Zeitleiste

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2547

Start des zweiten Kolonistenraumschiffes nach Cobol.

2548

Irdische Truppen besetzen mit Hilfe der neu aufgebauten Raumflotte mehrere Mondbasen und -städte.

Die auf bewaffnete Auseinandersetzungen mit der Erde nicht vorbereitete Koalition reagiert nur langsam.

2549

Zwei Interstellarschiffe werden stillgelegt.

Die Firma GD steigt aus dem Interstellar-Geschäft aus.

2550

Systemkrieg.

Angriff der irdischen Raumflotte auf das Marssystem. Die wenigen bewaffneten Schiffe der Koalition können den Mars schützen, müssen aber die großen Werften auf Deimos den Besatzungstruppen überlassen. Von den Asteroidenbasen aus unterbricht die Polizeiflotte den Nachschub für Deimos. Zwei Jahre später ergibt sich Deimos. Ein Großteil der Erdflotte wird bei der Schlacht um Koti vernichtet. Einige kleinere Bundesstaaten scheren aus der Allianz der Erde aus.

Auszug aus "Die verpasste Chance - wie die soziale Zukunft starb" von Carlos Berrocal. 2589 gleichzeitig erschienen auf Mars und Luna.

Der Systemkrieg (2448-2460) - Dokument einer expansionskritischen Sicht

[...] Um nicht noch einmal so gedemütigt zu werden, wie durch die Rücknahme der Kriegserklärung 2328, musste die Weltunion unter großen Anstrengungen eine Verteidigungsflotte aufbauen. Die dafür benötigten Mittel rissen große Löcher in die notwendigen Sozialprogramme der Union.

Obwohl die Koalition offiziell die Einstellung der Propagandasendungen verkündet, wurde nur der Ausgangsort dieser Einmischung von der Umlaufbahn der Erde zu den Satellitenstaaten des Mars auf dem Mond verlegt. Eine Einsatzgruppe der Erde besetzte 2548 die lunaren Sender und ein Jahr später die Produktionsstätten der Sendersatelliten auf Deimos. [...] Nachdem aber die irdische Flotte von der übermächtigen Flotte der Koalition vernichtet worden war, wurden die irdischen Soldaten auf Deimos ausgehungert uns schließlich überrannt.

Dann erfolgte der Angriff der Koalition gegen die Erde, der einen eindeutiger Verstoß gegen die Friedenskonvention von 2330 war. [...] 2562 zeigten die wiederaufgenommenen Propagandasendungen und der Bombenterror Wirkung: Die Koalitionstruppen konnten ohne Widerstand in Südamerika landen. Auch andere Staaten verließen daraufhin die Union, um sich mit dem Gegner zu verbünden. Auf Veranlassung der Koalition begannen diese Staaten den Kampf gegen die übrige Union, der sich zum planetenumspannenden Bürgerkrieg ausweitete, während sich die Koalitionstruppen zurückzogen. [...]

[...] Im Jahr 2571, als die irdischen Völker endlich wieder einen Frieden erreicht hatten, wurde die Erde in die Koalition aufgenommen, wo die 322 Vertreter der irdischen Staaten 520 Vertretern der alten Koalition gegenüberstanden, die jeweils nur eine Raumstation oder eine einzige Mondstadt repräsentierten. [...]

2552

Gründung der Kolonie auf Cobol.

2554

Befreiung von Vegas/Luna durch marsianische Truppen unter General Wang.

Rückzug der irdischen Truppen vom Mond.

Auszug aus "100 Menschen von Milliarden" von S. Leletko und D. Nunez. 2705 erschienen auf Cobol.

Hiroshi Wang - General, Stratege, Politiker und Vordenker

[...] und vier Monate nachdem irdische Truppen den Mond besetzt hatten, wurde Hiroshi Wang, der inzwischen 46-jährige Chef der Polizeiflotte, zum General der Koalitionstruppen ernannt. 2548 gelang es ihm mit nur wenigen Schiffen und ohne militärische Erfahrung dem Mars das Schicksal des Mondes zu ersparen. Nur die Großwerften auf Deimos musste er den Invasionstruppen überlassen. Während der zwei Jahre dauernden Blockade von Deimos kümmerte sich General Wang um den Aufbau einer Armee von Raumlandetruppen [...]

