Annahmen
Geordnete Unordnung
1. Es gibt (viele) fremde Völker
2. Es ist nur ein Teil der Milchstrasse bekannt
3.
Hard (Science) Science Fiction
Vielfalt
Wir leben in einer lebendigen Galaxis und wir sind nicht allein. Im Gegenteil. Es ist ganz schön was los. Es gibt viele Völker und die meisten sind schon länger dabei, als die Menschen. Die Menschen von der Erde sind nicht besser und nicht schlechter, als viele andere Völker. Was die Menschen zeitweise heraushebt ist, dass sie sich in einer aktiven Phase befinden. Das geht den meisten Völkern so, legt sich aber nach einiger Zeit.
Fremdartigkeit
Die anderen Völker sind zwar fremdartig in Anatomie, Biologie und Mentalität, aber wir nehmen an, dass die meisten sich nach menschlichen Maßstäben irgendwie logisch verhalten, sonst gibt es ein Chaos. Sollte es andere Logik geben, dann muss sie begründet und erklärbar sein. Einfach nur "anders" reicht nicht als Erklärung. Es gibt vermutlich soziologische, und biologische Ursachen für andere Verhaltensmuster. Es gibt unterschiedliche Körperchemie, verwandte Körperchemie mit Inkompatibilität und wir schließen auch eine kompatible Chemie nicht aus. Das Universum ist voller Überraschungen und bei der angenommenen Zivilisationsdichte ist es nicht ausgeschlossen, dass Leben zwischen Sonnensystemen übertragen wird.
Inkompatible Nahrung oder Lebensverhältnisse mögen für den Reisenden unangenehm sein. Sie sind aber für den Ablauf der Geschichte nicht bestimmend. Sie erfordern nur größeren logistischen Aufwand und können im Einzelfall dann zum Thema werden, wenn die Logistik versagt. Das gleiche gilt für Krankheiten. Inkompatible Biologie begünstigt oder verhindert die Übertragung von Infektionen. Das bleibt dem Einzelfall überlassen. Es gibt für beide Varianten Vorbilder auf der Erde. Inkompatible Chemie und Lebensverhältnisse verhindern nicht, begünstigen aber auch nicht Koexistenz bzw. Interessenkonflikte. Sie schränken die Auswahl an sinnvollen Handelspartnern und Grundstücken (Planeten) ein, sorgen aber andererseits für eine vielschichtigere Zivilisation indem mehrere Fraktionen - lose gekoppelt durch nur teilweise überlappende Interessen - die gleichen Räume bewohnen.
Die Sonne in der Milchstrasse
Die Milchstrasse ist nach Andromeda (M31) die zweitgrößte Galaxie der lokalen Gruppe nach Abmessungen und die größte nach Masse mit ca. 200 Mrd. Sternen. Die Milchstrasse ist vom Typ Sb oder Sbc also Spiralgalaxie mit einem elliptischen Kern, der vorwiegend aus alten Population II Sternen besteht, und einer Scheibe aus mehreren Armen, die spiralförmig vom Kern nach außen verlaufen. Die Arme werden vor allem von Sternen der Population I bevölkert, einer Mischung aus jungen und alten Sternen, in denen ein wesentlicher Teil des Materials der ersten Stern-Generationen aufgegangen ist.
Unsere Sonne liegt ca. 26.000 Lj vom Zentrum entfernt auf der Innenseite des Orion Arms. Der weiter innen liegende Sagittarius Arm ist ca. 6000 Lj entfernt. Zwischen den beiden Armen ist die Sterndichte geringer, als in den Armen. Trotzdem ist auch der Zwischenraum nicht leer. Er ist angefüllt mit schwächer leuchtenden, weniger massiven roten Sternen und Ausläufern der beiden angrenzenden Arme. Die galaktische Scheibe ist 1000 bis 1500 Lj dick, hat aber Sternenpopulation bis zu 1500 Lj über der galaktischen Ebene. Sol liegt momentan annähernd in der Mitte, nur 70 Lj über der angenommenen galaktischen Hauptebene.
