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2190

Auf dem Mond wird im Krater Kopernikus eine uralte, nicht von Menschen erbaute Station entdeckt.

Die Station ist mindestens 30 Millionen Jahre alt. Ihre Herkunft ist unbekannt. Die Neosozialisten im Weltrat verhindern, dass die Station untersucht wird. Die Station wird unter Quarantäne gestellt und später zerstört.

Eine Wartungseinheit entdeckt die Mondstation auf einer Routinestreife. Die Station ist von der Erde aus nicht sichtbar in die Wand des Kraters Kopernikus eingelassen. Die zwei Techniker der Wartungseinheit fotografieren nur kurz den Eingang und melden die Entdeckung in ihrem Routinebericht. Weder sie noch ihre übergeordnete Stelle erkennen die Tragweite der Entdeckung. Alle Beteiligten nehmen an, dass die Station ein Relikt einer geheimen Mondoperation irgendeiner irdischen Macht im frühen 22. Jahrhundert sei. Die Information wird als Kuriosität abgelegt und für eine spätere Untersuchung vorgemerkt. Erst bei einem Review des Berichtsjahres durch einen Praktikanten sechs Monate später, fallen Ungereimtheiten auf. Es dauert weitere sechs Wochen bis eine kurze Überprüfung finanziert und eingeplant werden kann, die dann den fremden Ursprung bestätigt. Eine darauf folgende weitere Expedition mit acht Teilnehmern macht rund 10.000 Bilder, 150 Stunden Filmaufnahmen, seismische und radiologische Untersuchungen. Die Daten dieser Expedition werden von der Raumpatrouille beschlagnahmt, bevor sie in das Netz gelangen und vermutlich später gelöscht.

Eine Nachrichtensperre unterdrückt die Entdeckung weitgehend. Der Weltrat beschließt in nicht öffentlicher Sitzung, dass die Station nicht angetastet werden darf. Die offizielle Erklärung ist, dass eine gründliche Untersuchung erst nach behutsamer Vorbereitung der Bevölkerung vorgenommen werden kann, um die angespannte politische Situation zwischen Neosozialisten und Expansionisten nicht weiter zu belasten. Darüber hinaus befürchtet man, dass eine übereilte Untersuchung unwiederbringliche Werte zerstören könne, während "die Station ja nicht davon liefe".

In den folgenden 30 Jahren gibt es mehrere Versuche im Weltrat, wie auch von Einzelnen, die Mondstation zu untersuchen, bzw. zugänglich zu machen. Die parlamentarischen Versuche stehen aus verschiedenen Gründen unter einem unglücklichen Stern. Teilweise werden Diskussionsanträge aus persönlichen Gründen zurückgezogen, teilweise aus ungünstigen Mehrheitsverhältnissen heraus nicht zugelassen. Der gesamte Komplex ist ab 2192 als geheim eingestuft und der fragliche Abschnitt des Kraterrands wird 2195 zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Die Raumpatrouille verhindert drei Versuche in das Sperrgebiet einzudringen; einen davon 2219 mit Waffengewalt und tödlichen Folgen für die Passagiere des eingedrungenen Shuttles.

Im Jahr 2228 gehen Bilder der Anlage durch die Presse, die offensichtlich von der ersten Überprüfungsmission stammen. Die Berichte erregen großes Aufsehen und bringen eine Gesetzesinitiative in Gang, die obwohl von 2230 bis 2232 auf Eis gelegt, sogar als politisches Ziel in den Koalitionsvertrag 2236 aufgenommen wird. Leider wird die Anlage noch im gleichen Jahr durch eine nukleare Explosion vollständig zerstört. Der Anschlag wird neosozialistischen Splittergruppen zugeschrieben, kann aber nie aufgeklärt werden. Die Explosion löscht die Station vollständig aus. Es werden keine bedeutenden Trümmer gefunden. Das gesamte Stationsmaterial ist in Bruchstücke unter 50 Mikrometer zerborsten. Dieser Umstand und die bei der Explosion freigesetzte spektrale Energieverteilung lassen vermuten, dass die verwendete Nuklearwaffe irdischer Herkunft einen stationseigenen Mechanismus auslöste, der alle Spuren beseitigte. Untersuchungen der Reste liefern keine neuen Erkenntnisse. Die Station war offensichtlich aus Mondmaterial gebaut worden und beherbergte ca. 1500 t Geräte aus verschiedenen Leichtmetallen, Keramikverbundstoffen und wenigen Metallkomponenten.

