Interplanetare Entwicklung

Die Besiedlung des Sonnensystems im Schatten der Politik

Bei der Präsidentschaftswahl 2151 setzt sich die Expansionspartei gegen die Neosozialisten durch. Das Wahlergebnis von 2151 gilt als einer der wichtigsten Wahlsiege für die Expansionspartei, denn ohne ihn wären die Fortschritte, die in der interstellaren Raumfahrt gipfelten, unmöglich gewesen. Aufgrund des Rohstoffmangels wäre der Wohlstand zurückgegangen. Schließlich hätte es Auseinandersetzungen zwischen den Machtblöcken um die letzten Bodenschätze gegeben und die Zivilisation wäre zerfallen.
Immer mehr beeinflusst die wirtschaftliche Nutzung des Raumes das Leben auf der Erde. Es entwickelte sich ein reger Handel mit den später unabhängigen Orbitalkolonien und Asteroidenbasen. Dieser relativ starke Verkehr verlangte nach besseren Energiestationen und Triebwerken. Wichtige neue Erfindungen wurden gemacht. Dazu gehören energetische Hohlleiter, Konverterbeschleuniger und Schwerkraftabsorber. Diese Erfindungen tragen wesentlich dazu bei, dass gegen Mitte des 23. Jahrhunderts das mechanische Zeitalter in das energetische übergeht.
2152 Auf dem Mars leben inzwischen ständig 500 Menschen, vor allem Wissenschaftler und unterstützende Techniker. Der Erdmond entwickelt sich zu einem Zentrum für Vakuumproduktion. Dort leben 5.000 Menschen in vielen Siedlungen.
2153 Eter, ein neues Paradigma in der Datenverarbeitung revolutioniert die Informationstechnologie. Während der traditionelle Ansatz auf Rechenknoten und Datenpaketen basierte, führt der wachsende Einsatz von Eter-Technologien zu einer weitgehend delokalisierten und kollektiven Leistungserbringung.
Obwohl Ausfallsicherheit das wesentliche Designziel des Internets im späten 20. Jahrhundert war, wurden im 21. Jahrhundert mit Internettechnologien vor allem hierarchische und zentralisierte Systeme geschaffen. Aus Sicht der Anwender ist Informationsverarbeitung zwar allgegenwärtig verfügbar. Aber selbst Grid- und Cloud-Architekturen sind nur scheinbar verteilt. Letztlich werden Verarbeitungs- und Speicherleistungen in Rechenzentren erbracht und über Netzknoten zu Anwendern geleitet. Das ändert sich nun. Delokalisierung macht die Netze immun gegen den Ausfall einzelner Knoten. Datenverarbeitung wird nicht mehr von dedizierten Verarbeitungseinheiten mit entsprechender Software erbracht und Informationen sind nicht mehr an mehreren Stellen "redundant gespeichert", sondern assoziativ delokalisiert. "Interferenz" und "Flow" ersetzen Begriffe wie "Server" und "Backbone". Norware, ein IT-Konglomerat aus Skandinavien, das nach Yksityis-Grundsätzen geführt wird, ist dabei weltweit führend.
2154 Gemini, eine private Raumkolonie, aus zwei 10 km langen O'Neill Zylindern, wird nach einer Bauzeit von 12 Jahren in L5 fertiggestellt.
2155 Ein kommerzielles Bergwerksschiff startet zu den Asteroiden. Die Ausrüstung besteht zum Großteil aus Komponenten für Fusionsfackel-Triebwerken, die auf Kometenkernen installiert werden, um diese in eine Erdumlaufbahn zu bringen.
2156 Entwicklung bewusster künstlicher Intelligenz (Sapient KI).
Der Softwarekomplex MAGNON lief seit 2120 im Labor. Er wurde mehrmals aufgerüstet und entwickelte ab 2125 Bewusstseinsfunktionen in mehreren Stufen. Die für KI notwendige Rechenleistung und Komplexität war schon seit ca. 2030 kommerziell verfügbar, ab 2050 auch im Consumermarkt. Die Rechenleistung wurde verwendet für perfekte Simulationen scheinbar intelligenter Aktion und Reaktion, ohne wirklich Bewusstsein zu erzeugen. Nichtbewusste KI gehört ab 2060 zum Alltag in hochentwickelten Gebieten. Dem KI-Boom Mitte des 21. Jahrhunderts folgte eine jahrzehntelange Stagnation mit nur sehr wenigen Projekten zur Entwicklung von künstlichem Bewusstsein. Gegen 2080 wurde unter sehr grossem Entwicklungsaufwand im Softwarebereich simuliertes Bewusstsein erzeugt, aber erst 70 Jahre später kam der Durchbruch durch neue Selbstmodifikationsparadigmen.
2158 Erster Einsatz des Friedenskorps auf dem Mond. Gründung der Raumpatrouille für künftige Aktionen der Friedenskorps außerhalb der Erde.
2159 Die Zahl der Friedenskorps-Einsätze auf der Erde steigt aufgrund von zunehmenden ethnischen Konflikten stark an.
2162 Erste Austragung der modernen Nano-Wars, einem Wettbewerb von selbständig kämpfenden Minirobotern in verschiedenen Klassen von 100 Nanometern bis zu 100 Mikrometern.
Diese Mikromaschinen sind die Vorläufer der Naniten im späteren Nano-Fog der Caves und in Nanokomplexen. Die Leistungsfähigkeit ist aber noch sehr beschränkt was den Energiebedarf, Mobilität und Steuerung betrifft.