Ebenfalls nahe der Hauptebene liegen viele junge heiße Sterne der Klassen O und B. Bis in 1000 Lj Entfernung von der Hauptebene sammeln sich viele junge metallreiche Sterne, die durch den Reichtum an schweren Elementen gut ausgebildete Planetensysteme haben, aber selbst noch kein höheres Leben entwickelt haben. Die meisten Sterne sind wie Sol mehrere Mrd. Jahre alt. Sie liegen innerhalb von 2000 Lj von der galaktischen Ebene. Sie enthalten ähnlich viele schwere Elemente, wie unser Sonnensystem und weisen deshalb auch oft ähnliche Planetenkonfigurationen auf. In den äußeren Bereichen der Scheibe liegen besonders viele alte Sterne, deren Planetensysteme oft aus weniger schweren Elementen bestehen und in denen man deshalb vor allem Gasgiganten und vergleichsweise weniger erdähnliche Planeten findet.
In der näheren Umgebung gibt es einige Sterne auf ähnlichen galaktischen Orbits, wie Sol. Solche Sterngruppen bewegen sich gemeinsam um das galaktische Zentrum, werden dabei aber von anderen Gruppen oder Einzelsternen durchkreuzt. Die Relativgeschwindigkeiten reichen bis zu 1000 km/s. Vor allem junge Sterne bilden oft Gruppen, die gemeinsamen aus einer molekularen Gaswolke durch die gleiche Schockwelle entstanden sind. Diese Gruppen lösen sich durch initiale Relativgeschwindigkeiten auf und bilden beeinflusst durch galaktische Gezeiten, die Massen von Nachbarclustern, Seitenarmen und durch Dichtewellen des interstellaren Gases vielfältige Strukturen.
Größe des bekannten Sektors
Die Galaxie ist gross im Vergleich zum bekannten Sektor. Sie hat einen Durchmesser von 100.000 Lj. Der bekannte Sektor ist etwa 3000 Lj groß. 2000-3000 Lj ist ein gutes Mittelmaß zwischen den beiden Extremen:
a) Man fliegt schnell mal an das andere Ende der Milchstraße oder gar an das Ende des Universums, und
b) Der bekannte Raum ist so winzig, dass fast jedes Sonnensystem bewohnt sein muss, um die gewünschte Vielfalt unterzubringen.
Wir nehmen den bekannten Sektor etwas größer an, als StarTrek (200 Lj) und Niven/Known-Space (70 Lj). Der bekannte Sektor beherbergt ca. 60 Mio. Sterne, 3.000x so viele, wie StarTrek und ca. 80.000x so viele wie bei Niven. Er umfasst deshalb einen Zylinder von 3000 Lichtjahren im Durchmesser in der galaktischen Ebene und ca.2000-3000 Lj Höhe bis zu den Rändern der Scheibe.
Zivilisationsdichte
Wir sind optimistisch, aber nicht so optimistisch, wie Niven: Wir nehmen an, dass in den Spiralarmen jeder 400. Stern einen bewohnbaren Planeten hat und jeder 20. Planet irgendwann einmal Leben hervorgebracht hat. Die Schätzung orientiert sich grob an Asimov's Analyse "Extraterrestrial Civilizations". Der Begriff "bewohnbar" ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen, da er ausser den auf Kohlenstoff-Wasser-Chemie basierenden Ökologien vermutlich auch Methan-Ammoniak-Welten und vielleicht sogar Hochdruck-Wasserstoff Welten (Jupiter ?) oder Silizium-Schwefel-Chemie umfaßt. Selbst Welten, die für Kohlenstoff-Wasser-Ökologie geeignet sind, sind nur teilweise für Menschen angenehm oder mit tragbarem technischen Aufwand bewohnbar.
Da sich das Leben auf viele verschiedene Arten gerne ausbreitet, sind relativ viele bewohnbare Planeten tatsächlich schon belebt oder sogar von intelligenten Wesen bewohnt. Wir nehmen aber an, dass der starke Expansionsdrang, wie ihn die Menschen gerade erfahren, irgendwann nachlässt. Wahrscheinlich dann, wenn sich die ethnische Dichte und die Bevölkerungsdichte etwas entspannt hat. Wir vermuten, dass das auf alle Zivilisationen zutrifft, sonst wären alle Grundstücke schon lange besetzt. Vielleicht füllen Zivilisationen ökologische/ökonomische Nischen und haben eine verschiedene, nicht vorgegebene, aber beschränkte Lebensdauer in sich verändernden galaktischen Rahmenbedingunen von denen wir nicht viel wissen.
