat wurde von der Marsian Interstellar Colonial Corporation Ltd. und der japanischen Republik Mars gestiftet.
Kopernikus Station
Entdeckung: 2190, Depot Routine Maintenance Crew
Ort: Mondkrater Kopernikus
Alter: > 30 Mio. Jahre
Ursprung: unbekannt
Einer Wartungseinheit entdeckte die Mondstation auf einer Routinestreife. Die Station war von der Erde aus nicht sichtbar in die Wand des Kraters Kopernikus eingelassen. Die zwei Techniker der Wartungseinheit fotografierten nur kurz den Eingang und meldeten die Entdeckung in ihrem Routinebericht. Weder sie noch ihre übergeordnete Stelle erkannten die Tragweite der Entdeckung. Alle Beteiligten nahmen an, dass die Station ein Relikt einer geheimen Mondoperation irgendeiner irdischen Macht im frühen 22. Jahrhundert sei. Die Information wurde als Kuriosität abgelegt und für eine spätere Untersuchung vorgemerkt. Erst bei einem Review des Berichtsjahres durch einen Praktikanten 6 Monate später, fielen Ungereimtheiten auf. Es dauerte weitere 6 Wochen bis eine kurze Überprüfung finanziert und eingeplant werden konnte, die den fremden Ursprung verifizierte. Eine darauf folgende weitere Expedition mit 8 Teilnehmern machte rund 10.000 Bilder, 150 Stunden Filmaufnahmen, seismische und radiologische Untersuchungen. Die Daten dieser Expedition wurden von der Raumpatrouille beschlagnahmt, bevor sie in das Netz gelangten und vermutlich später vernichtet.
Eine Nachrichtensperre unterdrückte die Entdeckung weitgehend. Der Weltrat beschloß in nichtöffentlicher Sitzung, dass die Station nicht angetastet werden dürfe. Die offizielle Erklärung war, dass eine gründliche Untersuchung erst nach behutsamer Vorbereitung der Bevölkerung vorgenommen werden könne, um die angespannte politische Situation zwischen Neosozialisten und Expansionisten nicht weiter zu belasten. Darüber hinaus befürchtete man, dass eine übereilte Untersuchung unwiederbringliche Werte zerstören könne, während "die Station ja nicht davonliefe".
In den folgenden 30 Jahren gab es mehrere Versuche im Weltrat, wie auch von Einzelnen, die Mondstation zu untersuchen, bzw. zugänglich zu machen. Die parlamentarischen Versuche standen aus verschiedenen Gründen unter einem unglücklichen Stern. Teilweise wurden Diskussionsanträge aus persönlichen Gründen zurückgezogen, teilweise aus ungünstigen Mehrheitsverhältnissen heraus nicht zugelassen. Der gesamte Komplex war ab 2192 als geheim eingestuft und dar fragliche Abschnitt des Kraterrands 2195 zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden. Die Raumpatrouille verhinderte 3 Versuche in das Sperrgebiet einzudringen; einen davon 2219 mit Waffengewalt und tödlichen Folgen für die Passagiere des eingedrungenen Shuttles.
Im Jahr 2228 gingen Bilder der Anlage durch die Presse, die offensichtlich von der ersten Überprüfungsmission stammten. Die Berichte erregten großes Aufsehen und brachten eine Gesetzesinitiative in Gang, die obwohl von 2230-2232 auf Eis gelegt, sogar als politisches Ziel in den Koalitionsvertrag 2236 aufgenommen wurde. Leider wurde die Anlage noch im gleichen Jahr durch eine nukleare Explosion vollständig zerstört. Der Anschlag wird neosozialistischen Splittergruppen zugeschrieben, wurde aber nie aufgeklärt. Die Explosion löschte die Station vollständig aus. Es wurden keine bedeutenden Trümmer gefunden. Das gesamte Stationsmaterial war in Bruchstücke unter 50 Mikrometer zerborsten. Dieser Umstand und die bei der Explosion freigesetzte spektrale Energieverteilung lassen vermuten, dass die verwendete Nuklearwaffe irdischer Herkunft einen stationseigenen Mechanismus auslöste, der alle Spuren beseitigte. Untersuchungen der Reste lieferten keine neuen Erkenntnisse. Die Station war offensichtlich aus Mondmaterial gebaut worden und beherbergte ca. 1500 t Geräte aus verschiedenen Leichtmetallen, Keramikverbundstoffen und wenigen Metallkomponenten, darunter anscheinend einen p-B Fusionsreaktor, eine zur damaligen Zeit atemberaubende Technik.