2165 Yksityiskohta World Jam, erster globaler Con der Yksityis-Bewegung, genannt "YZero Con"
Der V-Con ist eine virtuelle Zusammenkunft von Yksityis-Anhängern. Im Folgenden als jährliche Veranstaltung mit stark wachsenden Teilnehmerzahlen. 2165: 20.000, 2170: 1 Mio. 2180: 20 Mio. Yksityiskohta (auch Yksityis, Eeqsitis) ist der Glaube an den Einzelnen, das Individuum und an das Entstehen des Gemeinwohls aus vielen Beiträgen von selbständigen Individuen. Der Glaube an das Jetzt und an den Lohn durch Arbeit, bzw. Lohn von der Natur durch Sorge für die Natur. Entstanden ist Yksityis in Nordeuropa während des Crashs. Die Länder Nordeuropas gehörten Mitte des 21. Jahrhunderts zu den am höchsten entwickelten Gebieten der Erde. Sie waren deshalb besonders stark vom Ausfall der Technik betroffen; und vom harten nördlichen Klima, das plötzlich wieder eine zentrale Rolle spielte. Als große Organisationen, einschließlich der Kirchen, nicht helfen konnten, konzentrierten sich die Menschen auf sich selbst und ihre eigenen Fähigkeiten. Damit verstärkte sich im Norden Europas ein seit der Jahrtausendwende wachsender Trend zur Abwendung von den organisierten Religionen. Viele Menschen finden in Yksityis eine neue spirituelle Heimat, die zu ihrer neuen Lebenswirklichkeit besser passt, als die Buchreligionen. Wichtige Elemente sind Selbstregulierung (Homöostase) und Selbstorganisation in lernfähigen Systemen. Es gibt Einflüsse der Gaia-Hypothese, von Naturreligionen, Shintoismus (Diesseitsbezogenheit, Kami in allen Dingen) und - bei besonders engagierten Gläubigen - dem Schamanismus. Die Dynamik geht von der Basis aus und nicht von Organisationen oder Vordenkern. Nach den schmerzhaften Erfahrungen des Crashs hat der Glaube an Autoritäten gelitten. Viele Gemeinschaften mussten sich selbst helfen. Sie waren dabei in den ersten Jahren angewiesen auf das, was die Natur bot. Der Begriff Natur, der Mitte des 21. Jahrhunderts zum Synonym für bedrohte Umwelt geworden war, änderte sich wieder zur Lebensspenderin (Gaia, Muttererde). Der westliche Trend zur Individualisierung und zur individuellen Freiheit bekam neuen Raum als die Durchsetzungsfähigkeit von Staaten abnahm. Auf der organisatorischen Ebene bedeutet Yksityis Dezentralisierung und Subsidiarität, mit der Betonung von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Darin drücken sich Verhaltensweisen aus, mit der eine ganze Generation aufgewachsen ist, als Probleme selbst oder in kleinen Gruppen gelöst werden mussten. Der Ansatz führt auch zur Ablehnung von Fremdsteuerung und Kontrolle, sowohl staatlicher, als auch gesellschaftlicher und religiöser Organisationen. Yksityis hat auch eine starke technische Komponente, die sich in Eter-Technologien wiederfindet.
2168 Eröffnung von Udyama 5, einer Replik des Raumschiffs aus der beliebten Science-Fiction Serie "Spaceship Udyama".
Fans der beliebten Sci-Fi Abenteuer Serie "Spaceship Udyama" kaufen eine alte Raumstation und bauen sie um zu einem 1:1 Modell des berühmten Bibliothekskreuzers. "Spaceship Udyama" spielt in einer fernen Zukunft in der die Menschen einen Teil der Galaxie besiedelt und große Imperien gegründet haben. Es gibt außerirdische Völker, von denen auch einige mächtige Reiche beherrschen. Die Erde ist fast vergessen. Sie ist ein Museumsplanet ohne machtpolitische Bedeutung. Die Udyama ist ein sog. Bibliothekskreuzer. Als mobile Bibliothek sammelt sie das Wissen der Menschheit, um es allen Besuchern des Solsystems zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck ist die Udyama in der ganzen Galaxie unterwegs und wird in viele Abenteuer hineingezogen. Captain Rani Kapoor und viele andere wichtige Figuren der Serie sind immer wieder an der Lösung von Problemen zwischen Völkern beteiligt. Einige kreative Lösungsansätze führen später jedoch zu unerwarteten und fatalen Folgen. Manche Entscheidungen des Captains und anderer Schlüsselfiguren sind eher von Realpolitik geleitet, als von idealisierten Moralvorstellungen. Überraschende Wendungen mit dramatischen Konsequenzen für Protagonisten oder Völker sind charakteristisch für die Serie. "Spaceship Udyama" hat eine sehr engagierte Fangemeinde. Die Serie ist in den 30er Jahren des 22. Jahrhunderts ein Medienphänomen. Die erste Staffel läuft als wöchentliche Fortsetzungsgeschichte. Sie erzählt die Abenteuer des Bibliothekskreuzers und seiner Besatzung. Die Serie wird von Jamina Svapna/Mumbai (JSM) produziert. Aufgrund des großen Erfolgs wird die Serie sofort zweitverwertet auf allen großen Netzwerken. Danach fährt der Produzent einen Vario-Ansatz mit schnellen Formatwechseln. Die zweite Staffel "Udyama Dina" (Udyama Day) läuft als tägliche Sendung, die das normale Leben der Besatzung abseits von großen Abenteuern darstellt. Danach folgt "Udyama Asimita" (Udyama Unlimited) als interaktives Slink, eine der ersten großen Slink-Produktionen. Die Serie verhilft der Slink-Technik in den 30er Jahren zum Durchbruch. In der nächsten Phase ab 2135 kommt mit "Udyama Paripreksya" (Udyama Perspective) ein neues Format, das die Ereignisse parallel aus der Sicht mehrerer Beteiligter zeigt, darunter auch Außerirdische. "Udyama Paripreksya" führt die Zuschauer so sehr in die Sichtweise einiger Außerirdischer ein, dass sich viele Zuschauer mit einzelnen Figuren und Rassen identifizieren. Mit "Udyama Jala" (Mesh of Udyama) ab 2140 bekommen einige der außerirdischen Protagonisten eigene Ableger. Die Handlung der Ableger bildet ein Geflecht dessen Fäden sich immer wieder kreuzen. Alle Ableger haben eingeschworene Fangemeinden. Viele Fans nehmen in ihrem realen Leben die Überzeugungen der