Ein Infoblock wird nach Ablauf von 50 Jahren freigegeben. Dabei sind die Aufnahmen der ersten Überprüfungsmission und Hintergrundinformationen der Raumpatrouille, die das von ihr überwachte Objekt anscheinend entgegen den Anweisungen gut dokumentierte. Die Daten der einzigen richtigen Untersuchungsexpedition sind nicht erhalten. Aus den verfügbaren Informationen und Resten können keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden. Die Bilder zeigten typische Anlagen einer Forschungsstation, geschaffen für einen atmosphärenlosen Mond. Die Anlagen machen einen sehr fortgeschrittenen Eindruck und konnten nur zum Teil identifiziert werden. Es sind weder Detailaufnahmen, Tiefenscans, noch heute übliche Technologieanalysen erhalten. Theoretische Grundlagen und formale Vorgehensweisen der minimalinvasiven Fremdtechnologie-Reaktionsdiagnostik werden erst während des ersten Aufbruchs ab 2530, also 300 Jahre später, entwickelt.

2192

Anschläge von radikalen Neosozialisten fordern auf dem Mond 320 Opfer.

Die Phase des neosozialistischen Terrors dauert bis ca. 2225. In dieser Zeit gibt es 2500 Anschläge mit 70 Millionen Todesopfern, davon alleine 40 Millionen bei 11 nuklearen und biologischen Attentaten und 43.000 bei der Sprengung des Dubai-Kosmodroms.

2197

Niederschlagung des Aufstands auf dem Mond durch das Friedenskorps.

Mehrere Strafgefangenenkolonien waren außer Kontrolle geraten und hatten sich für unabhängig erklärt. Das Friedenskorps intervenierte nachdem die Verhandlungen festgefahren waren.

2199

Beim Anschlag auf das Dubai-Kosmodrom kommen 43.000 Menschen ums Leben.

Terroristen sprengen den 32 km hohen Beschleunigungsturm des Dubai-Kosmodroms, die Dubai-Fontäne. Trümmer gehen auf die Infrastruktur des Raumhafens, nahe gelegene Geschäftsviertel und Einkaufszentren nieder.

Dubai ist eines der vier primären Massenstartzentren der Erde. Von Dubai werden jedes Jahr tausende Personen und Millionen Tonnen Material in den Orbit geschickt.

Das Herz des Dubai-Kosmodroms ist der 32 km hohe Beschleunigungsturm mit dem elektromagnetischen Katapult und einem Ring von Hochleistungslasern, dem Laser-Launcher. Der Turm enthält einen elektromagnetischen Beschleuniger, der die Startfahrzeuge (Launch-Pods) mit ihrer Nutzlast auf bis zu fünf km/s beschleunigt (Personen nur bis 1,2 km/s). Das Innere des Turms ist fast luftleer. Bei jedem Start wird die Luftsäule zusätzlich durch eine elektrische Entladungswelle beiseite gedrückt. Innerhalb von 13 Sekunden erreicht die Fracht das obere Ende des Startturms (Personen: 50 s). Dort übernehmen Laser die weitere Beschleunigung. Die Laser-Emitter bilden einen Kranz um die Spitze des Turms. Sie sind oberhalb von 99% der Atmosphäre. Die Leistung der Laser wird in dieser Höhe weder durch die Atmosphäre reduziert, noch durch Luftdruckschwankungen verzerrt oder durch Wolken behindert. Die Laser beschleunigen die Nutzlast bis auf orbitale Geschwindigkeit.

