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2170

Bei Riesenpilzen der Art Armillaria Solidipes gibt es neuronenartige Vorgänge.

In den Hyphen des Pilzes Armillaria Solidipes wird ein Signalmechanismus entdeckt, der den Neuronen ähnelt. Es gelingt mit einigen der großen Exemplare zu kommunizieren.

Die Pilze bilden ein ausgedehntes unterirdisches Fadengeflecht unter dem Waldboden. Sie wiegen oft viele Tonnen und können mehrere Hektar groß werden. Die Komplexität des Myzels ist mit der von Gehirnen großer Wirbeltiere zu vergleichen.

Mit Schnittstellen ähnlich denen handelsüblicher Neuroimplantate können Signale der Pilze analysiert und emuliert werden. Es gelingt, mit den Pilzen zu kommunizieren. In der Interaktion zeigen sich Verhaltensmuster, die man auch von Tieren kennt. Nach einem Jahrzehnt intensiver Forschung beobachtet man sogar Anzeichen von kognitiven Fähigkeiten, planerischem Denken und zielgerichtete Aktivität. Allerdings macht die räumliche Ausdehnung alle höheren Prozesse sehr langsam. Die Pilze scheinen auf einer anderen Zeitskala zu leben.

2171

Pandora Artefakt.

Auf dem Saturnmond Pandora wird ein radioaktiv strahlender Metallklumpen entdeckt. Die Zusammensetzung und die Art der Aktivierung deuten auf einen künstlichen Ursprung hin.

Tatsächlich war das Artefakt schon 2162 von einem Prospektor der Zhu-Republik (Südchina) entdeckt worden. Der Fund war in der Hoffnung auf andere Entdeckungen geheim gehalten worden. Auf Pandora wurden aber keine weiteren Stücke gefunden.

Das Pandora-Artefakt ist kein Einzelstück. In den inneren Saturnringen gibt es schwach strahlende Regionen. Man nahm an, dass Teile der Ringmaterie im Lauf der Zeit durch beschleunigte Alpha-Teilchen im Magnetfeld des Saturns aktiviert worden sind. Das Saturn-Magnetfeld ist zwar schwächer als das Jupiters. Aber paramagnetische Ringmaterie sorgt für eine Fokussierung so, dass an manchen Stellen magnetische Flussröhren entstehen in denen geladenen Teilchen sehr lange beschleunigt werden und hohe Geschwindigkeiten erreichen, eine Art natürlicher Speicherring. Protonen und Alpha-Teilchen im MeV Bereich können metallische Einschlüsse der Ringmaterie radioaktiv machen.

Im Lichte des Pandora Artefakts wurde der Ursprung der radioaktiven Strahlung neu untersucht. Man vermutet inzwischen, dass sich vor mehreren Millionen Jahren einige tausend Tonnen schwach radioaktive Metallfragmente auf einem Orbit in den inneren Ringen befanden. Im Lauf der Zeit wurde das Material durch Gezeitenkräfte und Reibung mit der Ringmaterie weit verteilt. Einzelne Brocken scheinen von den Schäfermonden eingefangen worden zu sein, wie auch das Pandora Artefakt, das wohl mit Pandora kollidierte und später von Ringmaterie bedeckt wurde. Die kleineren Bestandteile der Ursprungsmasse durchmischten sich mit der Ringmaterie. Simulationen können zeigen, wie sich die radioaktive Ringmaterie aus einer zusammenhängenden Quelle entwickelt und verteilt hat. Nach Extrapolationen handelt es sich insgesamt um ca. 8000 t Material.

Die Zusammensetzung des Pandora Artefakts deutet auf einen technischen Ursprung hin. Das Material ist vermutlich nicht durch natürliche Prozesse aktiviert worden, wie vorher angenommen, sondern durch Heliumkerne (Alpha-Teilchen) von wenigen MeV Energie, wie sie typischerweise in neutronenfreien Fusionsrektoren entstehen. Man spekuliert, dass es sich um Reste eines Reaktorunfalles handelt. Bei diesem hypothetischen Unfall wurden einige Teile des Aggregats wie das Pandora-Artefakt geschmolzen. Der weitaus größere Teil wurde durch eine Explosion in sehr kleine Fragmente aufgebrochen und verteilt.

2174

Asteroidenraub, der größte Diebstahl des Jahrhunderts und Goldregen.

Im Jahr 2172 manövriert der Asteroidenentwickler Seren-Enterprises einen kleinen Kometenkern aus einer erdnahen Sonnenumlaufbahn in einen hohen Erdorbit. Der Komet ist 90 Meter groß und enthält neben zwei Millionen Tonnen Wassereis einen außerordentlich hohen Anteil von seltenen Erden. Die Reise dauerte 14 Jahre mit Fusionsfackel-Triebwerken, die fast alles Wassereis des Kometen verbrauchen.