Der Infoblock wurden nach Ablauf von 50 Jahren freigegeben, darunter auch die Aufnahmen der ersten Überprüfungsmission und Hintergrundinformationen der Raumpatrouille, die das von ihr überwachte Objekt anscheinend entgegen den Anweisungen gut dokumentierte. Die Daten der einzigen richtigen Untersuchungsexpedition waren nicht erhalten. Aus den verfügbaren Informationen und Resten konnten keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden. Die Bilder zeigten typische Anlagen einer Forschungsstation, geschaffen für einen athmosphärenlosen Mond. Die Anlagen machten einen sehr fortgeschrittenen Eindruck und konnten nur zum Teil identifiziert werden. Es sind weder Detailaufnahmen, Tiefenscans, noch heute übliche Technologieanalysen erhalten. Theoretische Grundlagen und formale Vorgehensweisen der minimalinvasiven Fremdtechnologie-Reaktionsdiagnostik wurden erst während des ersten Aufbruchs ab 2450, also über 200 Jahre später, entwickelt.
Deepspace-Grid
Entdeckung: 2739
Ort: Interstellarer Raum, 88 Grad Nord, 3 Lichtwochen Distanz
Alter: unbekannt
Ursprung: unbekannt
Das Deepspace-Grid besteht aus ca. 10^24 Einzelelementen von 500 Mikrometern Größe, die durch jeweils ca. 10 km lange monomolkulare Ketten verwoben sind. Im Mittel hat jedes Element 12 (+/- 3) Verbindungen zu anderen Elementen. Das Grid erstreckt sich über mehrere Lichtstunden parallel und einige Lichtminuten senkrecht zur Ekliptik. Das Grid liegt nahe des solaren Nordpols (88 Grad Nord) in 3 Lichtwochen Entfernung in interstellarer Nachbarschaft Sols.
Die Elemente haben mehrheitlich ovale Form mit einem rundem Querschnitt und verschiedenen Achsverhältnissen von 1:1 bis zu 1:5. Die Elemente haben im Schnitt 50 jeweils 100 Nanometer große Sockel von denen manche mit monomoleklaren Filamenten bestückt sind. 50% der Filamente sind Verbindungen zu anderen Elementen, die übrigen enden nach bis zu 5000 m im Raum. Es gibt Hinweise, dass sich die Verbindungen dynamisch bilden und auflösen, wobei die Gesamtmasse gleich zu bleiben scheint.
Man vermutet, dass das Grid ein Konstrukt einer fortgeschrittenen Zivilisation ist. Aufgrund der Orientierung des Grids wird angenommen, dass es der Beobachtung des Sol-Systems dient. Die Untersuchung der Komponenten brachte aber keine konkreten Anhaltspunkte. Es ist nicht bekannt, ob das Grid seine (unbekannte) Funktion allein erfüllt, oder ob es nur ein Teil eines größeren Systems ist. Neueste Messungen zeigen einen neutrinofokussierenden Effekt mit einer Brennweite zwischen 5 und 80 Lichttagen. Dies deutet darauf hin, dass das Grid möglicherweise eine Energielinse aufspannt, die durch ihre Größe für ein hypothetisches, bildgebendes Verfahren eine phantastische Auflösung der Vorgänge im Sol-System liefern könnte.
Das Deepspace-Grid wurde im Jahr 2739 im Zusammenhang mit einer Raumschiffhavarie entdeckt. Eine private Yacht driftete im interstellaren Raum, 3 Lichtwochen über dem solaren Nordpol mit 300 km/s in das bis dahin unbekannte Grid. Das Schiff kollidierte mit den Filamenten; anfangs mit bis zu 10 pro Sekunde. Das Grid nahm die kinetische Energie des Schiffs auf und bremste es mit je nach Zahl und Spannung der Filamente wechselnden Kräften ab. Nach 3 Stunden mit bis zu 4g ohne Kompensation kam die Yacht im Leerraum zum Stillstand relativ zu Sol. Die Insassen überlebten den Vorfall schwer verletzt. Auch das Schiff nahm so schweren Schaden, dass es das Grid nicht aus eigener Kraft verlassen konnte. Nachdem das Schiff 2 Tage überfällig war, wurde von der solaren Flugsicherung eine Rettungsmission ausgesandt, die 4 Tage nach der Havarie aus 2 Lichtstunden Entfernung Kontakt zur KI der Yacht aufnahm, von dieser gewarnt wurde, und so den gleichen Fehler vermied. Nach zwei Tagen in langsamer Fahrt konnte die Besatzung des havarierten Schiffes geborgen werden.