Die vertikale Struktur besteht aus einem Nitrokristall-Nanocomposite mit der 3-fachen Stärke von Kohlenstoff-Nanoröhren. Magnetoplasmadynamische Triebwerke entlang des Turms stabilisieren die Konstruktion. Die Launch-Pods kehren selbständig zum Kosmodrom zurück. Sie landen senkrecht auf einer kleineren Version des Laser-Launchers, dem sog. Laser-Descender. Sie werden überprüft, mit Reaktionsmasse gefüllt und wiederverwendet. Das ganze System wird gespeist durch große Kraftwerke und Kondensatoren am Boden.

Der Terroranschlag zerstört ein Segment des Turms in vier Kilometern Höhe knapp oberhalb des Sockels. Die Explosion durchtrennt den Kaminschacht, den Linearbeschleuniger und alle Versorgungsleitungen. Trümmer regnen auf den Sockel herab. Der Turm oberhalb der Bruchstelle trifft auf den Sockel und gleitet auf der nördlichen Seite ab. Die Plasmatriebwerke am Turm zünden und stabilisieren den Fall. Der Absturz ist nicht mehr aufzuhalten, aber die Triebwerke können die Richtung bestimmen. Sie bremsen die fallenden Säule und lenken sie in eine dafür vorgesehene Schneise. Die Stromversorgung der Plasmatriebwerke reicht ohne die Verbindung mit der Oberfläche aber nur für wenige Sekunden. Der Turm zerlegt sich in 100 m lange Segmente. Jedes Segment hat eigene Fallschirme, die den weiteren Fall bremsen und in die Notlandezone steuern. Das klappt perfekt bei 95% der Segmente.

Die Schirme von 13 Segmenten gehen nicht auf. Die Segmente stürzen unkontrolliert ab. Der initiale Schub der Plasmatriebwerke hat die Hauptmasse über den Sockel hinauskatapultiert in Richtung der Notlandezone. Deshalb fallen die meisten Segmente nicht auf den stabilen Sockel, sondern in einer steilen Parabel auf die umliegende Infrastruktur. Die tiefsten zwei der 13 steuerlosen Segmente befinden sich noch über dem Sockel und gehen da nieder. Sechs Segmente treffen Freigelände und Parkplätze. Zwei Segmente treffen die Frachtabfertigung, die weitgehend automatisiert abläuft. Es gibt keinen Personenschaden. Aber zwei der 100 Meter langen und bis zu 20.000 Tonnen schweren Segmente fallen auf Gebäude im Geschäftsviertel. Es ist Hauptgeschäftszeit. Alle Büros sind besetzt. Die Einkaufsbereiche sind voll. Ein Büroturm mit 120 Stockwerken wird von oben zentral getroffen und gibt nach.

Ein Segment kommt quer herunter, gleitet an einem Gebäude ab und überrollt dann mit einem horizontalen Impuls ein belebtes Einkaufszentrum in dem gerade, wie in vielen Einkaufszentren rund um den Globus, ein Großereignis zur Einführung einer neuen Getränkemarke stattfindet.

Beim dritten unkontrollierten Segment zünden Feststoffraketen, die als allerletzte Rettungsmöglichkeit den Aufschlag abmildern sollen. Das Segment schlägt knapp vor der Personenabfertigung des Kosmodroms ein.

Es gibt insgesamt 43.171 Opfer. Der Anschlag geht auf das Konto von radikalen Konservationisten (Antiexpansionisten).

Es war bekannt, dass der Beschleunigungsturm bei einem Bruch der Struktur sehr gefährlich für die Umgebung ist. Deshalb gibt es einen mehrstufigen Sicherheitsplan von der Notzündung der Stabilisierungswerke, über die Segmentierung, bis zu Fallschirmen und Feststoffraketen pro Segment. Die Segmente hätten alle in der Notlandezone oder auf dem stabilen Sockel niedergehen sollen. Eine Untersuchung entdeckt Wartungsmängel an der Notausrüstung und Defizite in der Steuerungssoftware.

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