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Geheime interstellare Mission.

Eine Föderation reicher Venus Habitate rüstet insgeheim eine interstellare Expedition aus. Fünf Interstellarschiffe sollen 11 Jahre lang zu einem 80 Lichtjahre entfernten Sonnensystem reisen. Dort hat man schon 100 Jahre zuvor mit Teleskopen große Objekte im interplanetaren Raum entdeckt. Die Mission basiert auf der Annahme, dass in diesem System eine weit fortgeschrittene Zivilisation existiert.

Das Ziel der Mission besteht darin, fortschrittliche Technologie zu erwerben. Die Technologie wäre im Solsystem einzigartig. Man wäre damit allen anderen Fraktionen überlegen und niemand könnte auf absehbare Zeit ähnlich mächtige Technologien erwerben.

Das Projekt läuft unter dem Codenamen Long Shot im Rahmen des Chanakya-Plans. Es wird durchgeführt vom Technologiedienst Ajatashatru und bekommt erhebliche Finanzmittel aus dem Haushalt der Magadha-Sangha Föderation.

Die Expedition ist eine sogenannte High-Risk/High-Reward Mission. Die Auftraggeber und die Teilnehmer gehen hohe Risiken ein. Sie versprechen sich ein Ergebnis, das die Machtverhältnisse im Solsystem zu ihren Gunsten ändern kann.

Bei der Planung der Mission werden potentiell interessante Technologien untersucht. Man erarbeitet einen Katalog von gewünschten disruptiven Technologien. Aber letztlich muss man der Besatzung vertrauen, dass sie die richtigen Technologien aufspürt. Technologien, die aus machtpolitischer Sicht interessant, aber dabei gleichzeitig für die Expedition erreichbar und transportierbar sind. Aufgrund der begrenzten Transportkapazität auf dem Rückflug rechnet man vor allem mit Nano- und Informationstechnologien, bzw. Know-how, z.B.:

- ein sogenanntes Orakel, eine eingeschlossene singuläre KI, die zuverlässige taktische oder strategische Prognosen erstellen und zukünftige Entwicklungen vorhersagen kann.

- Infiltrations- oder Kryptanalyse-Software auf bisher unbekannter physikalischer oder informationstheoretischer Grundlage mit der man in gut geschützte solare Informationssysteme eindringen kann.

- Replikatoren, d.h. Nano-Assembler, die auf atomarer Ebene jedes Gerät in perfekter Qualität konstruieren können. Die besten solaren Autofabs arbeiten auf Basis von sub-Mikron Clustern, sind aber weit entfernt von molekularen oder atomaren Assemblern.

- Baupläne und theoretische Grundlagen für überlegene Energiesysteme, wie katalytische Antimaterieerzeugung oder Vakuumenergie.

- Grundlagen und Produktionsmittel für wesentlich schnellere ÜL-Triebwerke, möglicherweise auf Basis von Quanten Black Holes.

Magadha-Sangha geht sehr vorsichtig vor und will neue Machtmittel nicht offen einsetzen. Deshalb sind Waffen und waffenfähige Technologien weniger interessant.

Alle Technologien sind spekulativ. Man weiß nicht, ob sie überhaupt existieren und wenn sie existieren, ob sie für Menschen verfügbar wären. Aber die Grundannahme ist, dass eine Zivilisation mit tausenden Jahren Technologievorsprung viele Alltagstechnologien verwendet, die im Solsystem übermächtig wären.

Die Mission ist riskant. Man rechnet mit einer Erfolgsquote von 1:20.

Die Schiffe sind mit den neuesten Faktor-7 ÜL-Triebwerken ausgerüstet. Der Flug dauert 11 Jahre, aber die neuen Triebwerke sind noch nie so lange am Stück gelaufen. Nach der Erfahrung mit den Flügen der Marco Polo nimmt die Expedition sehr viele Triebwerkskomponenten für Reparaturen mit. Zusätzlich ist ein Justierwerk von Dilan an Bord mit dem man defekte Konverterpole wieder ausrichten kann. Trotzdem rechnet man mit einem Totalausfallrisiko von 50%, jeweils für Hin- und Rückflug. Dazu kommen die Unwägbarkeiten am Zielort. Was wird die Expedition dort vorfinden? Wird sie sich verständigen können? Welche Gefahren lauern dort? Wird es möglich sein, mit den mitgeführten Zahlungsmitteln Technologie zu erwerben?

Die Schiffe sind voll beladen mit Containern. Die Frachtkapazität teilt sich auf in Wohnquartiere und Lebenserhaltung (5%), Proviant (5%), diverse Edelmetalle und Seltene Erden als Zahlungsmittel (20%), Triebwerkskomponenten (30%), Schiffsausrüstung, Autofabs und Material für Reparaturen (40%).

Um Ressourcen zu sparen sind die meisten Teilnehmer Uploads in Mikro-Mechs. Trotzdem reisen fünf Menschen als Bios, weil man befürchtet, dass die Zivilisation am Zielort feindlich gegenüber einer reinen Mech-Besatzung eingestellt sein könnte. Die Menschen reisen in Biostasis.

Nach neun Jahren Vorbereitung verlassen die Schiffe einzeln unter verschiedenen Tarnidentitäten das System. Sie sammeln sich drei Lichttage nördlich der Ekliptik. Dann beginnt die lange Reise.

