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2254

Reformversuche des Ratsministers S. Nagore enden mit dessen Ermordung.

S. Nagore versuchte den Weltrat zu reformieren, um den Rat besser auf die erwartete interplanetare Entwicklung vorzubereiten. Es gab bei den Weltraumgesellschaften aber starke Interessen gegen eine größere Einflussnahme der Erdregierung in die Entwicklung des Sol-Systems. Die großen Gesellschaften fürchteten eine interplanetare Regierung, die den faktisch rechtsfreien Raum zwischen dem vom Weltrat kontrollierten Erde-Mond System, dem Mars, der Palladischen Liga und den unabhängigen Stationen vereinnahmt hätte. Nach einer Sperrfrist von 120 Jahren wurden als geheim klassifizierte Dokumente freigegeben, die einen Rückschluss auf die damaligen Geschehnisse zuließen und die Verantwortung für das Attentat einer – zu diesem Zeitpunkt dann nicht mehr existierenden – Gesellschaft mit Sitz in Tycho zugeschrieben.

2256

Putschversuch der Weltfreundschaft auf Kreta und in Nordamerika.

Auslöser für den 2. amerikanischen Bürgerkrieg.

2257

Zweiter amerikanischer Bürgerkrieg.

Zwei Jahre bewaffnete Auseinandersetzungen. Direktes und indirektes Eingreifen vieler Mächte in die Kriegshandlungen auf dem amerikanischen Kontinent. Ende durch Sieg der Regierung über die Bruderschaft und ihre Verbündeten.

2258

Machtübernahme der Weltfreundschaft auf Kreta.

Diktatur auf der Erde außer Nordamerika und Südostasien.

2260

Kriegserklärung der Diktatoren an die Palladische Liga.

Zwei Jahre später Vernichtung der Erdflotte beim Mars.

2263

Befreiung Kretas. Ende der Macht der Weltfreundschaft.

2265

Öko-Militarismus.

Paramilitärische Einheiten von Pachamama besetzen Abbaugebiete von Methanhydrat nördlich von Skandinavien. Sie zerstören Fördereinrichtungen und verteidigen ihre Positionen gewaltsam gegen Polizeikräfte. Pachamama ist eine ökologische Mega-NGO. Sie gilt als militärischer Arm von ökologisch und preservationistisch orientierten Organisationen in aller Welt. Das ist der Beginn einer Serie von Öko-Kriegen.

Mit der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt in den vergangenen 200 Jahren wurden ökologische Bewegungen immer wichtiger. In vielen Parlamenten gibt es starke ökologische Parteien. Manche Regierungen sind sogar ökologisch, preservationistisch oder restorativ dominiert. Dazu kommt eine anti-expansionistische Ideologie. Auch einige globale Konzerne verfolgen die ökologische Agenda. (20 Jahre später gewinnt der Antiexpansionismus in Form des Neosozialismus politisch die Oberhand.)

Mit der immer dramatischeren Umweltsituation radikalisiert sich auch Teil der ökologischen Bewegung. Öko-Terrorismus flackert seit dem 21. Jahrhundert immer wieder auf. Der Öko-Militarismus des 23. Jahrhunderts hat aber eine neue Dimension. Pachamama, Inuigi, Xingqiu Luse und andere Organisationen sehen keine andere Möglichkeit, als ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Ihnen geht es nicht mehr um einzelne Maßnahmen, die wachrütteln. Sie wollen weitere negative Entwicklungen verhindern, zur Not auch mit militärischer Gewalt.

Leitsätze der Bewegung sind: "Die entgleisten Ökosysteme bringen jedes Jahr Millionen Menschen um. Aktionen, die Schlimmeres verhindern, lohnen sich, auch wenn sie Menschenleben kosten" und "Opfer kontra-ökologischen Wirtschaftens sind immer Unschuldige. Die Opfer von Ökoaktionen sind aber nur die Schadensverursacher".

Pachamama hat sehr gute Verbindungen in Politik und Wirtschaft. Viele Leute sind mit den Resultaten von Pachamama-Aktionen einverstanden, auch wenn das Ausmaß der Gewaltanwendung umstritten ist. Das hindert Vertreter der ökologischen Bewegungen in aller Welt aber nicht daran, Pachamama und andere militante Gruppen zu finanzieren. Das private Spendenaufkommen ist gegenüber dem 21. Jahrhundert stark gewachsen. Dazu kommen Zuwendungen aus Wirtschaft und Politik.

