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Flottengesetz.

Beschluss zum Aufbau bewaffneter Raumstreitkräfte. Offiziell: Celestial Territories Protection Act.

Der Koalitionsrat beschließt, überlichtflugfähige bewaffnete Streitkräfte aufzubauen. Damit bekundet die Koalition die Absicht, nicht nur im Solsystem, sondern über interstellare Entfernungen Macht auszuüben.

Schon immer gab es bewaffnete Einheiten im Solsystem. Im Lauf der Jahrhunderte hat das Sonnensystem kleinere und größere militärische Auseinandersetzungen erlebt, von der Jagd auf Piraten bis zu ausgewachsenen Raumkriegen. Aber die Entwicklung interstellarflugfähiger Kräfte ist eine neue Qualität, ein Signal an die Nachbarn.

Es gibt bisher nur sporadisch Kontakte zu Nachbarbarvölkern in der näheren interstellaren Umgebung. Aber man erwartet bald mit mehr Völkern in Kontakt zu kommen. Für diese ist es ein großer Unterschied, ob ein neues Volk sich auf das eigene System beschränkt und friedlich kolonisiert oder die Absicht bekundet, im Zweifelsfall auch Antimateriebomben in andere Systeme zu tragen.

Der Beschluss ist sehr umstritten. Erst kurz zuvor hatte die Koalition entschieden, sich nicht in die Angelegenheiten der Kolonien einzumischen, sondern nur helfend einzugreifen. Dabei gab es starke Kräfte, die sich eine stärkere Kontrolle gewünscht hätten. Für viele wurde eine einmalige Chance vertan, ein straff geführtes Kolonialreich mit einer starken solaren Koalition aufzubauen. Eine Sphäre der Menschen, die sich in den Augen mancher später zu einem Imperium entwickeln könnte. Die Abstimmung war knapp und mit vielen Kompromissen verbunden. Eines der Zugeständnisse ist die Stärkung der militärischen Komponente der Koalition.

Die Planungen sehen vor, dass in allen Systemen wo Menschen siedeln, wenigstens ein kleiner Militärposten mit einer mobilen Einheit stationiert wird. Die Koalitionskräfte sollen das System der Auswanderer schützen. Schutz vor Überfällen ist ein wesentliches Argument für diesen Beschluss.

Die Koalition ist seit 250 Jahren offiziell zuständig für die Außenbeziehungen der Mitglieder im Solsystem. Das war vor dem Interstellarzeitalter irrelevant und vermutlich der Grund warum die Zuständigkeit überhaupt so geregelt wurde. Aber von Beginn des Überlichtflugs an nahm die Koalition die Aufgabe ernst. Schon sehr früh nahmen Botschafter der Koalition als Beobachter an interstellaren Erkundungsmissionen teil. Die Koalition beteiligte sich finanziell an Missionen der Mitglieder und finanzierte eigene Expeditionen mit großem Erfolg (z.B. Ross 614/Dilan). So wurde die ursprünglich theoretische Verantwortung für die Außenbeziehungen des Solsystems praktiziert und mit Leben gefüllt. Nun, da es erste Außenposten bei anderen Sternen gibt, überträgt die Koalition den Anspruch, die Außenbeziehungen zu bestimmen, auf die interstellaren Kolonien.

Die betroffenen Kolonien sehen Nutzen und Risiken der neuen Regelung. Die Gefahr von Überfällen ist real. Man hat schon einiges von Marui Händlern und von Thoris gehört über Neobarbaren, Piraten, Völker mit anderen Moralvorstellungen und Mech-Leben. Ein gewisser Schutz kann sicher nicht schaden, vor allem, wenn man dafür nicht selbst aufkommen muss.

Auf der anderen Seite ist fraglich, ob die kleinen Militärposten mit ihren – aus Sicht des interstellaren Umfelds – technisch unterlegenen Schiffen wirklich einen Schutz darstellen. Manche fragen sich, ob die Koalition nicht später doch von den Siedlern Steuern erhebt wird, um diese Einrichtungen zu unterhalten. Dann wäre man wirklich eher in einem Kolonialreich. Politisch ist die ganze Angelegenheit für viele Siedler problematisch, weil der Anspruch der Koalition die Souveränität einschränkt. Dabei wollten viele Siedler eigentlich dem Einfluss des Solsystems entgehen.

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Der Feldanzug löst konventionelle Raumanzüge ab.

Raumanzüge müssen vier wesentliche Funktionen erfüllen: Strahlenschutz, Temperaturregelung, Aufrechterhaltung des Innendrucks und Sauerstoffversorgung. Seit mehr als 600 Jahren schützen sich Menschen durch Raumanzüge vor dem Weltall.