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Fertigstellung und Start von zwei weiteren interstellaren Handelsschiffen für die Dilan-Route.

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Erste interstellare Kolonisten.

Einhundert Familien starten zu einem zwei Jahre langen Flug. Ihr Ziel ist ein sonnenähnlicher Stern in der näheren Umgebung Sols. Die Cobol-Expedition ist der erste "richtige" Versuch zur interstellaren Kolonisierung. Bisher gab es Forschungsexpeditionen, geheime militärische Missionen, etwas Handelsaustausch, sub-Licht Sonden mit Uploads und interstellare Auswanderer als Micro-Mechs zu unwirtlichen Sonnensystemen. Aber der Flug der HMS Queen Catherine nach Cobol transportiert erstmals echte Menschen und deren Ausrüstung zu einem bewohnbaren Planeten.

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Die Marco Polo kehrt von ihrem dritten Flug nicht mehr zurück.

Die Marco Polo war von Dilan zum Rückflug gestartet. Die Besatzung meldete nach der ersten Etappe über sechs Lichttage keine Probleme. Danach gab es keinen Kontakt mehr. Der Funkspruch, der die zweite Kurzetappe bestätigen sollte, bleibt aus. Auch Nachforschungen in späterer Zeit führen zu keinem Ergebnis. Zum 150. Jubiläum des ersten Fluges der Marco Polo finanzierte die Nachrichtenagentur CeNeT (Ceres News Trust) eine großangelegte Suchaktion, bleibt aber auch ohne Erfolg.

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Das erste Kind wird auf einem fremden Planeten außerhalb des Solsystems geboren.

Przemyslaw Hrycyszyn ist das erste von 59 Kindern, die auf Cobol während des ersten Besiedlungsversuchs geboren werden. Er überlebt die Tragödie von Cobol als Achtjähriger und kommt auf einem Rettungsschiff in das Solsystem.

Mit 37 Jahren kehrt Hrycyszyn zurück nach Cobol. Dort arbeitet er lange Zeit als Biosphärenscout bei der Terraformung. Er erkennt vor vielen anderen, dass die originale Biosphäre Cobols durch die Ausbreitung der Besiedlung bedroht ist. Hrycyszyn setzt sich dafür ein, dass große Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Dabei muss er sich immer wieder mit aggressiven Präservationsgegnern auseinandersetzen, die ihn als Fortschrittsverweigerer beschimpfen. Hrycyszyn geht in die Politik und ist wesentlich daran beteiligt, dass im Jahr 2618 durch das Hrycyszyn-Yijieyjiee Gesetz der Papua Kontinent für menschliche Besiedlung gesperrt wird.

Mit 85 Jahren wird Hrycyszyn Gouverneur von Nowylwiw. Er behält das Amt 30 Jahre. Es ist eine Zeit großer Veränderungen. Die Bevölkerung wächst gewaltig. Aus zwei Millionen Siedlern, die in Biosphärenenklaven verteilt über einen ganzen Planeten leben, werden während seiner Amtszeit über 100 Millionen Einwohner. Kleine Siedlungen werden zu Metropolen. Anfangs autarke Gemeinschaften werden zu Mitgliedern einer vernetzten Wirtschaft und außerhalb Cobols wächst eine lebendige interplanetare Zivilisation heran. Der Papua-Kontinent bleibt weitestgehend geschützt. Aber das rasante Wachstum der Bevölkerung löst immer wieder Konflikte aus, die das Papua-Naturreservat infrage stellen.

Gleichzeitig wandelt sich die Politik. Anfangs gibt es hunderte unabhängiger Territorien, die von vielen verschiedenen Gruppen etabliert werden. Auf Cobol gibt es die ganze Palette der Human-Bios, von Sol-Aussteigern mit Paläo-DNA über moderne Genvorlagen, die im Solsystem den größten Anteil stellen, bis zu extravaganten Genmods, die in manchen Regionen der Erde verfolgt werden und nach Cobol fliehen. Von Anfang an ist Cobol politisch so stark fragmentiert, wie die Erde, ethnisch sogar noch mehr. Hrycyszyn wirbt lange für die Vereinigung der Territorien zu einer planetaren Union. Im Jahr 2640, 89 Jahre nach der Gründung der zweiten Kolonie, schließen sich die Territorien zur Cobol-Föderation zusammen. Hrycyszyn wird Föderationskommissar für Infrastruktur.

Drei Jahre später überfallen Neobarbaren den Planeten. In den wenigen Tagen zwischen dem Erstkontakt und der Besatzung sorgt Hrycyszyn dafür, dass wichtige Ressourcen und Autofabs in Sicherheit gebracht werden. Im Alter von 118 Jahren geht er in den Untergrund. 14 Jahre lang bekämpft Hrycyszyn die Besatzer als Späher, Scharfschütze und Kommandeur. Im Jahr 2656, ein Jahr vor dem Ende der Besatzung, wird Hrycyszyn im Alter von 131 Jahren bei einer Guerillaaktion getötet.

An seinem 137. Geburtstag wird Hrycyszyn posthum vom Föderationsparlament ausgezeichnet als "Kind Cobols und Held der Föderation". Sein Geburtstag fällt auf einen nationalen Feiertag, den Tag der Befreiung, der seither Przemek-Tag genannt wird.

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