Superzivilisationen und Zivilisationsstufen
Wir brauchen eine Schutzbehauptung, um zu verhindern, dass wir tausende von Millionen oder sogar Milliarden Jahre alten Zivilisationen antreffen: Wir nehmen an, dass die Zahl von Zivilisationen bei höheren Entwicklungen stufenförmig gegen Null geht, d.h., dass die Übergangswahrscheinlichkeit gering ist und sich pro Stufe die Zahl der Zivilisationen um Größenordnungen reduziert. So entsteht sehr viel nichtintelligentes Leben, viele Intelligenzen auf Steinzeitniveau, weniger planetare Zivilisationen und noch weniger sternenfahrende Völker.
Die Menschen haben die ersten Stufen schon genommen, nämlich die Entwicklung von Intelligenz und die Entwicklung einer technische Zivilisation. Die nächste Stufe, das Überleben der technischen Zivilisation, ohne sich selbst zu vernichten, scheint gerade zu passieren. Damit ist der Weg frei für die Raumfahrt. Es gibt aber andere, die schon weiter sind. Wir nehmen an, dass die nächste Stufe weniger in einer technischen, als in einer geistigen Weiterentwicklung gesteht. Wir nehmen an, dass wesentlich weniger interstellare Zivilisationen diesen Schritt tun. Aber wenn sie diese Hürde nehmen, dann so, dass sie sich als sogenannte Elder Civilisation danach unauffällig verhalten und nur selten regulierend eingreifen. Wir vermuten, dass es neben technologischem Fortschritt schließlich doch auch geistigen Fortschritt gibt und, dass uns deshalb das Outside Context Problem erspart bleibt, dass den Azteken mit den Spaniern, den Indianern mit den Europäern und vielen anderen wiederfahren ist. Über weitere Stufen wissen wir nichts.
Die Annahme der Zivilisationsstufen mit geringen Übergangswahrscheinlichkeiten hält uns die übermächtigen alten Zivilisationen und zu viele raumfahrende Brüder und Schwestern vom Leib. Wir vermeiden das Problem der übermächtigen Superintelligenzen, die mit Galaxien Schach spielen a la Perry Rhodan. Auch ein schönes Konzept zum Bücher füllen, aber nicht unseres. Wir wollen nicht ständig auf dem Sprung sein als Hilfsvolk einer Superintelligenz, sondern Spaß haben und selbst was reißen.
Überlichtschnelle Raumfahrt
Wir nehmen eine normale Raumfahrt an. Raumfahrt mit Raumschiffen soll so funktionieren, wie wir Schifffahrt seit der Antike und Luftverkehr heute kennen. Die wenig überraschenden Annahmen sind: Reisen wird mit Schiffen durchgeführt. Schiffe bestehen aus Hardware: Stahl, Kunststoff und vielleicht Energie, wenn man modern sein will, dann zu Teilen aus Formenergie, die aber von echter Hardware erzeugt wird. Reisen braucht Zeit. Anfangs sind weite Reisen Abenteuer, später ist Reisen einfach nur aufwendig und teuer. Noch später wird Reisen erschwinglich für viele Menschen. Es kann Transmitter geben, aber nicht in dem Umfang, dass Raumschiffe überflüssig werden. Ohne schwierige Erklärungskonstruktionen ist die Existenz von Transmittern eine Folge der Existenz von überlichtschnellen Antrieben oder Funkgeräten. Transmitter sind im wesentlichen stationäre Installationen für den gleichen Zweck, nämlich Masse und/oder Information unter Umgehung der Lichtgeschwindigkeit im Einsteinraum zu bewegen. Ein logischer Schluss besteht darin Transmitter als Kommunikationsgerät zu betrachten und Transmitter deshalb den Randbedingungen der Kommunikation zwischen stationären Endpunkten zu unterwerfen (siehe Kommunikationszeiten).
Reisezeiten
Für Ägypter, Griechen, Chinesen, Römer und bis in die Mittelalter war die Erde flach und unendlich groß. An den Grenzen wohnten fremde Völker oft hinter Bergen oder Meeren. Dahinter wohnten wieder andere. Kein Volk, kein Individuum erfaßte die gesamte Erde. Wir nehmen an, dass die Menschen die galaktische Bühne betreten, so wie die ersten Zivilisationen der Erde die Erde erfahren haben. Eine wichtige Stellgröße ist die Reichweite der Zivilisation. Für antike Zivilisationen betrug die Marschgeschwindigkeit 20 km/Tag. Typische lange Reisen dauern 30-50 Tage und reichen bis 1000 km weit. Eine halbe Umrundung der Erde dauert 3 Jahre. Tatsächlich behindern Meere die Umrundung und logistische Probleme senken die Marschgeschwindigkeit bei langen Reisen. Das gleiche gilt für Kommunikation. Reisen und Kommunikation dauert Zeit.