Seren-Enterprises beabsichtigt, Rohstoffe für die Industrie im orbitalen Erde-Mond-System abzubauen. Abnehmer sind vor allem L4/L5-Konstuktionen, lunare Produktionsstätten und Forschungsstationen im Erdorbit. Außerdem enthält der Komet verschiedene Edelmetalle, die wie andere Elemente für Produktion und Konstruktion im Orbit verwendet werden, darunter 50.000 t Gold, das aber nur in kleinen Mengen industriell benötigt wird. Das Projekt läuft unter höchster Geheimhaltung. Der Komet und die Extraktionsanlagen werden unter einer Hülle aus Aluminiumfolie verborgen.

Anfang 2174 wird der Asteroid von gut ausgerüsteten Einheiten unbekannter Herkunft besetzt. Seren-Enterprises wird der Zugang verwehrt. Für zehn Monate begründet Seren die Lieferverzögerung gegenüber Kunden mit operativen Problemen, meldet den Vorgang aber nicht den Behörden.

Ende des Jahres beginnt der sogenannte Goldregen. Die Diebe landen Gold mit Deorbitern in menschenleeren Gebieten und sammeln die Fracht ein. Die nicht registrierten Landungen erregen weltweit die Aufmerksamkeit ziviler und militärischer Behörden. Nach drei Wochen, in denen die Behörden versuchen mit Seren-Enterprises zu verhandeln und Druck auszuüben, versuchen Einheiten der Raumpatrouille auf dem Asteroiden zu landen. Sie stoßen auf starken Widerstand und werden zurückgeschlagen.

Mit Beginn des Landungsversuchs ändern die Entführer ihre Taktik. Sie schießen einen Großteil der Gold-Ladungen ohne Deorbiter unkontrolliert zur Erde, weiterhin in unbewohnte Gebiete. Teile des Goldes verdampfen beim Eintritt in die Atmosphäre. Aber über weite Gebiete kommen kleine und größere Tropfen aus geschmolzenen Gold und Nuggets bis 1 cm Größe herunter. Es beginnt ein Goldrausch in der Sahara, Alaska, Sibirien und Australien.

Insgesamt landen die Diebe 9.000 Tonnen Gold, davon 2/3 unkontrolliert. Das entspricht etwa 1% des damaligen Weltvorrats. Der Welt wird bewusst, dass in Zukunft jede Organisation fast beliebige Mengen Edelmetalle zur Erde bringen kann. Der Goldpreis und viele andere Rohstoffmärkte brechen ein.

Schnell wird bekannt, dass ca. 2.000 Tonnen Gold über Terminkontrakte schon vorher zu den alten Marktpreisen verkauft worden waren, einem Wert, der dem Bruttosozialprodukt eines kleinen Landes entspricht. Später stellt sich heraus, dass der wahre Zweck des Asteroidendiebstahls nicht der Goldverkauf, sondern die Manipulation der Märkte war, bei der die Diebe wohl ein Vielfaches verdient haben.

Im Chaos des Goldregens verlassen die Diebe in Deorbitern den Asteroiden. Ihre Identität bleibt im Dunkeln. Einige Details sprechen für staatliche Akteure. Es gibt viele Spuren und Indizien, aber keine eindeutigen Hinweise. Die wahren Drahtzieher werden nie öffentlich bekannt.

2176

Der Zusammenbruch eines der führenden Reputationssysteme yu–rep führt zu bedeutenden Verlusten in der Realwirtschaft.

Die Weltwirtschaft schrumpft um 9%. In den Folgejahren wächst die Wirtschaft um 6% bzw. 4% und kompensiert so den Ausfall. Die von yu-rep ausgelöste Wirtschaftskrise offenbart andere Schieflagen der globalen Wirtschaft, vor allem die Überbewertung von Reputation gegenüber Kapazität und die Zersplitterung der Bewertungsnetzwerke.

Kapazitätssysteme, in denen man reale Produktionskapazitäten und -absichten abbildet, werden wichtiger, darunter hCap für Endverbraucher-Hardware aller Art, Recap für Fab-Input (Resource-Cap), CRAP für Kreativleistungen, Design und Modellierung, e-cap für Informationsverarbeitung (Eter-basiert). Gegen 2190 schwindet die Bedeutung von Reputationsbewertungen. 2195, fast 20 Jahre nach der Rep-Krise, migrieren mehrere führende Rep- und Cap-Systeme zur qui-Allianz. Während Reputationssysteme dazu tendieren, Verhalten in der Vergangenheit zu bewerten, dominiert bei Kapazitätssystemen der mögliche zukünftige Output.

Die Rep/Cap-Synthese durch qui-Netze erweist sich als stabile Grundlage für das Wirtschaftssystem. Stabiler jedenfalls, als die bisherigen Ansätze, wie begrenzt verfügbare Stellvertreter (LAP Währung = Limited Availability Proxy Currency), zentralisierte Buchhaltung mit Fiat-Währungen, verteilte Kryptostreams und reine Reputationssysteme. Mit quiX, dem qui-Exchange, entwickelt sich ein delokalisierter Austausch verschiedener qui-Netze. QuiX ist architekturbedingt nicht dominierbar, d.h. keine lokale Macht kann quiX manipulieren. Das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor von qui.

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