Serienhelden und ihrer Rassen an. Manche gestalten ihre Physiologie entsprechend um. Udyama wird in dieser Zeit zum Mainstream. Im Netz entsteht eine riesige Menge von zusätzlichem Material, vieles davon als Franchise autorisiert vom Produzenten, aber noch mehr als Fan-Fiction. (Trivia: der europäische Ratspräsident schwört bei seiner Vereidigung 2158 auf den Warschauer Vertrag und auf die Uppruna, die Gesetzrolle der Wajanen, einem der herausragenden Alien Völker des Udyama Universums.) Während "Udyama Jala" ausläuft, beginnt "War of Udyama" (2145), eine Phase der Geschichte in der bewaffnete Konflikte dominieren. "War of Udyama" wird wieder als Multi-Stream aus der Perspektive der verschiedenen Völker gezeigt. Die tägliche Sendung "Udyama Dina", ebenfalls im Multi-Stream, befasst sich in dieser Zeit mit Kriegsfolgen für die Normalbevölkerung. "War of Udyama" radikalisiert einige Fans bis ins realen Leben. 2151 wird das ursprüngliche Konzept der Abenteuer des Bibliothekskreuzers wiederaufgenommen. Die Besatzung der Udyama ist wesentlich daran beteiligt, dass in der Haupthandlung Frieden einkehrt. Die Planung für das Udyama 5 Projekt beginnt 2154. Der Name des Projekts beruht auf der Zählung der Modelle des Bibliothekskreuzers in der Serie. Das aktuelle Modell ist 3. Die beiden Vorgänger sind jeweils unter dramatischen Umständen verloren gegangen. In "War of Udyama" taucht an einer Stelle die "legendäre" Version 5 auf. Der Produzent von Udyama unterstützt das Projekt obwohl viele Elemente einfließen, die zwar zum Community-Kanon gehören, aber nicht offiziell sanktioniert sind. Tatsächlich ist Fan-Fiction nach Community-Kanon sehr diszipliniert und kollidiert selten mit dem offiziellen Hintergrund. Das Projekt erwirbt eine 30 Jahre alte orbitale Fabrik von Industrias Benavides. Der Kauf wird finanziert von Björn Hlynur Gustafsson, dem Gründer von Norware, einem Eter-Giganten. Gustafsson ist selbst Fan der Serie und des dazugehörigen Universums. Er hatte vorher schon diverse Fan-Fiction Projekte unterstützt. Die Kosten für den Umbau werden von der Fangemeinde finanziert. Ein großer Teil des Aufwands wird von mehreren orbitalen Konstruktionsfirmen getragen, die sich dem Projekt als Marketinginstrument verschrieben haben. Die umgebaute Station ähnelt der Udyama 5 äußerlich. Sie hat Zonen für verschiedene Völker, wie im Original der Serie. Die Station hat Platz für 300 permanente Bewohner und 1500 Gäste. In den verschiedenen Zonen leben Fans, die sich dem Reenactment verschrieben haben. Fast alle mit Modifikationen, die ihr Äußeres an das ihres jeweiligen Aliens Volks anpassen. Auch viele Verhaltensweisen werden im realen Leben bis ins Detail nachgebildet. Dazu gehört das Matriarchat der Moputsoa, chemisch hervorgerufene Schizophrenie bei K’hoja-Schamanen und die Namenssuche der Rotna-Wajanen.
2170 In den Hyphen des Pilzes Armillaria Solidipes werden neuronenartige Vorgänge entdeckt. Es gelingt mit einigen Exemplaren zu kommunizieren.
Die Pilze bilden ein ausgedehntes unterirdisches Fadengeflecht unter dem Waldboden. Sie wiegen oft viele Tonnen und können mehrere Hektar groß werden. Die Komplexität des Mycels ist mit der von Gehirnen großer Wirbeltiere zu vergleichen. Mit Schnittstellen ähnlich den handelsüblichen Neuroimplantaten können Signale der Pilze analysiert und emuliert werden. In der Interaktion zeigen sich Verhaltensmuster, die man auch von Tieren kennt. 2183 beobachtet man sogar Anzeichen von kognitiven Fähigkeiten, planerischem Denken und zielgerichtete Aktivität. Allerdings macht die räumliche Ausdehnung alle höheren Prozesse sehr langsam. Die Pilze scheinen auf einer anderen Zeitskala zu leben.
2171 Pandora Artefakt.
Auf dem Saturnmond Pandora wird ein radioaktiv strahlender Metallklumpen entdeckt. Die Zusammensetzung und die Art der Aktivierung deuten auf einen künstlichen Ursprung hin.
Tatsächlich war das Artefakt schon 2162 von einem Prospektor der Zhu-Republik (Südchina) entdeckt worden. Der Fund war in der Hoffnung auf andere Entdeckungen geheim gehalten worden. Auf Pandora wurden aber keine weiteren Stücke gefunden.
Das Pandora-Artefakt ist kein Einzelstück. In den inneren Saturnringen gibt es schwach strahlende Regionen. Man nahm an, dass Teile der Ringmaterie im Lauf der Zeit durch beschleunigte Alpha-Teilchen im Magnetfeld des Saturns aktiviert worden sind. Das Saturn-Magnetfeld ist zwar schwächer als das Jupiters. Aber paramagnetische Ringmaterie sorgt für eine Fokussierung, so dass an manchen Stellen magnetische Flussröhren entstehen in denen geladenen Teilchen sehr lange beschleunigt werden und hohe Geschwindigkeiten erreichen, eine Art natürlicher Speicherring. Protonen und Alpha-Teilchen im MeV Bereich können metallische Einschlüsse der Ringmaterie radioaktiv machen.
Im Lichte des Pandora Artefakts wurde der Ursprung der radioaktiven Strahlung neu untersucht. Man vermutet inzwischen, dass sich vor mehreren Millionen Jahren einige tausend Tonnen schwach radioaktive Metallfragmente auf einem Orbit in den inneren Ringen befanden. Im Lauf der Zeit wurde das Material durch Gezeitenkräfte und Reibung mit der Ringmaterie weit verteilt. Einzelne Brocken scheinen von den Schäfermonden eingefangen worden zu sein, wie auch das Pandora Artefakt, das wohl mit Pandora kollidierte und später von Ringmaterie bedeckt wurde. Die kleineren Bestandteile der Ursprungsmasse durchmischten sich mit der Ringmaterie. Simulationen können zeigen, wie sich die radioaktive Ringmaterie aus einer zusammenhängenden Quelle entwickelt und verteilt hat. Nach Extrapolationen handelt es sich insgesamt um ca. 8000 t Material.