Unsere heutige Zivilisation hat 100 bis 1000-fach höhere Marschgeschwindigkeiten und instantane Kommunikation. Übertragen auf die Milchstraße gestehen wir diese Geschwindigkeit nur unbekannten, weit höher stehenden Zivilisationen zu. Für die Menschen bemessen wir die Reisezeiten in der Milchstraße ähnlich, wie in der Antike. Eine vernünftiger Zeitraum für das Durchmessen der Galaxie ist 10 Jahre, 3600 Tage. Ein Zeitraum, der Reisen möglich macht, aber weitreichenden Einfluss und damit eine einzige galaktische Zivilisation/Imperium a la Asimov/Trantor verhindert. Damit beträgt die Marschgeschwindigkeit ca. 30 Lj/Tag. Diese Geschwindigkeit gilt für neue Zivilisationen auf der galaktischen Bühne nicht von Beginn an. Die sebstentwickelte Überlichttechnik erlaubt anfangs einen Überlichtfaktor von 20, d.h. nur 0,06 Lj/Tag. Nach einem durch die Bedingung an Bevölkerungsdichte und Völkervielfalt sehr wahrscheinlichen Technologietransfer springt die Marschgeschwindigkeit um den Faktor 100 auf 6 Lj/Tag, innerhalb von 100 Jahren auf 20 Lj/Tag und dann durch graduelle Verbesserungen auf 30Lj/Tag .
Viel später kommen bessere Raumfahrttechniken zum Einsatz mit denen die Marschgeschwindigkeit bis zu 300 Lj/Tag steigt. Wir nehmen an, dass diese Technik sehr anspruchsvoll ist und sich nach ihrer Entdeckung deshalb nie weit verbreitet, bzw. regelmässig auch wieder verloren geht, damit sie nicht von zu vielen eingesetzt wird. Mit 300 Lj/Tag kann man die Milchstrasse immerhin in einem Jahr durchqueren.
Kommunikationszeiten
Kommunikationszeiten waren im Altertum ähnlich bemessen, wie Reisezeiten. Üblich war Kommunikation durch Kuriere, die die doppelte bis dreifache Marschgeschwindigkeit erzielten. Wesentlich schneller waren Fernmeldestrecken, die optisch kommunizierten, allerdings von Hand betrieben wurden. Wir verbieten interstellare überlichtschnelle Kommunikation, wollen aber Relaisstrecken möglich machen. Das Mittel dazu ist die Festlegung auf physikalische Randbedingungen, die überlichtschnelle Kommunikation auf kurze Abstände ermöglichen (Lichtstunden), aber über große Distanzen verbieten.
Annahme: Es gibt keine eigenständige Überlichtsendetechnik. Kommunikation und Raumfahrt verwenden den gleichen physikalischen Effekt. Man kann überlichtschnelle Raumfahrt über mehrere Lichtstunden entdecken, so dass man den Eintritt in Sonnensysteme überlichtschnell registrieren kann. Kommunikation besteht aus dem Detektieren der Streueffekte von Raumfahrt. Ein überlichtschnelles Funkgerät sendet indem es die gleichen Effekte erzeugt, wie ein Überlichttriebwerk. Ein Detektor, der überlichtschnelle Raumschiffe wahrnimmt kann auch Sendungen empfangen. Schiffe könnten während dem Überlichtflug senden, indem sie ihr Triebwerk modulieren. Man kann Raumfahrt nicht über interstellare Entfernungen anmessen, folglich gibt es auch keine interstellaren Funksprüche.
Begreift man Transmitter als Kommunikationsgeräte, dann folgt der Transmitter aus dem überlichtschnellen Funk wenn Analyse und Synthese hinzugezogen werden. Wir nehmen hier an, dass es Transmitter gibt, sind jedoch konservativer, als andere Szenarien (beamen, Transportkabinen/scheiben, Transformkanonen), sondern betrachten für unsere und andere bekannte Zivilisationen das Analyse- / Syntheseproblem als ungelöst, und wenn es nur am Fehlen der in StarTrek gut funktionierenden Heißenberg-Kompensatoren liegt. Transmitter und interstellarer Funk können vorkommen, sind aber Kuriositäten und weit entfernt davon Alltagstechnik zu sein.