Ziele und Aktionen von Öko-Militaristen ähneln viel mehr klassischen staatlich organisierten Kriegen, als punktuellen Terroraktionen. Die skandinavischen Methanhydrat-Felder werden dauerhaft besetzt. Verhandlungen scheitern. Ein Rückeroberungsversuch norwegischer Truppen wird zurückgeschlagen mit großen Verlusten bei den Angreifern.

Ein Jahr später besetzten militante Preservationisten von Inuigi ein 30.000 Quadratkilometer großes Elefanten-Schutzgebiet im Amazonas-Grasland in dem Kohlevorkommen ausgebeutet werden sollen. Inuigi versperrt Zugangswege durch Sensorgitter und ballistische Minen. Mobile Railguns für Hypervelocity Darts und Micro Missile-Launcher patrouillieren die Region und sichern den Luftraum in Verbindung mit einem Nanosat-Netzwerk.

Manche Aktionen haben weiterhin terroristischen Charakter, wie die Tötung von 30 Millionen Rindern in Indien durch Xingqiu Luse, das Ausbringen einer künstlichen Schweinepest in Sichuan und Yunnan und die absichtliche radioaktive Verseuchung von Tagebauminen in Australien.

Aber militärische Aktionen überwiegen:

- Die Zerstörung von Rinderfarmen in Argentinien und die dauerhafte Besetzung der Gebiete (durch Inuigi) einschließlich aktiver Rückkonvertierung zu Brachland (durch zivile lokale Organsationen).

- Kinetische Angriffe auf ozeanische Resourceextraktionsinfrastrukturen weltweit ausgeführt von (anfangs getarnten) orbitalen Plattformen. Die sich anschließende Auseinandersetzung um die orbitalen Kampfmittel führt zu großen Kollateralschäden im niedrigen Erdorbit. Pachamama verliert dabei alle Plattformen und deren Verteidigung. Es ist die erste große Niederlage einer ökomilitärischen Organisation.

- Die Besetzung von sibirischen Pharmen (Tier und Pflanzenzuchten für pharmakologische Grundstoffe) durch Pachamama.

- Die Zerstörung von Lithiumminen in Chile (durch Inuigi).

- Die Zerstörung von Bewässerungsanlagen in den kanadischen Rocky Mountains durch Inuigi. In Saskatchewan und Alberta (Kanada) wird trotz Wassermangel intensiv Landwirtschaft betrieben, teilweise in besonders ressourcenintensiven vertikalen Gewächshausplantagen. Seit die eiszeitlichen Aquifer leer sind, kommt Wasser nur noch aus den ehemaligen Nationalparks in den Rocky Mountains. Inuigi zerstört Pipelines und Pumpen, die das Wasser über hunderte Kilometer herangeführt haben.

- Zeitweise beherrscht Xingqiu Luse Teile Südostasiens und des australischen Kontinents. Der Kohleabbau wird stillgelegt und der Kalk-Raubbau am Great Barrier Reef unterbunden trotz heftiger Gegenwehr der Rohstoffkonzerne und des australischen Militärs.

Die Aktionen werden meistens nach dem gleichen Muster durchgeführt. Ökomilitärs greifen unverteidigte zivile Einrichtungen an und zerstören die relevante Infrastruktur. Um zu verhindern, dass die sogenannten kontra-ökologischen Einrichtungen wieder aufgebaut werden, wird das Gebiet permanent besetzt und gesichert. Gut befestigte, getarnte, durch Sensornetze und Mikrodrohnen überwachte Stellungen von HVD-Launchern sind dann nur schwer zurückzuerobern und halten typischerweise einige Jahre durch. Vor allem dann, wenn sie durch Nanosats unterstürzt werden.

Nicht nur der Grad der Gewaltanwendung ist umstritten. Auch die Auswahl der Ziele ist sehr kontrovers. Manche Aktionen verschlechtern die Versorgung der Bevölkerung ("Versorgung der Menschen ist irrelevant. Das ist das Allzweckargument der Umweltausbeuter") oder behindern ökologische Kompensationsmaßnahmen ("Korrektur statt Kompensation"). Fast alle Aktionen beeinträchtigen die Wirtschaft ("Disruption ist notwendig, um den falschen Weg zu verlassen").

Der Angriff auf den chilenischen Lithiumabbau wurde wesentlich unterstützt von Sea Horizon, einem globalen Rohstoffkonzern, der im großen Stil Rohstoffgewinnung aus Meerwasser betreibt, darunter Lithium.

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