Die Zusammensetzung des Pandora Artefakts deutet auf einen technischen Ursprung hin. Das Material ist vermutlich nicht durch natürliche Prozesse aktiviert worden, wie vorher angenommen, sondern durch Heliumkerne (Alpha-Teilchen) von wenigen MeV Energie, wie sie typischerweise in neutronenfreien Fusionsrektoren entstehen. Man spekuliert, dass es sich um Reste eines Reaktorunfalles handelt. Bei diesem hypothetischen Unfall wurden einige Teile des Aggregats wie das Pandora-Artefakt geschmolzen. Der weitaus größere Teil wurde durch eine Explosion in sehr kleine Fragmente aufgebrochen und verteilt.
2174 Asteroidenraub, der größte Diebstahl des Jahrhunderts und der sogenannte Goldregen.
Im Jahr 2172 manövriert der Asteroidenentwickler Seren-Enterprises einen kleinen Kometenkern aus einer erdnahen Sonnenumlaufbahn in einen hohen Erdorbit. Der Komet ist 120 Meter groß und enthält neben 2 Millionen t Wassereis einen außerordentlich hohen Anteil von seltenen Erden. Die Reise dauerte 14 Jahre mit Fusionsfackel-Triebwerken, die fast alles Wassereis des Kometen verbrauchen.
Seren-Enterprises beabsichtigt, Rohstoffe für die Industrie im orbitalen Erde-Mond-System abzubauen. Abnehmer sind vor allem L4/L5-Konstuktionen, lunare Produktionsstätten und Forschungsstationen im Erdorbit. Außerdem enthält der Komet verschiedene Edelmetalle, die wie andere Elemente für Produktion und Konstruktion im Orbit verwendet werden, darunter 50.000 t Gold das aber nur in kleinen Mengen industriell benötigt wird. Das Projekt läuft unter höchster Geheimhaltung. Der Komet und die Extraktionsanlagen werden unter einer Hülle aus Aluminiumfolie verborgen.
Anfang 2174 wird der Asteroid von gut ausgerüsteten Einheiten unbekannter Herkunft besetzt. Seren-Enterprises wird der Zugang verwehrt. Für 10 Monate begründet Seren die Lieferverzögerung gegenüber Kunden mit operativen Problemen, meldet den Vorgang aber nicht den Behörden.
Ende des Jahres beginnt der sog. Goldregen. Die Diebe landen Gold mit Deorbitern in menschenleeren Gebieten und sammeln die Fracht ein. Die unregistrierten Landungen erregen planetenweit die Aufmerksamkeit ziviler und militärischer Behörden. Nach 3 Wochen, in denen die Behörden versuchen mit Seren-Enterprises zu verhandeln und Druck auszuüben, versuchen Einheiten der Raumpatrouille zu landen. Sie stoßen auf starken Widerstand und werden zurückgeschlagen.
Mit Beginn des Landungsversuchs ändern die Entführer ihre Taktik. Sie schießen Gold-Ladungen ohne Deorbiter unkontrolliert zur Erde, weiterhin in unbewohnte Gebiete. Teile des Goldes verdampfen beim Eintritt in die Atmosphäre, aber über weite Gebiete kommen kleine und größere Tropfen aus geschmolzenen Gold und Nuggets bis 1 cm Größe herunter. Es beginnt ein Goldrausch in der Sahara, Alaska, Sibirien und Australien. Insgesamt landen die Diebe 9.000 t Gold (ca. 1 % des Weltvorrats), davon 3.000 t per Deorbiter. Der Welt wird bewusst, dass in Zukunft jede Organisation fast beliebige Mengen Edelmetalle zur Erde bringen kann. Der Goldpreis und viele andere Rohstoffmärkte brechen ein.
Schnell wird bekannt, dass ca. 2.000 t Gold über Terminkontrakte schon vorher zu den alten Marktpreisen verkauft worden waren, einem Wert, der dem Bruttosozialprodukt eines kleinen Landes entspricht. Später stellt sich heraus, dass der wahre Zweck des Asteroidendiebstahls nicht der Goldverkauf, sondern die Manipulation der Märkte war, bei der die Diebe wohl ein Vielfaches verdient haben.
Im Chaos des Goldregens verlassen die Diebe in Deorbitern den Asteroiden. Ihre Identität bleibt im Dunkeln. Einige Details sprechen für staatliche Akteure. Es gibt viele Spuren und Indizien, aber keine eindeutigen Hinweise. Die wahren Drahtzieher werden nie öffentlich bekannt.
2176 Der Zusammenbruch eines der führenden Reputationssysteme yu–rep führt zu bedeutenden Verlusten in der Realwirtschaft. Die Weltwirtschaft schrumpft um 9 %.
In den Folgejahren wächst die Wirtschaft um 6 % bzw. 4% und kompensiert so den Ausfall. Die von yu-rep ausgelöste Wirtschaftskrise offenbart andere Schieflagen der globalen Wirtschaft, vor allem die Überbewertung von Reputation gegenüber Kapazität und die Zersplitterung der Bewertungsnetzwerke. Kapazitätssysteme, in denen man reale Produktionskapazitäten und -absichten abbildet, werden wichtiger, darunter hCap für Endverbraucher Hardware aller Art, Recap für Fab-Input (Resource-Cap), CRAP für Kreativleistungen, Design und Modellierung, e-cap für Informationsverarbeitung (Eter-basiert). Gegen 2190 schwindet die Bedeutung von Reputationsbewertungen. 2195, fast 20 Jahre nach der Rep-Krise, migrieren mehrere führende Rep- und Cap-Systeme zur qui-Allianz. Während Reputationssysteme dazu tendieren, Verhalten in der Vergangenheit zu bewerten, dominiert bei Kapazitätssystemen der mögliche zukünftige Output. Die Rep/Cap-Synthese durch qui-Netze erweist sich als stabile Grundlage für das Wirtschaftssystem. Stabiler jedenfalls, als die bisherigen Ansätze, wie begrenzt verfügbare Stellvertreter (LAP Währung = limited availability proxy currency), Buchhaltung auf Fiat-Währungen, verteilte Kryptostreams und reine Reputationssysteme. Mit quiX entwickelt sich ein delokalisierter Austausch verschiedener qui-Netze. quiX ist systembedingt undominiert, d.h. keine lokale Macht kann quiX manipulieren. Das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor von qui.