[...] Ein Jahr nach der Kapitulation der Union auf Deimos, bestand diese Armee ihre Feuerprobe bei der Befreiung des Mondes. General Wang plädierte nun für eine langsame Infiltration und Beeinflussung der Erde. Nach zwei Jahren setzte der Rat der Koalition ihn jedoch ab und beauftragte seinen Stellvertreter mit dem Angriff auf die Erde. Das Landeunternehmen 2557 bei Wladiwostok wurde zu einer Katastrophe für die Koalitionstruppen. Daraufhin kehrte man zu Wangs Strategie zurück. Weitere zwei Jahre später scherte Südamerika aus der Union aus und erlaubte die Landung der Koalitionstruppen. Weitere Staaten fielen von der Union ab und kämpften für die Befreiung der Reste der Union. General Wang zog seine Soldaten zurück, da er erkannte, dass sie im Gegensatz zu den Millionenheeren der Erde keine Entscheidung herbeiführen konnten [...]

[...] wurden einige Vertreter aus der alten Koalition in das Konzil von Kalkutta gewählt. Unter ihnen General Wang für die japanische Republik Mars [...]

[...] Drei Jahre musste er beobachten, wie der Block der irdischen Abgeordneten immer öfter Anträge aus der alten Koalition abschmetterte. Verbittert verließ er zwei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit das Konzil.

2555

Es fliegen nur noch drei Fernraumschiffe nach Dilan.

Die dortige Handelsvertretung ist auf drei Personen geschrumpft. Vier Jahre später kehren nur zwei der Vertreter mit dem letzten regelmäßigen Flug in das Sol-System zurück. In den nächsten 15 Jahren gibt es nur sieben Flüge. Zur Hochzeit des ersten Aufbruchs gab es bis zu zehn Flüge pro Jahr.

2556

Zerstörung der Gemini/L5 Kolonie durch eine Langstreckenrakete von der Erde. Offensive der Koalition gegen die Erde.

Eskalation im Orbitalkrieg. Abschuss von irdischen Satelliten und suborbitalen Transportern.

Der Wiederaufbau von Gemini dauert 5 Jahre.

2557

Das Landeunternehmen bei Wladiwostok scheitert mit großen Verlusten für die Landungstruppen.

Die neuen militärischen Kapazitäten der Erdunion im Raum sind eine existenzielle Bedrohung für die solare Koalition. Die Erde versucht, die expansionistischen Aktivitäten der Koalition mit Gewalt zu unterbinden. Sie hatte den Mond besetzt, das Marssystem angegriffen und den Marsorbit eingenommen. Die Koalition konnte unter Aufbietung aller Kräfte des inneren und äußeren Systems schließlich Deimos wieder einnehmen und die Erdflotte schlagen. Ein Jahr später konnte die Koalition auch den Mond befreien und den Systemkrieg bis in den Erdorbit tragen. Aber seit drei Jahren gibt es eine Pattsituation. Die Koalition dominiert den Orbit und verhindert, dass die Erde wieder militärische Kräfte in den Raum startet. Die Erde kontrolliert die Oberfläche.

Eigentlich ist damit der Status Quo wiederhergestellt, der vor Ausbruch des Krieges lange Zeit Bestand hatte. Die solare Koalition ist im Weltraum, die Union auf der Erde. Die Koalition is expansionistisch und wird inzwischen interstellar aktiv. Die Erde ist isoliert. Sie konzentriert sich auf eine nachhaltige Wirtschaft und die Reparatur der Ökologie. 90 Millionen Menschen verteilt über das Sonnensystem gegen 18 Milliarden auf der Erde.

Aber beide Seiten können die Situation nicht so bestehen lassen. Die Erde sieht die interstellaren Aktivitäten mit Schrecken. Die Erde ist schon lange antiexpansionistisch. Und durch den Dilan-Zwischenfall, 25 Jahre zuvor, wurden die schlimmsten Befürchtungen der Antiexpansionisten bestätigt. Die Erdunion ist entschlossen weitere interstellare Aktivitäten zu verhindern. Deshalb versucht sie nun die orbitale Blockade zu durchbrechen. Aber alle startenden Objekte werden noch im erdnahen Raum neutralisiert.