Contour Bojen
Entdeckung: seit dem Besuch des Contour Systemfahrzeugs bei Cobol
Ort: verschiedene Orte im Sol-System
Alter: Jahr 2676
Ursprung: Contour
Das Contour Systemschiff, dass Cobol besuchte, hinterließ nicht nur im Cobolsystem, sondern in mehreren bewohnten Sonnensystemen der näheren Umgebung sogenannte Bojen: milchig-weisse kugelförmige Energieblasen verschiedener Grösse. Die Bojen zeigen außer gelegentlichen Ortswechseln keine Aktivität. Im Sol-System wurden bislang ca. 14 Bojen entdeckt. Die meisten mit Durchmessern zwischen 0,1 und 1 m. Die bekannten Bojen sind verstreut über das gesamte Sonnensystem, eine innerhalb der Merkurbahn, 2 im Mars-Erde Bereich, 8 (!) in Jupiterumlaufbahnen und eine bei Neptun. Die übrigen 2 befinden sich Leerraum weit über, bzw. unter der Ekliptik. Die Neptunboje ist mit 15 m Durchmesser bei weitem die größe.
Warum sich mehr als die Hälfte aller gesichteten Contour Bojen bei Jupiter befinden ist nicht bekannt. Die Contour interessieren sich anscheinend sehr stark für die Vorgänge auf Jupiter. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass es auf Jupiter doch Leben gibt, vielleicht sogar intelligentes Leben. Sollte tatsächlich intelligentes Leben auf Jupiter der Grund für das Interesse der Contour sein, dann befindet es sich aber noch nicht im technischen Zeitalter und macht sich deshalb noch nicht bemerkbar. Jupiter scheint für die Contour mindestens genauso interessant zu sein, wie der gesamte Rest des Systems, mit Erde, Mond, alle anderen bewohnten Planeten und tausenden Habitaten im Raum. Das ist nicht verwunderlich, da die Oberfläche Jupiters 100-mal so groß ist, wie die der Erde. Falls es Leben auf Jupiter geben sollte, dann ist die Vielfalt der Arten vermutlich erheblich größer, als die des Lebens von der Erde.
Centaurus-Komplex
Entdeckung: 2844, E. Harris und S. Nunez
Ort: Solnet
Alter: 980 Jahre, davon 80 in Solnet
Ursprung: Vocon Cluster
Der Centaurus-Simulationskomplex wurde per Zufall im Solnet, dem solaren Informationsverbund entdeckt. Er umfasst eine Datenmenge von 85 GPB; 15 GPB im Interface, ca. 50 GPB im Kern und 20 GPB Utilities, darunter mindestens 4 unabhängige Special Purpose KIs. Der Komplex ist grössen- und contentstabil. Die mittlere Datenaustauschrate beträgt nur 1 ppB pro Jahr, im wesentlichen durch Statistik und automatische Optimierungen. Er ist wie viele andere Komplexe delokalisiert mit 60% Aufenthaltswahrscheinlichkeit der Hauptmasse im irdischen Geosyncbackbone. Der GesamtIO war in der Vergangenheit vernachlässigbar, steigt in jüngster Zeit aber deutlich an.
Die Hauptfunktion des Komplexes ist die physikalische Simulation eines (für Menschen idyllischen) Kontinents auf Eon im Vocon Cluster. Die Simulation ist sehr detailliert, so dass der durchschnittliche Benutzer mit einem modernen Rig keine Inkonsistenzen sehen sollte. Der ursprüngliche Zweck scheint eine wissenschaftliche Biosphärensimulation zu sein. Darauf deuten die alten Logs hin, die 2954 entdeckt wurden. In diesen Logs erscheinen die Beschreibungen sehr vieler Simulationsläufe und Restarts mit jeweils leicht variierenden Anfangsbedingungen. Deutlich sind Forschungsreihen zu erkennen in denen Wissenschaftler von Vocon den Einfluß von Umwelteffekten auf die Biospäre untersuchten. Die einzelnen Personen sind heute nicht mehr zu identifizieren. Für genaue Nachforschungen ist der Vocon Cluster aber auch zu weit entfernt und der Komplex zu alt.