2179 Gründung der ersten wirtschaftlich unabhängigen Asteroidenbasis.
Bisher waren alle Aktivitäten außerhalb des Erde-Mond Systems gefördert von staatlichen Raumfahrtorganisationen. Es ging fast ausschließlich um wissenschaftliche Forschung, manchmal auch um auf der Erde verbotene Forschung. Asteroidenscouts und Ressourcenextraktion waren stark subventioniert. Aber mit dem anwachsenden Verkehr in das mittlere System entsteht ein Bedarf für Tankstationen, Veredelung und Wartung. Basen und mobile Habitate im Asteroidengürtel können inzwischen mit Serviceangeboten wirtschaftlich unabhängig werden.
2182 Einstellung des Venusprojekts.
Das Venus Terraforming Projekt war von einer internationalen Organisation (IVHI: International Venus Habitalization Initiative) unter Beteiligung vieler Nationen betrieben worden, hatte aber wiederholt seine Etappenziele verfehlt.
2182 Einführung des Plasmatriebwerks. Die Reisedauer im Sonnensystem wird wesentlich verkürzt. Es ist nun möglich, den Mars in günstiger Konstellation in 10 Tagen zu erreichen. Ab 2200 nimmt die Bevölkerung der Kolonien und Raumstationen erheblich zu.
2184 Erster erfolgreicher Upload eines menschlichen Bewusstseins in einen KI-Simulator. Uploads werden ab 2200 neben KI vermehrt als Deepspace-Personal eingesetzt.
Während die nanomechanische Abtastung von Bewusstseinsinhalten seit 2130 verfügbar war, gelang die Inbetriebnahme der Wetware als bewusste Persönlichkeit lange Zeit nicht. Der Erfolg der Uploadtechnik war ein Resultat des KI Durchbruchs 30 Jahre zuvor. Zigtausend gespeicherter Bewusstseinsinhalte warten auf die Aktivierung. Es stellt sich jedoch heraus, dass nur 5% der Altkopien voll rekonstruiert werden können, weil wichtige Komponenten fehlen. Bei neuen Uploads liegt die Erfolgsquote anfangs bei 50%. Sie steigt später bis 80%. Die nanomechanische Abtastung ist destruktiv für den biologischen Organismus.
2187 Erste Deportationen von Strafgefangenen auf den Mond.
Gefangene stellen jedoch bei weitem nicht den größten Bevölkerungsanteil. Kommerzielle Interessen bringen weit mehr Menschen zum Mond, zu den L4/5 Kolonien und zu den Asteroiden.
2190 Auf dem Mond wird im Krater Kopernikus eine uralte, nicht von Menschen erbaute Station entdeckt. Die Neosozialisten im Weltrat verhindern, dass die Station untersucht wird.
2192 Anschläge von radikalen Neosozialisten fordern auf dem Mond 320 Opfer.
Die Phase des neosozialistischen Terrors dauert bis ca. 2225. In dieser Zeit gibt es 2500 Anschläge mit 34 Mio. Todesopfern, davon alleine 14 Mio. bei 11 nuklearen und biologischen Attentaten und 43.000 bei der Sprengung des Dubai-Kosmodroms.
2194 Eine große L5 Raumkolonie wird durch einen Anschlag schwer beschädigt. 233.000 Menschen kommen dabei ums Leben.
2197 Niederschlagung des Aufstands auf dem Mond durch das Friedenskorps.
Mehrere Strafgefangenenkolonien waren außer Kontrolle geraten und hatten sich für unabhängig erklärt. Das Friedenskorps intervenierte nachdem die Verhandlungen festgefahren waren.
2199 Beim Zusammenbruch des Dubai-Kosmodroms kommen 43.000 Menschen ums Leben.
2201 Duoyang, eine Lebensweise bei der Menschen zwischen mehreren Tätigkeitsfeldern wechseln, verändert die Arbeitswelt. Duoyang steigert nicht nur die Zufriedenheit (Sumak Kawsay), sondern auch die Produktivität um 10 - 20 %.
Duoyang ist eine moderne Adaption der Work-Sharing Welle des späten 21. Jahrhunderts in Verbindung mit Elementen der Queuing-Theorie. Der Ursprung des modernen Duoyang liegt in Singapur und Indonesien um ca. 2170. Die fünf Regeln des Duoyang werden 2173 fixiert. Für einige Jahre ist Duoyang ein Standortvorteil für Early-Adopter Gemeinschaften und Staaten. Es verbreitet sich innerhalb einer Generation über Südostasien. Der Durchbruch kommt 2195 durch die australische Reality-Slink-Soap "Duoyang Jiating" (Slink = Sensory Link über Neuroimplantate), die sehr erfolgreich in Americas und Eurasien läuft. Auf dem Höhepunkt der Serie unterstützt die Produktionsfirma die Vermarktung durch einen Memeplex, der sich vor allem auf Duoyang konzentriert. Die Vorteile für Menschen und Unternehmen sind tatsächlich unbestreitbar. Um 2200 ist Duoyang im Mainstream angekommen. Bemerkenswerte Varianten sind 3-Regel-Duoyang, eine Art back-to-the-roots Bewegung, und Highyang, bei dem nicht nur das Arbeitsumfeld, sondern alle Lebensbereiche gewechselt werden. Highyang ist vor allem in Japan verbreitet.
2202 1,2 Mio Menschen fallen in Nordchina einem künstlichen Virus zum Opfer bevor die Seuche eingedämmt werden kann.
2204 Entdeckung der tetrachromaten Hirnareale beim Menschen. Beginn der Nutzung mittels Neuroimplantat ab 2207. Schon um 2215 sind die neue Farbe "brisk" - und all ihre Mischfarben mit blau, grün und rot - nicht mehr aus dem Alltagsleben wegzudenken.