Imperium und Machtebereiche
Für die Größe von Imperien und Einflussgebieten gehen wir wieder von antiken Vergleichen aus. Der Vergleich zeigt, dass - wenn man das untypische Alexanderreich außer acht lässt - sich Machtbereiche über maximal 2 bis 4 Wochen Marschgeschwindigkeit erstrecken und nicht mehr. Möglicherweise hängt dies mit der effektiven Reichweite der Executive zusammen, vielleicht mit der Reichweite des Militärs, vielleicht aber auch mit einer notwendigen minimalen zivilisatorischen Homogenität innerhalb eines zu verwaltenden Bereichs.
Die errechnete Marschgeschwindigkeit führt deshalb je nach Marschgeschwindigkeit zu typischen Einflussbereichen von 500 bis 1500 Lj, für große Imperien / Sternenreiche. Dies passt zur Größe des bekannten Sektors von 2000-3000 Lj, die damit etwa ein großes Imperium und seine Nachbarn abdeckt. Ein Einflussbereich von 1000 Lj Durchmesser enthält 5 Mio. Sterne, 13.000 bewohnbare Planeten und angenommene 4000 tatsächlich bewohnte Planeten mit ca. 800 verschiedenen Völkern und 500 Mrd. bis 5 Billionen (in Ausnahmen bis 50 Billionen, 50*10^12) intelligenten Einwohnern. Das ist genug für ein großes Imperium, genug für eine große Vielfalt und gewaltig, wenn man bedenkt, dass jeder Planet eine eigene Vielfalt an Geographie, Flora, Fauna und Mentalität bietet, wie die Erde. Es ist ein Bereich der nach heutigem Ermessen nicht überschaubar und verwaltungsfähig, d.h. beherrschbar ist. Aber die Maßstäbe ändern sich mit den technischen Möglichkeiten. Wir nehmen an, dass diese Komplexität genauso gut oder schlecht handhabbar sein wird, wie ein römisches Imperium für Rom oder ein chinesisches Reich für die Verwaltungen in Xianyang oder Peking.
Vergleichsszenario
Viele Action-orientierten Science Fiction bilden den Wilden Westen ab. Einzelne Helden kämpfen gegen Ausserirdische (Indianer) und wenn die Situation aussichtslos ist, dann kommt die Raumflotte (Kavallerie). Siedler ziehen durch den weiten Raum und nehmen Land in Besitz, dass voher keinem gehörte, von den Indianern einmal abgesehen.
Mit den oben beschriebenen Annahmen passt der Vergleich mit dem historischen Altertum und Mittelalter besser, als der Wilde Westen. Die Annahmen konstruieren eine nicht volle, aber bevölkerte Galaxie von der wir nur einen Teil kennen. Es gibt Imperien und mächtige Volker, aber auch genug Freiraum auf unbewohnten Planeten, in dünn besiedelten Raumsektoren und in Sektoren ohne Ordnungsmacht. Es gibt Zivilisationszentren und Hochtechnologie neben abgelegenen primitiven Planeten. Es gibt gigantische Organisationen, die tausend Lichtjahre und eine Billion denkende Wesen umfassen und es gibt unabhängige Individuen, die zwischen verschiedenen Völkern Handel treiben. Es gibt die verschiedensten Gesellschaftsformen und Religionen und sicher auch viele, die die Menschen nicht ausprobiert haben. Es gibt so viele Sterne in Reichweite, dass nie alle besucht werden können. Es wird immer unerforschtes Land und unerforschten Raum geben, aber trotzdem können Menschen ihr ganzes Leben in einer perfekt organisierten und geregelten Zivilisation verbringen. Ein Mensch kann theoretisch die Galaxie umrunden, wie ein Mensch im Mittelalter die Erde. Dies erfordert großen Aufwand, man muss dabei viele Grenzen überqueren und viel Zeit mitbringen und lernt trotzdem nur den Pfad kennen und sieht nicht was abseits liegt.
Die Milchstrasse und andere Galaxien
Die Gesamtheit von 100 Mio. Planeten unter 100 Mrd. Sternen mit 10^16 Lebewesen aus 5 Mio. Völkern bietet unermeßlich viele Möglichkeiten für Wunder und Entdeckungen. 1 Promille davon befinden sich in der näheren Umgebung, 1 % kennen wir vom Hörensagen über die anderen 99 % gibt es nur Vermutungen und sporadische Hinweise.