Die im Vergleich zur Funktionsvielfalt und Detailtreue geringe Grösse des Centaurus-Komplexes spricht für einen hohen Entwicklungsstand der Informationsverarbeitung. Die Blindleistung des Simulatorkerns wird auf weniger als 30% geschätzt; bei unter 5% Transferleakage. Die Implementierung ist sehr flexibel. Sie läuft im öffentlichen Solnet auf moderner Quantenhardware und sogar, mittels einer eigenen spKI, auch im alten Nukleonenarrayverbund, der im Tara Computing History Museum immer noch als Simulation betrieben wird. Untersuchungen verschiedener Kernsysteme zeigen sehr effiziente Algorithmen. Einer der Objectcores wurde sogar in das irdische Wettersystem übernommen. Dies geschah allerdings erst nach Ablauf der Sperrfrist, die den Entdeckern für 20 Jahre die Exklusivrechte zusicherte.
Der Komplex verfügt über keinerlei herausgehobene Ausführungsprivilegien. Er läuft selbständig nur mit einem schmalen Maintenanceflow, der sehr wenig Leistung beansprucht. Der Komplex lebte deshalb unauffällig mit Myriaden anderer Low-Priority Prozesse in Solnet und wird über öffentliche Budgets unterhalten. Bei aktiver Benutzung wird der Eingangsbereich semistatisch erzeugt über die persönlichen Visualisierung des Benutzers. Interfaces zu Nano-Caves sind verfügbar. Es gibt eine breite Palette von Standardszenen die von den meisten Visualisierungen interpretiert werden können. Im Normalfall wird der Simulatorkern nicht benötigt. Die Standardszenen sind flexibel genug, um individuelle Szenen ohne Vollsimulation zu ermöglichen. Dadurch ist der Zugang sehr günstig. Dies ist ein wesentlicher Grund, dass der Centaurus-Komplex als Ausflugsziel immer beliebter wird. Neben der fast perfekten Darstellung einer bezaubernden Landschaft ist es vor allem der günstige Zugang auch für kurze Runs, der immer mehr Leute anzieht. Obwohl Nano-Visualisierung wegen der Cavezeit nicht so günstig ist, wie 3D, wird auch der Zugang über das Nano-Interface immer häufiger benutzt. Vor allem die Nano-Darstellung überzeugt durch detailreiche aber ressourcenschonende Implementierung. Eine normale 2-Personen Szene im 500-er Cave degradiert den Fog nur mit 1% pro Stunde.
Wie ein so hochentwickeltes Simulationspaket der Vocon Zivilisation in Solnet gelangte, ist weiterhin ungeklärt. Nachforschungen haben ergeben, dass er erstmals 2764 in Backup-Clustern auftaucht. Traces, die über die ersten Transaktionen Aufschluss geben könnten, sind vermutlich bei der Solnet Kompaktifizierung 2824 gelöscht worden. Es konnte keine Eigentumszuordnung gefunden werden, weder im Komplex, noch in Solnet-Beständen. Die einzige externe Zuordnung mit Kontakteigenschaften im Solnet ist intern ungültig. Centaurus ist nach neuesten Erkenntnissen ein tsnh-Fall. Seine Entdeckung löste ein aufwendiges systemweites Remapping referenzieller Gruppenkennungen aus. Der Komplex lebte - und lebt immer noch - unter diversen wechselnden öffentlichen Identitäten; eine durchaus weit verbreitete Vorgehensweise. Vermutungen, dass der Komplex als Tarnung für einen Infiltrationsmechanismus dient, haben sich als haltlos erwiesen. Der Komplex wurde als unbedenklich eingestuft und hat in 150 Jahren öffentlichem Betrieb keine Seiteneffekte gezeigt.
Der Centaurus-Komplex wurde von 2 Studenten entdeckt, die an einer Studie über Transformationsfluktuationen zweiter Ordnung in Backbone-Flows arbeiteten. Die Studenten, E. T. Harris (hartE) und S. Nunez (ce9kit) griffen nur zufällig Transaktionen von Centaurus heraus. Sie analysierten dann aber die Quelle und verschafften sich schließlich Zugang zum Komplex. Der Maintenanceeingang war nur schwach gesichert mit einer einfachen Passgeste, die mit Standardtools rekonstruiert werden konnte. Die Geste ähnelt dem Sternbild Centaurus, daher der Name des Komplexes. Nach dem Unclaimed Information Structure Act von 2800 wurde der Komplex nach dreijähriger einspruchsfreier Offenlegungsfrist den beiden Entdeckern zugesprochen. 2869 wurde er dann öffentliches Eigentum unter Solnet Verwaltung. Die Maintenanceeingänge sind geschlossen worden, um den Komplex vor Missbrauch zu schützen. Das Besuchergate bleibt weiterhin geöffnet.