Weil es der Erde nicht gelingt, den Orbit zurückzugewinnen und neue Kräfte im Raum zu etablieren, ist sie zu einer Terrortaktik übergegangen. Die Erdstreitkräfte starten Langstreckenraketen, die mit nuklearen Sprengköpfen direkt interplanetare Ziele angreifen. Beide Seiten scheuen noch davor zurück, planetare Ziele zu treffen. Die Koalition versucht die Geschosse abzufangen. Aber die Frequenz nimmt zu und die Blockadekräfte der Koalition können nicht mehr alle Durchbrüche verhindern. Jeder einzige kann riesige Schäden anrichten und Millionen Bürger der Koalition treffen. Der erste große Verlust auf der Seite der Koalition ist ein Gemini/L5 O'Neill Zylinder mit 40.000 Bewohnern. Die Koalition reagiert mit einer Verschärfung des Orbitalkriegs und schießt auch zivile suborbitale Fahrzeuge der Union ab.

Die Koalition ist entschlossen, die interplanetaren Angriffe zu unterbinden. Dafür strebt sie einen Regimewechsel auf der Erde an. Außerdem gibt es in der Koalition immer noch starke Kräfte, die die Isolation der Erde beenden wollen. Viele haben sich nie damit abgefunden, dass der Heimatplanet verloren ist. Die interplanetare Zivilisation ist zwar erwachsen geworden, aber Erdnostalgie ist immer noch ein starkes Motiv. Diese Kräfte sehen in der aktuellen Eskalation die Chance, den Status Quo zu ändern und die Erde zurückzugewinnen.

Momentan sind die Expansionisten der Erde im Untergrund. Die Expansionisten wollen sich nicht damit abfinden, dass "den Menschen der Erde die Sterne verwehrt werden". In vielen Regionen gibt es expansionistische Guerillagruppen. Manche verüben Anschläge. Andere bereiten sich im Stillen auf den Befreiungskampf vor. Die Koalition hilft durch Propaganda aus dem Orbit, durch die Landung von Ausrüstung in Deorbitern und durch Schmuggel von Material und Personal. Aber die Union hat die Erde fest im Griff. Genauso, wie die Koalition fast alle Starts in den Orbit unterdrücken kann, hat die Union ein dichtes Überwachungsnetz, um Landungen vom Orbit zu verhindern. Manchmal klappt das trotzdem. Aber es gibt keinen zuverlässigen und leistungsfähigen Transportweg. Materielle Unterstützung des Untergrunds kommt nur sehr unregelmäßig durch.

Die Koalition beabsichtigt deshalb, einen Brückenkopf auf der Erde zu etablieren. Von dieser Basis aus sollen erst Agenten die Untergrundbewegung unterstützen. Später sollen dann Spezialeinheiten mit modernen Waffen beim Befreiungskampf helfen. Sie wählt dafür ein dünn besiedeltes Gebiet in Asien nordwestlich von Wladiwostok.

Phase I: Das Gebiet wird im Umkreis von 200 km durch kinetische Bombardierung eingeebnet. Die bekannte Vegetation und die Topographie verschwinden in einem Sturm von Hochgeschwindigkeitsgeschossen, die ihre kinetische Energie von jeweils 1 kt dort deponieren. Das wirkt wie tausende taktischer Nuklearexplosionen, aber ohne radioaktive Strahlung zu hinterlassen. Die Koalition achtet darauf, für die Geschosse bioverträgliches und kein toxisches Material einzusetzen. Die Region soll später wieder bewohnbar sein.

Phase II: Crash-Deorbiter landen an den Rändern und etablieren ein Verteidigungsnetzwerk in dessen Schutz später Koalitionstruppen landen können. Als Abwehrnetz werden hunderte Starteinheiten für Hyperschall-Geschosse stationiert, die jeweils einen Keramik-Pellet-Sturm ins Zielgebiet tragen können. Die Trägersysteme verwenden Linearbeschleuniger (Railgun) und Konvertertechnologie, um die offensiven Komponenten in Sekunden über viele Kilometer an die Bedrohung heranzubringen. Es gibt Pellets für verschiedene Leistungsprofile, z.B. hitzebeständige Bornitrid-Darts (für den Einsatz gegen Reaktivpanzerungen), Bor-Fullerene (eher ein Staubsturm gegen Schwärme von Mikrobots) und diamantumhüllte Wolfram Partikel mit besonders großer Durchschlagskraft (gegen starke Passivpanzerung). Alle zusammen bilden einen sogenannten Keramikschild. Jeder Angreifer, ob Geschoss, Drohne oder Soldat trifft beim Überschreiten der imaginären Grenze auf einen Sturm von winzigen hyperschallschnellen Keramikpellets, die alles in Sekundenbruchteilen zermahlen, auch Panzerungen, Mikrobots und Military-Fog.