Wir können nur spekulieren, ob noch viel weiter entwickelte Zivilisationen die Enfernungen zu anderen Sterneninseln überbrücken können. Auch auf der Erde war der technologische Schritt vom Pferdewagen zu Motorwagen und Turbine notwendig, um den Planeten zusammenrücken zu lassen. Inzwischen können Menschen 1000-fach größere Distanzen überbrücken, als Römer und Chinesen vor 2000 Jahren. In wenigen hundert Jahren steigt der Faktor auf 10^5. Die Abstände zwischen Galaxien bemessen sich nach Millionen Lichtjahren, also wiederum mindestens 10^5 mal mehr, als zwischen einzelnen Sternen. Wir vermuten, dass ältere Zivilisationen mit anderen Mitteln in deutlich weniger, als den für konventionelle Raumfahrt nötigen 50-500 Jahren intergalaktische Distanzen überbrücken. Sie verraten es uns (meistens) nicht.
Andererseits sind andere Galaxien für raumfahrende Völker nicht wirklich relevant. In unserem Altertum wären andere Planeten zwar interessant, aber nicht von praktischem Nutzen gewesen, solange man nicht einmal einen einzigen Kontinent kannte. Die Milchstrasse bietet den raumfahrenden Völkern genug Spielraum, da keines der bekannten Völker und vor allem kein Individuum die gesamte Galaxie kennt.
Geschichte und Technologie
Immer wieder in der Vergangenheit war Technologie entscheidend für die Weiterentwicklung der Geschichte. Wir nehmen an, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Technologische Überlegenheit ist vor allem in (wirtschaftlichen und militärischen) Auseinandersetzungen ausschlaggebend. Dennoch nehmen wir an, dass sich die Geschichte ungeachtet der technologischen Entwicklung in normalen Bahnen weiterentwickelt.
Wir vermeiden geschichtsentscheidende Technologien oder verwehren ihnen eine geschichtsentscheidende Rolle. Wir setzen damit die historische Entwicklung fort in der sich der typische Ablauf des Lebens eines Individuums und einer Gesellschaft nur quantitativ, aber nicht qualitativ geändert hat
- mit der Einführung des Autos statt Pferdewagen,
- Mobiltelefon statt Brief,
- Computer statt Aktenschrank und Rechenschieber oder
- 8 Stunden Bildschirmarbeit statt 12 Stunden Feldarbeit oder Beeren sammeln.
Beispiel Nanotechnologie: Nanotechnologie könnte das Aussehen der Welt radikal ändern. In Verbindung mit Naniten sogar das Aussehen von Menschen bis hin zur Entstofflichung oder Upload. Damit würde die menschliche Geschichte in der realen Welt entfallen. Es kann Nanotechnologie als normale Technologie geben. Nano wird aber als Hilfsmittel, Werkzeug oder Waffe verwendet und und verändert die Welt nicht grundlegend. Als Waffe ist Nano nicht unüberwindlich, sondern kann durch Nanophagen, Feldwaffen und andere Mittel - sogar Lowtech - bekämpft werden. Als Werkzeug ist Nano Limitierungen unterworfen, z.B. durch Mutation, Degradation, Energie- und Kommunikationsprobleme sowie aufwendige Handhabung, und Programmierung.
Beispiel Kloning: Allgegenwärtiges Kloning könnte die Vielfalt der Individuen auf wenige Typen einengen, die sich wahlweise kennen, hassen oder lieben und damit die Geschichte ändern, indem die Komplexität großer Bevölkerungen entfällt. Es kann Kloning geben, sogar in verschärfter Form mit Wissenstransfer als lebensverlängernde Maßnahme, aber nicht als geschichtsbestimmende Technik.
Beispiel Zeitreisen: Zeitreisen können die Geschichte bestimmen, wenn Zeitreisende wesentlichen Einfluß nehmen können. Um dies zu verhindern braucht man eine Zeitpolizei, die dann Thema der Erzählung ist. Oder anders herum: man braucht Zeitreisen, wenn das Thema einer Erzählung die Zeitpolizei sein soll. Es kann sein, dass es Zeitreisen gibt, aber wir bemerken sie normalerweise nicht. Zeitreisen werden nicht ausgeschlossen. Falls sie möglich sind, dann erfordern sie aber sicher eine so hohe Technologie (oder ein anderes Konzept), dass wir sie Elder Civilizations zuschreiben und nicht der Alltagstechnik zurechnen.
