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Öko-Militarismus

Paramilitärische Einheiten von Pachamama besetzen Abbaugebiete von Methanhydrat nördlich von Skandinavien. Sie zerstören Fördereinrichtungen und verteidigen ihre Positionen gewaltsam gegen Polizeikräfte. Pachamama ist eine ökologische Mega-NGO. Sie gilt als militärischer Arm von ökologisch und preservationistisch orientierten Organisationen in aller Welt. Das ist der Beginn einer Serie von Öko-Kriegen.

Mit der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt in den vergangenen 200 Jahren wurden ökologische Bewegungen immer wichtiger. In vielen Parlamenten gibt es starke ökologische Parteien. Manche Regierungen sind sogar ökologisch, preservationistisch oder restorativ dominiert. Dazu kommt eine anti-expansionistische Ideologie. Auch einige globale Konzerne verfolgen die ökologische Agenda. (20 Jahre später gewinnt der Antiexpansionismus in Form des Neosozialismus politisch die Oberhand.)

Mit der immer dramatischeren Umweltsituation radikalisiert sich auch Teil der ökologischen Bewegung. Öko-Terrorismus flackert seit dem 21. Jahrhundert immer wieder auf. Der Öko-Militarismus des 23. Jahrhunderts hat aber eine neue Dimension. Pachamama, Inuigi, Xingqiu Luse und andere Organisationen sehen keine andere Möglichkeit, als ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Ihnen geht es nicht mehr um einzelne Maßnahmen, die wachrütteln. Sie wollen weitere negative Entwicklungen verhindern, zur Not auch mit militärischer Gewalt.

Leitsätze der Bewegung sind: "Die entgleisten Ökosysteme bringen jedes Jahr Millionen Menschen um. Aktionen, die Schlimmeres verhindern, lohnen sich, auch wenn sie Menschenleben kosten" und "Opfer kontra-ökologischen Wirtschaftens sind immer Unschuldige. Die Opfer von Ökoaktionen sind aber nur die Schadensverursacher".

Pachamama hat sehr gute Verbindungen in Politik und Wirtschaft. Viele Leute sind mit den Resultaten von Pachamama-Aktionen einverstanden, auch wenn das Ausmaß der Gewaltanwendung umstritten ist. Das hindert Vertreter der ökologischen Bewegungen in aller Welt aber nicht daran, Pachamama und andere militante Gruppen zu finanzieren. Das private Spendenaufkommen ist gegenüber dem 21. Jahrhundert stark gewachsen. Dazu kommen Zuwendungen aus Wirtschaft und Politik.

Ziele und Aktionen von Öko-Militaristen ähneln viel mehr klassischen staatlich organisierten Kriegen, als punktuellen Terroraktionen. Die skandinavischen Methanhydrat-Felder werden dauerhaft besetzt. Verhandlungen scheitern. Ein Rückeroberungsversuch norwegischer Truppen wird zurückgeschlagen mit großen Verlusten bei den Angreifern.

Ein Jahr später besetzten militante Preservationisten von Inuigi ein 30.000 Quadratkilometer großes Elefanten-Schutzgebiet im Amazonas-Grasland in dem Kohlevorkommen ausgebeutet werden sollen. Inuigi versperrt Zugangswege durch Sensorgitter und ballistische Minen. Mobile Railguns für Hypervelocity Darts und Micro Missile-Launcher patrouillieren die Region und sichern den Luftraum in Verbindung mit einem Nanosat-Netzwerk.

Manche Aktionen haben weiterhin terroristischen Charakter, wie die Tötung von 30 Millionen Rindern in Indien durch Xingqiu Luse, das Ausbringen einer künstlichen Schweinepest in Sichuan und Yunnan und die absichtliche radioaktive Verseuchung von Tagebauminen in Australien.