Arizona Krater Relikte
Entdeckung: 2626
Ort: Erde, Umgebung des Arizona Kraters
Alter: 49.000 Jahre
Ursprung: unbekannt
Im Jahr 2626 stieß man bei Erdarbeiten in der Umgebung des Arizona Meteorkraters auf die Reste eines Artefakts außerirdischen Ursprungs. In 35 m Tiefe, 3 km nordöstlich des Kraterzentrums wurden die Reste einer Raumkapsel gefunden. Die Kapsel war ursprünglich ein Ellipsoid von 3 m Länge mit einer 20 cm dicken keramischen Hülle. Die Hülle war in mehrere Stücke zerbrochen, während das Innere der Kapsel weitgehend zerstört war. Nach diesem Fund wurde die Umgebung im Umkreis von 20 km systematisch durch Tiefenscans untersucht und die Reste von 2 weiteren Kapseln gefunden. Die beiden Kapseln lagen in 5 und 12 km Entfernung vom Krater in 20, bzw. 15 m Tiefe.
Die Kapseln stehen zeitlich mit dem Krater im Zusammenhang. Sie sind vor dem Auftreffen des Meteors auf dem Boden aufgeschlagen, schufen dabei selbst 10-15 m tiefe Einschlagslöcher und wurden kurz danach vom Kraterauswurf bedeckt. Die Kapseln sind vermutlich beim Auftreffen zerborsten. Sie bestanden aus einer sehr widerstandsfähigen Keramik, die sowohl thermisch isolierende und schockresistente, als auch plastische Eigenschaften zeigt. Die Ausrüstung wurde durch den Aufschlag zerstört, eine eventuelle Besatzung durch die Verzögerungskräfte (bis 100.000 g) getötet. Glühende Gesteinstrümmer vom Meteorkrater verwischten weitgehend die Reste des Inhalts der aufgebrochenen Kapseln.
Man nimmt an, dass die Kapseln mit dem Arizona Meteor kamen und kurz vor dem Aufschlag als Rettungskapseln den Meteor verließen, aber zu spät starteten, um den Aufschlag zu vermeiden. Vom Arizona Meteor wurden schon vor mehreren hundert Jahren die üblichen Meteoritenreste, aber keine ungewöhnlichen Spuren, gefunden. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass der Krater vom Einschlag eines Raumschiffs statt eines Meteors verursacht wurde. Lage und Einschusswinkel der Kapseln in den Boden unter der Trümmerschicht deuten auf eine sehr geringe Relativbewegung der Kapseln gegenüber dem Meteor hin. Womöglich gelangte der 100 m große Meteor durch einen Unfall auf Kollisionskurs mit der Erde und die 3 (?) gerade dort befindlichen Wesen konnten zwar die Rettungskapseln erreichen, sich aber ohne eigenen Antrieb nicht rechtzeitig absetzen.
Es liegen keine weiteren Informationen über die Herkunft der Wesen vor. Es gibt weder zeitliche noch technologische Korrelationen mit anderen Artefakten oder Ereignissen im Sonnensystem. Wir wissen nicht wer die Wesen waren, was sie im Sonnensystem taten und ob sie den Arizona Meteor selbst auf Kollisionskurs brachten.
Weltraum Müll
Entdeckung: 2312
bis heute
Ort: Sonnenorbits, Saturnorbit, Planetoiden
Alter: 5000 - 52 Mio Jahre
Ursprung: diverse
Wie in vielen Sonnensystemen haben auch im Sol-System manche Besucher ihren Abfall hinterlassen. Die Hinterlassenschaften stammen von verschiedenen Besuchern aus ganz verschiedenen Zeiten. Auch die Zusammensetzung ist sehr unterschiedlich, von rein biologischen Abfällen über typische Abfälle des Raumschiffbetriebs bis zu kompletten Geräten. Vermutlich gehört auch das Kaio Schiff dazu, denn es wurde offensichtlich ausgeschlachtet und an einen Asteroiden befestigt zurückgelassen.