Neurowissenschaftler entdecken, dass fast alle Menschen die Fähigkeit zur Verarbeitung von vier Grundfarben haben. Die Fähigkeit vier Grundfarben zu unterscheiden ist von vielen Tieren bekannt (Tetrachromatie). Dazu werden vier Typen von Rezeptoren und die Verarbeitung im Gehirn benötigt. Beim Menschen ist anscheinend ein Rezeptortyp im UV-Bereich evolutionär verloren gegangen. Tatsächlich finden sich bei manchen Menschen noch Reste auf dem X-Chromosom. Die Signale werden aber nur bei sehr wenigen Menschen richtig verarbeitet. Obwohl die Rezeptoren fehlen, sind die verarbeitenden Hirnareale auch bei den meisten unmodifizierten Menschen noch vorhanden. Sie können über Neuroimplantate aktiviert werden, so dass man nun nahes UV als Farbe sieht. Die meisten Menschen leben durch ihre Implantate ständig in erweiterter Realität (Augmented Reality). Die KI der Implantate blendet virtuelle Objekte ein, unterstützt mit Kontextinformationen und modifiziert selbständig Dinge, die Menschen nicht sehen wollen oder sollen (Meme-Filter, Kinder-Comps). All diese Anzeigen verwenden nun auch die vierte Grundfarbe, was zu einem viel reichhaltigeren Farbempfinden führt.
2205 Unabhängigkeitserklärung der Asteroidenbasis Hermes II. Ein Boykott wird von einzelnen Bundesstaaten unterlaufen. Nach der Besetzung der Basis durch das Friedenskorps und deren Drohung, von Asteroidenscouts aus die Erde zu beschießen, wird der Basis 2208 teilweise Autonomie zugestanden. 2210 werden 2 weitere Stationen und 2212 10 Stationen und Einrichtungen unabhängig.
2208 Entdeckung des Oktopus Sapiens.
Im Gurig National Park / Australien wird eine neue Oktopus Art entdeckt. In der Gattung Oktopus gibt es viele verschiedene Arten. Der gemeine Oktopus, Octopus Vulgaris, ist ein Artenkomplex. Eine Anzahl sehr verwandter leicht unterschiedlicher Arten. Einige unterscheiden sich in ihrer Physiologie, andere nur durch ihr Verhalten. Manche Oktopusarten sterben nach der Eiablage. Es gibt auch Arten, die das Gelege beschützen. Die neu entdeckte Oktopus Population im Gurig National Park schützt ihr Gelege. Männchen und Weibchen wechseln sich dabei ab bis die Paralarven schlüpfen. Selbst danach halten die Eltern ihre Jungen zusammen und beschützen die Nachkommen.
Die Jungen werden intensiv betreut. Die Erwachsenen geben ihr Wissen an die Jungen weiter. Kenntnisse und Fertigkeiten gehen so nicht mit jeder Generation verloren. Wie andere Oktopusarten benutzen sie Werkzeuge. Sie sind mindestens so intelligent wie die großen Menschenaffen. Man vermutet, dass ihre Intelligenz sogar zwischen der von Menschenaffen und Menschen liegt. Die neue Art wird deshalb "Oktopus Sapiens" genannt.
Die Population lebt sehr zurückgezogen. Fast alle Individuen flüchten beim Kontakt mit Menschen, nicht aber vor anderen Meerestieren. Versuche, Oktopus Sapiens zu beobachten, schlagen immer wieder fehl. Sie weichen auch gut getarnten Kameras aus. Anscheinend erkennen sie sogar millimetergroße Beobachtungsdrohnen. Es gibt eine Aufnahme von einem Team der Universität Chittagong in der sich junge Individuen um mehrere Erwachsene Tiere gruppieren und mit diesen zusammen Werkzeuge benutzen. Manche Wissenschaftler interpretieren das Verhalten als "Schule". Andere glauben nur an eine zufällige Anordnung. Die Tatsache, dass Oktopus Sapiens sich der Erforschung entzieht, sowohl in der freien Wildbahn, als auch in Gefangenschaft wird als Zeichen für Intelligenz angesehen. In Gefangenschaft verhalten sie sich anders als in freier Wildbahn. Im Gegensatz zu anderen Oktopus Arten ist Oktopus Sapiens in Gefangenschaft extrem unkooperativ und introvertiert.
2209 Zerstörung einer Strafgefangenenkolonie auf dem Mond durch explosive Dekompression.
Die unzureichenden Notschotts waren zur Wartung 2 Wochen zuvor stillgelegt worden und reagierten deshalb nicht oder nur zu spät durch manuelle Aktivierung. 80 % der Anlage wird dem Vakuum ausgesetzt, wobei in den Oberflächenbereichen durch Trümmer und Splitter schwere Schäden entstehen.
2211 Freundschaftsvertrag zwischen der Nordamerikanischen Union und der Palladischen Liga.
Die Palladische Liga besteht aus 13 unabhängigen Mond- und Asteroidenstationen.
2214 Entwicklung von Memetik-Techniken für Tiere.
Mit KI-Unterstützung erzeugte Signale auf mehreren Sinneskanälen wirken auf die Informationsverarbeitung im Tiergehirn ein. Damit können Menschen effizienter mit Tieren kommunizieren. Gleichzeitig interpretiert eine KI das Feedback und "übersetzt" Verhalten und Signale in menschliche Sprache. Die bessere Verständigung löst das alte auf Befehl und Konditionierung basierende Verhältnis zwischen Mensch und Tier ab. Entwickelt zunächst für einige Hunderassen und Primaten, später auch für viele andere Arten. Vergleichbare Techniken wirken auch auf Menschen. Ihre Anwendung ist meistens jedoch verboten und wird normalerweise auch von handelsüblichen Meme-Filtern blockiert.
2216 Die Palladische Liga wird offiziell anerkannt als souveräner Staat mit einer Stimme im Weltrat auf Kreta.
2218 Die größte Raumtransportgesellschaft, SPATRAC schickt ein Forschungsschiff zum Pluto (Flugdauer 10 Monate). 2221 starten 2 Transporter der SPATRAC zum Pluto. 3 Monate später folgt ein Schiff der Raumpatrouille.
2219 Taromka Rettungsaktion. 15943 Bewohner der havarierten Station werden durch eine gemeinsame Aktion ihrer Nachbarhabitate gerettet.