Aber militärische Aktionen überwiegen:

- Die Zerstörung von Rinderfarmen in Argentinien und die dauerhafte Besetzung der Gebiete (durch Inuigi) einschließlich aktiver Rückkonvertierung zu Brachland (durch zivile lokale Organsationen).

- Kinetische Angriffe auf ozeanische Resourceextraktionsinfrastrukturen weltweit ausgeführt von (anfangs getarnten) orbitalen Plattformen. Die sich anschließende Auseinandersetzung um die orbitalen Kampfmittel führt zu großen Kollateralschäden im niedrigen Erdorbit. Pachamama verliert dabei alle Plattformen und deren Verteidigung. Es ist die erste große Niederlage einer ökomilitärischen Organisation.

- Die Besetzung von sibirischen Pharmen (Tier und Pflanzenzuchten für pharmakologische Grundstoffe) durch Pachamama.

- Die Zerstörung von Lithiumminen in Chile (durch Inuigi).

- Die Zerstörung von Bewässerungsanlagen in den kanadischen Rocky Mountains durch Inuigi. In Saskatchewan und Alberta (Kanada) wird trotz Wassermangel intensiv Landwirtschaft betrieben, teilweise in besonders ressourcenintensiven vertikalen Gewächshausplantagen. Seit die eiszeitlichen Aquifer leer sind, kommt Wasser nur noch aus den ehemaligen Nationalparks in den Rocky Mountains. Inuigi zerstört Pipelines und Pumpen, die das Wasser über hunderte Kilometer herangeführt haben.

- Zeitweise beherrscht Xingqiu Luse Teile Südostasiens und des australischen Kontinents. Der Kohleabbau wird stillgelegt und der Kalk-Raubbau am Great Barrier Reef unterbunden trotz heftiger Gegenwehr der Rohstoffkonzerne und des australischen Militärs.

Die Aktionen werden meistens nach dem gleichen Muster durchgeführt. Ökomilitärs greifen unverteidigte zivile Einrichtungen an und zerstören die relevante Infrastruktur. Um zu verhindern, dass die sogenannten kontra-ökologischen Einrichtungen wieder aufgebaut werden, wird das Gebiet permanent besetzt und gesichert. Gut befestigte, getarnte, durch Sensornetze und Mikrodrohnen überwachte Stellungen von HVD-Launchern sind dann nur schwer zurückzuerobern und halten typischerweise einige Jahre durch. Vor allem dann, wenn sie durch Nanosats unterstürzt werden.

Nicht nur der Grad der Gewaltanwendung ist umstritten. Auch die Auswahl der Ziele ist sehr kontrovers. Manche Aktionen verschlechtern die Versorgung der Bevölkerung ("Versorgung der Menschen ist irrelevant. Das ist das Allzweckargument der Umweltausbeuter") oder behindern ökologische Kompensationsmaßnahmen ("Korrektur statt Kompensation"). Fast alle Aktionen beeinträchtigen die Wirtschaft ("Disruption ist notwendig, um den falschen Weg zu verlassen").

Der Angriff auf den chilenischen Lithiumabbau wurde wesentlich unterstützt von Sea Horizon, einem globalen Rohstoffkonzern, der im großen Stil Rohstoffgewinnung aus Meerwasser betreibt, darunter Lithium.

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Gründung Der United Planets (UPO).

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Entscheidender Schlag der Liga-Flotte gegen Piraten.

Wiederherstellung der Verkehrssicherheit im äußeren System. Pluto bleibt besetzt.

Im inneren System ist interplanetare Raumfahrt inzwischen alltäglich. Wissenschaftliche und kommerzielle Unternehmungen müssen versorgt werden. Prospektoren bringen regelmäßig erdnahe Asteroiden ins Erde-Mond System, um Bauprojekte im Orbit oder bei L4/L5 zu versorgen. Pausenlos sind Schiffe von vielen verschiedenen Betreibern im inneren System unterwegs.