Beispiel künstliche Intelligenz: KI könnte die Menschen und andere biologische Intelligenzen überflüssig machen. KI könnte 1 Mio. mal intelligenter, schneller und besser sein, KI könnte 1 Mio. mal zahlreicher sein, KI könnte 1 Mio. mal älter sein. Wir vermeiden die KI in der Rolle von Superintelligenzen a la Banks/Kultur und vermeiden eine galaxieweite Roboterzivilisation, die dem Menschen keinen Platz oder nur einen Randplatz lässt. KI wird es geben in Form von Dienst-/Kampfeinheiten, meist semi-intelligent, sicher als Haus-KI, vielleicht mit Selbstbewusstsein. Vermutlich entwickelt eine Maschine mit der Komplexität eines intelligenten Gehirns eine dem Menschen vergleichbare Individualität und Unperfektheit und gilt dann mit oder ohne Einschänkungen als Person. Wenn KI möglich ist, dann ist auch KI wahrscheinlich, die überlegen ist bezüglich Speicher- bzw. Assoziationsfähigkeit und -geschwindigkeit. Wir nehmen an, dass solche Maschinen erbaut werden als Lösung für Probleme, als Werkzeug und im allgemeinen nicht zum Selbstzweck. Vor allem gehen wir davon aus, dass solche Maschinen nicht so entworfen, ausgestattet und versorgt werden, dass sie sich selbst replizieren. Und wenn dies doch passiert, dann nehmen wir an, dass natürliche oder künstliche Einflüsse eine daraus entstehende überlegene allgegenwärtige Superzivilisation verhindern. Vielleicht müssen hier Elder Civilizations als unauffällige Polizei wirken.
Vergleichbare Beschränkungen gelten für die biologische oder geistige Entwicklung von relevanten Lebewesen insbesondere Menschen. Beispiel Telepathie: Wir nehmen nicht die Entwicklung von besonderen geistigen Fähigkeiten im großen Stil an, etwa allgegenwärtige Telepathie, auch wenn einzelne Individuen diese Fähigkeit im Rahmen von statistischen Fluktuationen oder gesteuerten Prozessen entwickeln mögen.
Limitierender Faktor
Viele Science Fiction spielen in einer Welt mit einem oder mehreren limitierenden Faktoren. Limitierende Faktoren werden eingesetzt, um bestimmte Aspekte zu beleuchten oder besondere Situationen hervorzurufen. Beispiel ist die Existenz einer Superzivilisation, der sich die Menschheit unterordnen muss, ob im positiven Sinne oder durch Unterdrückung. Genauso gibt es Konfigurationen in denen die Menschheit hervorgehoben ist, indem sie besser als alle anderen Völker ist oder einfach dadurch dass sie das einzige intelligente Leben überhaupt ist.
Oft werden technische Randbedingungen eingeführt, wie z.B. die Unmöglichkeit von überlichtschnellem Transport, zur Thematisierung generationenlanger Reisen oder bei gleichzeitiger Möglichkeit von überlichtschneller Komunikation zur Thematisierung virtueller Telepräsenz.
Unser Kosmos
Auch in unserem Kosmos werden Annahmen gemacht, um ein Szenario zu schaffen. Das Szenario soll aber im Rahmen wissenschaftlich fundierter Randbedingungen (Hard Science Fiction) die Freiheit geben, Geschichten zu schreiben über eine mögliche Welt der Zukunft und die Freiheit viele verschiedene interessante Aspekte zu beleuchten.
Nicht eine Technologie, ein biologischer Umstand, eine Situation und das Verhalten der Menschen im Rahmen des gegebenen limitierenden Faktors soll Gegenstand sein, sondern das normale Leben normaler Individuen als Teil einer sich normal entwickelnden Zivilisation, wobei trotz aller Normalität für unsere Verhältnisse
- das Leben phantastisch ist,
- die Individuen vielfältig und unterschiedlicher sind, als wir es kennen und
- die interstellare Zivilisation gewaltig, wunderbar und überraschend ist,
und damit die Geschichten insgesamt schreibenswert und lesenswert sind.