Phase III: Im Inneren des geschützten Bereichs landen Deorbiter mit passiven Schutzmaßnahmen. Darunter sind Spiegelprojektoren, Schwärme von sub-Millimeter großen programmierbaren Spiegeln aus optisch aktivem Metamaterial. Die Komponenten schweben in der Luft und richten sich automatisch auf eine starke Lichtquelle aus. Sie blockieren Laserwaffen und werfen dabei sogar einen Teil der Strahlenergie zurück. Phase III bringt auch mobile Aerosolgeneratoren, die über große Orts- und Frequenzbereiche Beobachtung unterbinden und gleichzeitig Schutz gegen Plasmawaffen bieten.

Phase IV landet schweres Gerät, klassische Raketenabwehr, Tiefenradar gegen unterirdische Angriffe. teilautonome Drohnen, EW (Electronic Warfare), ECM (Electronic Counter Measures) und ECCM (Electronic Counter Counter Measures). Außerdem landen Pioniere mit Generatoren für elektrischen Strom und Hohlleiter, mit Tunnelbohrern aus dem Asteroidenbergbau, ISRU-Extraktionseinheiten (In Situ Resource Utilization) und Fabs für Basisbau und Munition. Mit dieser Ausrüstung werden über das ganze Gebiet mehrere unterirdische Stützpunkte eingegraben. Die Basen sind weit verzweigte Netze von unterirdischen Tunneln mit vielen Ausgängen. Damit bieten sie kein klares Ziel.

Die Koalition hat die Raumüberlegenheit. Sie kann Luftangriffe und suborbitale Flugkörper durch kinetische Schläge aus dem Orbit unterbinden. Außer wenigen anfänglichen Tests verzichten die Unionsstreitkräfte auf luftgestützte Angriffe. Attacken verwenden vor allem schwer gepanzerte Bodenfahrzeuge und Tunnel, die in aller Eile über hunderte Kilometer gegraben werden. Auch die Erde hat eine hochentwickelte Tunneltechnik für den Bau der Vakuumbahnen.

Während der Basisbau unter ständigen Angriffen weitergeht, landen Koalitionstruppen. Sie betreiben die Basis und besetzen vorgeschobene Posten. Geheimdienstpersonal beginnt Verbindungen zu den lokalen Widerstandsnetzwerken aufbauen. Spezialeinheiten und ihre Drohnen erkunden die weitere Umgebung. Sie bereiten sich auf den globalen Einsatz vor. Auf der Landseite errichten die Unionsstreitkräfte eine Blockadefront. Aber der Brückenkopf wurde absichtlich am Pazifik etabliert, um unter Wasser Menschen und Material in alle Welt zu transportieren. Alle Angriffe werden abgewehrt.

Neben den halbautomatischen Kampfmitteln wächst die Personalstärke im Lauf eines Jahres auf 30.000 Menschen und Drohnen mit Upload-Besatzung.

Dann explodieren die Antimaterieminen. Drei mal 50 Mt löschen den Brückenkopf der Koalition aus. Rohe Gewalt siegt über High-Tech.

Schon vor langer Zeit hatte die Union schwere nukleare Sprengköpfe tief eingegraben. Weltweit sind alle menschenleeren Gebiete, die für eine solche Landung geeignet sind, mit Minen präpariert. Etwa 100.000 schwere Minen liegen bereit, um auf Kommando zuzuschlagen. Die Erde hatte 250 Jahre Zeit, sich auf eine Invasion vorzubereiten.

Ein katastrophaler Verlust für die Koalition. Riesige Mengen Ausrüstung und alles verfügbare Bodenpersonal ist verloren. An eine Invasion ist jetzt nicht mehr zu denken.

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