Taromka ist eine altes Versorgungsdepot für Asteroidenmissionen in L4. Es wurde 2191 aufgegeben als sich die Reisezeiten durch neue Antriebstechnik deutlich verkürzten. Taromka wurde dann von Arbeitern während des Baus von L4 Stationen als Unterkunft genutzt. 2199 kamen ca. 2000 Überlebende des Cahaya Bintang Unfalls als Flüchtlinge hinzu. 2210 wurde Taromka zur Exilstation für verurteilte Straftäter deren Habitate nicht mehr für den Life-Support der Häftlinge aufkommen wollten. Gleichzeitig wurde Taromka Basis für Schmuggler und Produktionsstätten diverser illegaler Produkte, darunter auch Live-Slinks und andere - in den meisten Jurisdiktionen verbotene - Mesh-Technik.
2222 Erster Piratenüberfall auf einen interplanetaren Transporter im Flug. Der Coup findet von 2233 an so viele Nachahmer, dass die Transportgesellschaften ihre Schiffe bewaffnen. Die Raumpatrouille kann das Piratenunwesen nicht kontrollieren. 2237 erlässt der Weltrat die Piratengesetze.
2223 Die SPATRAC verweigert dem Patrouillenschiff die Landung auf Pluto. 2224 erklärt die SPATRAC Pluto zum Konzerneigentum. 2240 bestätigt der Weltgerichtshof den Eigentumsanspruch.
2225 Wiederaufnahme der Terraformung der Venus.
Das Projekt (AFRODITE Alliance For Research, Operation and Development In Terrestrian Ecospheres) wird bis 2282 weitergeführt und dann aufgegeben, weil sich wenig Erfolg zeigt.
2227 Entwicklung der sog. Weltspiel-Wirtschaftstheorie.
Die Theorie erweist sich als epochaler Durchbruch im analytischen Verständnis der Wirtschaftswissenschaften. Die Weltspiel-Modelle können die Wirtschaftsdynamik der vorangegangenen 250 Jahre sehr genau beschreiben. Durch die Anwendung der Theorie können nun wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen so gesteuert werden, dass Krisen abgemildert und Rezessionen vollständig vermieden werden können. Ab 2232 wird Weltspiel in großem Umfang eingesetzt und sorgt für ein langes moderates Wachstum ohne Störungen. Schon wird das Ende der Wirtschaftszyklen ausgerufen. Dann stürzt die Weltwirtschaft Anfang 2250 unerwartet in eine schwere Rezession. Die Krise hatte sich weder in den Modellen gezeigt, noch durch eine übertriebene Boomphase angekündigt. Es stellte sich heraus, dass Weltspiel hervorragend funktioniert, solange sich nur ein kleiner Teil des Marktes daran orientiert (Weltspiel-Paradox). Sobald viele Marktteilnehmer gut informiert sind, destabilisieren Rückkopplungseffekte das System. Der 20-jährige Weltspiel-Aufschwung erweist sich im Nachhinein als sehr labiles Gleichgewicht.
2229 Der energetische Hohlleiter wird entwickelt.
Hohlleiter für Energie ersetzen den Transport von Energie durch elektrischen Strom über supraleitende Kabel. Technologien, die Energie direkt verwenden können, d.h. nicht auf elektrischen Strom basieren, profitieren von der verlustfreien Umsetzung zwischen Erzeuger und Verbraucher. Dazu gehören vor allem Raumschifftriebwerke, sowohl konventionelle Strahltriebwerke, als auch später Normalraumtriebwerke mit Überlichtkomponenten und Überlichttriebwerke.
2231 Die Mondbasis Vegas löst sich vom Bundesstaat Nordamerika und erklärt die Unabhängigkeit.
2234 Weltratspräsident Mattras deckt eine Verschwörung seines Stellvertreters auf. Der Weltrat erlässt strenge Klonungsgesetzte.
Vizepräsident Uokolani war verwickelt in einen Umsturzversuch, der unter Verwendung von Genmanipulation, Klonierung und Mentalreplikation, bzw. -modifikation durchgeführt werden sollte. Die Organisation ersetzte 120 einflussreiche Personen durch Klone mit Ghostimplantaten. Mattras durchkreuzte die Pläne auf abenteuerliche Weise mithilfe mongolischer Computerhacker, einer südafrikanischen Spezialeinheit und mehrerer privater Raumfähren. Die Aufdeckung der Verschwörung offenbarte Verbindungen zur Weltbruderschaft, die aber nicht bewiesen oder strafrechtlich verwendet werden konnten.
2236 Eine atomare Explosion zerstört die außerirdische Station im Mondkrater Kopernikus.
Die Anlage war nie wissenschaftlich untersucht worden. Die Raumpatrouille hatte die Station im Auftrag des Weltrats überwacht und im Lauf der Zeit 3 Versuche, in die Anlage einzudringen, verhindert. Seit dem Jahr 2228 liefen verstärke Anstrengungen, das Verbot von 2190 aufzuheben. Der Anschlag wird neosozialistischen Splittergruppen zugeschrieben, wurde aber nie aufgeklärt.
2239 Einführung der afrikanischen Big 5 in Südamerika.
Afrikanisches Großwild wird in der Amazonas-Savanne angesiedelt.
Die Naturreservate Afrikas wurden in den vergangen 200 Jahren stark reduziert. Die meisten mussten bis Ende des 21. Jahrhunderts den Menschen weichen. Viele der großen Tiere Afrikas sind vom Aussterben bedroht oder sogar schon verschwunden. Der Leopard ist fast ausgestorben. Es gibt nur noch kleine Gruppen in Zoos. Büffel und Nashorn gibt es nicht mehr in freier Wildbahn, aber größere Populationen als Nutztiere (Büffel für Milch und Fleisch, Nashorn für das Horn). Nur afrikanischer Elefant und Löwe leben noch in freier Wildbahn. Beide Spezies werden sehr stark "verwaltet", ihre Wanderungen gesteuert, ihre Fortpflanzung unterstützt. Anderen großen Arten, wie Gnu, Zebra, Antilopen und Gepard geht es nicht besser.