Im äußeren System, jenseits des Asteroidengürtels, ist der technische Aufwand ungleich größer. Die großen Entfernungen benötigen leistungsfähigere Triebwerke und Wartungsmöglichkeiten im äußeren System. Nur Staaten und große Organisationen können dort Raumschiffe und die zugehörige Infrastruktur betreiben. Die wenigen privaten Schiffe nutzen die Einrichtungen der größeren Betreiber. Unabhängige Einzelunternehmen sind selten.

Deshalb ist es überraschend, dass Piraten den Verkehr im äußeren System stören können. Piraten unterliegen natürlich den gleichen technischen Anforderungen, wie alle anderen. Sie müssen also über gut ausgestattete Basen und einigermaßen moderne Schiffe verfügen. Dazu kommt, dass der interplanetare Raum sich eigentlich nicht als Versteck eignet. Schiffsbewegungen können unter normalen Umständen auf weite Entfernungen beobachtet werden. Man kann sich zwar bei Himmelskörpern verstecken, aber Flüge über längere Strecken sind leicht zu entdecken. Vor allem während der Beschleunigungsphase geben Triebwerke sehr viel Energie ab. Den anschließenden ballistischen Flug können Beobachter genau berechnen. Mit starken orbitalen Teleskopen kann man sogar größere Schiffe direkt sehen.

Die Tatsache, dass die Piraten ihre Positionen trotzdem geheim halten können, lässt darauf schließen, dass sie aufwändige multispektrale Tarnungen verwenden. Ihre Tarnung macht die Schiffshülle fast unsichtbar, optisch wie infrarot, und reduziert den Querschnitt für Radiowellen. Die Triebwerke müssen gegen viele Arten von Streustrahlungen bis in den Gammabereich abgeschirmt sein. Diese technischen Maßnahmen können sich nur Staaten leisten.

Tatsächlich stellt sich heraus, dass die Piraten Einrichtungen nutzen, die unter der diktatorischen Regierung einige Jahre zuvor angelegt wurden. Die Diktatoren hatten nicht nur eine Flotte im inneren System aufgebaut (die später beim Mars vernichtend geschlagen wurde). Im Verborgenen hatte die damalige Erdregierung auch einige Stützpunkte im äußeren System angelegt. Es gibt autarke Stützpunkte bei allen Gasriesen, auf einigen äußeren Asteroiden, auf Trojanern, mehrere Basen im Pluto-System und sogar einige im freien Raum mit entsprechender Tarnung.

Beim Ende der diktatorischen Regierung auf der Erde hatten sich die geheimen Basen bedeckt gehalten. Sie waren als Waffe in einem – von den Diktatoren erwarteten – späteren interplanetaren Konflikt vorgesehen. Dazu kam es aber nicht mehr, weil Kreta und die Erde befreit wurden.

Im Vertrauen auf ihre Tarnungen beginnen die Einheiten nach einigen Jahren abgelegene Basen, Heliumtanker und andere Deepspace-Infrastruktur zu überfallen. Die Überfälle dienen vor allem der Ressourcengewinnung. Es gibt aber auch fanatische Besatzungen, die vom äußeren System aus einen Krieg beginnen wollen, um die Macht der Weltfreundschaft wiederherzustellen. Dabei bringen sie auch Langstreckenfrachter auf. Nach wenigen Jahren ist die Verlustrate so hoch, dass der Verkehr zum Erliegen kommt. Allerdings wagen sich die Piraten mit diesen Aktionen zu weit aus der Deckung.

Mit einer großangelegten Suchaktion der Palladischen Liga, unterstützt durch orbitale Großteleskope und Tiefraumüberwachungseinrichtungen verschiedener Mächte, werden einige Basen bei Jupiter und Saturn aufgespürt. Eine Flotte der Palladischen Liga neutralisiert die Einrichtungen trotz heftiger Gegenwehr. Uranus- und Neptun-Basen bleiben unentdeckt. Das Pluto-System ist stark befestigt und bleibt in der Hand der Piraten.

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