Der meiste Abfall befindet sich auf solaren Umlaufbahnen. Es sind 13 Objektgruppen in der Ekliptik bekannt und 3 auf Bahnen mit mehr als 10 Grad Neigung, wobei die Entdeckungswahrscheinlichkeit für Objekte kleiner als 1 m außerhalb der Ekliptik wesentlich geringer ist. Die Objekte wurden vermutlich einfach ausgeschleust und verblieben auf der aktuellen Trajektorie.
In den meisten engen Solarorbits (bis zur Jupiterbahn) verschwinden kleine Objekte nach wenigen Millionen Jahren durch Kollisionen mit den Planeten, v.a. Jupiter und durch Sturz in die Sonne nach Ablenkungen durch Planeten. Grosse Objekte in weiteren Solarorbits oder in planetaren Orbits verbleiben länger. Eine große Gruppe von Objekten mit einer Gesamtmasse von 8.000 t zum Teil radioaktiven Abfalls ist über die äußeren Saturnringe verteilt. Die Objekte sind etwa 20 Mio. Jahre alt. Simulationen zeigen, dass diese Gruppe als ein Stück lose zusammenhängenden Materials ausgesetzt wurde und sich durch die Gezeitenkräfte inzwischen weit verteilt hat.
Bis auf wenige Ausnahmen können die Relikte nicht bestimmten Völkern oder Vorgängen zugeordnet werden. Ein 5 Mio. Jahre altes kompaktes Paket von Abfällen mit biologischen Komponenten im Planetoidengürtel weist starke Verwandtschaften mit Solberg 86 III auf. Das biologische Codesytem ist identisch mit dem der dortigen Arten, die Organisation des Makrostruktursystems weicht aber deutlich ab. Der Umstand könnte im irdischen, DNS-dominierten Codesystem nur mit einer Parallelentwicklung von 500 Mio. Jahren erklärt werden. Man vermutet deshalb, dass mit dem Solberg Codesystem Bioengineering betrieben wurde und auf das Codesystem eine künstliche Makroordnung aufgesetzt wurde. Eine Technik, von der wir nur träumen können.
Eine historische Rarität ist eine 12.000 Jahre alte Sammlung defekter IT-Baugruppen aus der Frühzeit des Solemischen Reiches. Man weiß aus anderen Quellen, dass Erkunder des Reiches in der Anfangszeit Reisen weit über die damaligen Reichsgrenzen hinaus unternommen haben. Die zeitliche Einordnung bedeutet, dass der Besuch im Sol-System immerhin fast 4000 Jahre vorher geschah, bevor das Reich seine Grenzen in den lokalen Sektor ausdehnte. Einige Elemente haben akustischen Hilfsfunktionen, die immer noch funktionieren, sodass man heute, 12.000 Jahre später, die Sprache eines Instruktors aus der Anfangszeit des legendären Solemischen Reiches hören kann.
Zugeordnet werden konnten auch 4 Tonnen knapp 9000 Jahre alte biologischer Abfälle, die als Cluster verteilt über 100 Kubikkilometer die Sonne umkreisen. Die Abfälle stammen eindeutig von einem kisorischen Kreuzer des ersten Imperiums. Der Cluster wurde 2674 entdeckt und als kosmischer Misthaufen Kisors bezeichnet; ein gefundenes Fressen für die Boulevardmedien des Sol-Systems bei der damaligen kisorfeindlichen öffentlichen Meinung.
Der sogenannte Weltraum-Müll ist der einfachste Beleg dafür, dass in der Umgebung des Sol-Systems schon seit vielen Millionen Jahren Raumfahrt betrieben wird. Es besteht kein Grund zur Annahme, dass die Verhältnisse in der übrigen Galaxie anders sind, als im lokalen Bereich. Man kann außerdem davon ausgehen, dass nur ein geringer Bruchteil der Besucher Abfall hinterlässt. Bei den meisten Völkern ist es üblich, Abfall in die Sonne zu entsorgen. Das bedeutet, dass es im Laufe der letzten hundert Millionen Jahre noch wesentlich mehr Besucher im Sonnensystem gegeben hat. Die Gesamtheit der raumfahrenden Völker besucht alle Systeme viele Male, jedoch jedes Volk nur einen Bruchteil der Systeme. Die meisten Besucher treffen nicht auf eine Zivilisation, da die weitaus meisten Zivilisationen von intelligenten Wesen nur einen geringen Bruchteil der Lebensdauer eines Sonnensystems bestehen.