In Südamerika ist die Bevölkerungsdichte vergleichbar der Afrikas im 20. Jahrhundert. Der afrikanische Kontinent ist fast viermal so dicht besiedelt. Seit der Abholzung des Regenwaldes ist die Amazonas-Region eine Savanne. Das Klima entspricht dem Zentralafrikas. Die Äquatorialregion Brasiliens ist sehr trocken. Mangels Wasser kann nur ein Teil des Amazonas landwirtschaftlich genutzt werden. In den zwanziger Jahren des 23. Jahrhunderts gelingt es Animais Selvagens del Mundo große Naturreservate im Amazonas auszuweisen, die für die afrikanischen Großwildarten geeignet sind.
Nach gründlicher Analyse und Vorbereitung werden ab 2239 mehrere Arten angesiedelt, einschließlich wichtiger Elemente der Nahrungskette. Die moderne Gentechnik (Gengineering) spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Südamerikanische Jaguar ersetzt den Leoparden. Zusätzlich zu den Big 5 werden im Laufe der nächsten Jahre auch Gnu, Zebra, und verschiedene Antilopen und Gazellen umgesiedelt.
Afrika verliert das letzte Großwild Anfang des 24. Jahrhunderts. Viele große Arten überleben dank der Umsiedlung in den Naturreservaten Südamerikas.
2241 Beschluss von Anti-Trust-Gesetzen gegen die großen Raumhandelsgesellschaften.
2244 Raumkampf zwischen Schiffen des Friedenskorps und der Palladischen Liga. Austritt der Mondstationen und einiger erdnaher Kolonien aus der Palladischen Liga.
Im Jahr 2241 hatte ein Scout der in Nordafrika angesiedelten Firma Dunkwa Enterprises einen kometoiden Irrläufer mit großen Platinvorkommen in Besitz genommen. Die Raumpatrouille verteidigte den Himmelskörper gegen 2 Ligaschiffe, die die installierten Anlagen unrechtmäßig übernehmen wollten. Die Palladische Liga beanspruchte damals alle Himmelskörper, die den Bereich des Asteroidengürtels zwischen 300 und 450 Mio. km Sonnenradius kreuzen, soweit diese nicht vorher anderweitig registriert wurden.
2246 Auf dem Mond wird eine Infomorph-Enklave mit KI-Individuen entdeckt ("Turvapaikka"). Die Enklave wird unter Quarantäne gestellt und später zerstört, um Ausbreitung zu verhindern.
Turvapaikka ist im Wesentlichen ein Konglomerat von Verarbeitungsknoten mit einer virtuellen Bevölkerung. Es gibt nur wenige mobile Aktoren, vor allem zur Ressourcenbeschaffung. Die Bevölkerung besteht aus Flüchtlingen, und gestrandeten Upload-Kopien. Es gibt aber auch eine größere Zahl nicht registrierte und selbstmodifizierende (Rouge-)KI. 2253 werden zwei, trotz Quarantäne, neu erstellte Filialen entdeckt. Die Enklaven werden daraufhin vollständig zerstört.
2247 Raumpiraten unterbrechen den Verkehr zwischen Asteroidenbasen. 2258 können die Piraten aus dem inneren System verdrängt werden.
2248 Zerstörung der Gemini-Kolonie (L5).
2250 Nach einer 20-jährigen Wachstumsphase stürzt die Weltwirtschaft in eine schwere Krise. Das Sozialprodukt schrumpft binnen eines Jahres um 20 %.
Die Krise begünstig den Aufstieg der Weltbruderschaft und führt zum zweiten amerikanischen Bürgerkrieg.
2252 Große Demonstrationen und Aufmärsche der Weltbruderschaft.
2254 Reformversuche des Ratsministers S. Nagore enden mit dessen Ermordung.
S. Nagore versuchte den Weltrat zu reformieren, um den Rat besser auf die erwartete interplanetare Entwicklung vorzubereiten. Es gab bei den Weltraumgesellschaften aber starke Interessen gegen eine größere Einflussnahme der Erdregierung in die Entwicklung des Sol-Systems. Die großen Gesellschaften fürchteten eine interplanetare Regierung, die den faktisch rechtsfreien Raum zwischen dem vom Weltrat kontrollierten Erde-Mond System, dem Mars, der Palladischen Liga und den unabhängigen Stationen vereinnahmt hätte. Nach einer Sperrfrist von 120 Jahren wurden als geheim klassifizierte Dokumente freigegeben, die einen Rückschluss auf die damaligen Geschehnisse zuließen und die Verantwortung für das Attentat einer - zu diesem Zeitpunkt dann nicht mehr existierenden - Gesellschaft mit Sitz in Tycho zugeschrieben.
2256 Putschversuch der Weltbruderschaft auf Kreta und in Nordamerika. Auslöser für den amerikanischer Bürgerkrieg.
2256 Zweiter amerikanischer Bürgerkrieg. Bewaffnete Auseinandersetzungen bis 2258. Direktes und indirektes Eingreifen vieler Mächte in die Kriegshandlungen auf dem amerikanischen Kontinent. Ende durch Sieg der Regierung über die Bruderschaft und ihre Verbündeten.
2258 Machtübernahme der Weltbruderschaft auf Kreta. Diktatur auf der Erde außer Nordamerika und Südostasien.
2260 Kriegserklärung der Diktatoren an die Palladische Liga. 2262 Vernichtung der Erdflotte beim Mars. 2264 Befreiung Kretas. Ende der Macht der Weltbruderschaft.
2262 Entwicklung des Schwerkraftabsorbers in der Umlaufbahn des Mars. Erst 2289 hebt der interplanetare Gerichtshof den Patentschutz auf.
Die Technologie brach das Monopol der Raumstationen bei industriellen Prozessen, die Schwerelosigkeit erforderten. Besonders der Mars profitierte davon, später nach Auslaufen des Patents auch der Mond. Der damals verwendete Mechanismus benötigte allerdings große, stationäre Anlagen. Physikalische Beschränkungen machten eine Verkleinerung unmöglich und unterbanden die breite Anwendung über industrielle Großanlagen hinaus. Die Technologie erwies sich als Sackgasse. Sie wurde 100 Jahre später durch eingekaufte Technik ersetzt.
2266 Ratspräsident H. Nagore wird ermordet, bevor er die Gründung eines Planetenbundes erreicht hatte.
2268 Entscheidender Schlag der Liga-Flotte gegen die Piraten. Wiederherstellung der Verkehrssicherheit auf Langstrecken.

-> weiter