Im Lauf der Jahrhunderte wird der Raumanzug immer leistungsfähiger und zugleich leichter und besser tragbar. Moderne Raumanzüge schützen so zuverlässig vor der kosmischen Strahlung, dass Menschen ab dem 24. Jahrhundert dauerhaft Außenarbeiten durchführen können. Unterstützt wird das allerdings durch strahlungsresistente Gene, Dekontamination und korrektive Nanomedizin.

Die Temperaturregelung war immer schon aufwändig aber nicht problematisch. Sie wurde ohne große Technologiesprünge immer weiter miniaturisiert. Die Bewahrung des Innendrucks bei gleichzeitigem Tragekomfort war lange schwierig. Durch bessere Materialien ist der normale Raumanzug inzwischen sehr gut tragbar im täglichen Gebrauch. Er ist natürlich nicht so leicht wie ein normales Kleidungsstück, aber nicht unhandlicher oder unbeweglicher als Schutzkleidung ein halbes Jahrtausend zuvor. Die Sauerstoffversorgung entwickelte sich zu einem geschlossenen Kreislauf, der bei Energiezufuhr theoretisch unbegrenzt Sauerstoff aus ausgeatmetem CO2 wiedergewinnt.

Die Entwicklung des Feldanzugs bringt eine grundsätzliche Änderung im Gegensatz zum Raumanzug. Der Feldanzug besteht aus einer programmierbaren Nanitenmatrix, die elektromagnetische Nahfelder projizieren. Die E/M-Felder reichen nur wenige Mikrometer weit. Sie stoßen sowohl Gasmoleküle von innen, als auch Objekte von außen ab. Auf diese Weise bleibt der Innendruck erhalten und der Anzug schützt nach außen.

Der Feldanzug ist kein reiner Energieschirm. Er ähnelt eher programmierbarer Kleidung, die den Körper vollständig einhüllt und durch elektromagnetische Felder druckdicht abschließt. Wie auch bei "Nano"-Kleidung sind die Strukturelemente von Feldanzügen einige Mikrometer groß, nicht Nanometer. Eine adaptive Automatik passt die Strukturmatrix an die Körperform an und berücksichtigt dabei zusätzliche Ausrüstung, die Sauerstoffversorgung, Gesichtsfeld und den Tastsinn.

Vorläufer des Feldanzugs sind programmierbare Kleidung, individuelle ("Liqui") Panzerung auf Nano-Basis und Cave-Fog aus 3D-Caves. Türen, die sich öffnen indem Mikroelemente auseinander gleiten, gehören schon lange zum Alltag. Seit 30 Jahren gibt es sogar Schleusen bei denen sich eine Nanitenmatrix so verformt, dass sie Objekte durchlässt, dabei aber trotzdem druckdicht bleibt. Die ersten Nahfeld-verstärkten Schleusen (Feldschleusen) kamen vor zehn Jahren auf den Markt. Der Vorteil von Feldschleusen gegenüber klassischen Matrix-Schleusen besteht darin, dass die mikrometergroßen Strukturelemente genügend Abstand voneinander haben, dass die Matrix optisch transparent ist, man also hindurch sehen kann.

Der Feldanzug ist eine Kombination der Nanitenmatrix aus programmierbarer Kleidung mit der Nahfeldtechnik von Feldschleusen und moderner Lebenserhaltung (Temperaturregelung, Sauerstoffversorgung) von klassischen Raumanzügen.

Der Feldanzug wurde möglich durch einen Entwicklungssprung, der aus der Analyse von Exotechnologie stammt. Die E/M-Nahfelder verbrauchen viel Energie. Die Energieversorgung muss aber sehr kompakt sein, da der Anzug im Gegensatz zu Feldschleusen mobil sein soll. Seit einigen Jahren können nun solare Unternehmen die dafür notwendigen Hochleistungsenergiespeicher bereitstellen. Die Technologie stammt vom MET (Mars Exo-Technologie) Institut für Energieerzeugung und Persistenz.

Mit dem Feldanzug kann man sich in lebensfeindlichen Umgebungen (einschließlich dem absoluten Vakuum) fast so frei bewegen, wie auf der Erde. Der Anzug liegt transparent über der Bekleidung. Er erscheint als schwacher bläulicher Schimmer. Ein Helm oder andere Schutzausrüstung sind nicht mehr notwendig. Steuerung, Energiespeicher und Lebenserhaltung werden typischerweise als flacher Rucksack, als Weste oder als Gürtel getragen. Das Gewicht ist anfangs 10 kg, später 6 kg.

Nach wenigen Jahren gibt es Spezialanzüge für verschiedene Anwendungsbereiche, wie strahlungsreiche Umgebungen (z.B. Jupiterorbit), für Hochdruckumgebungen (einschließlich Unterwasseranwendungen) und für Kampfeinsätze mit besonderer mechanischer und elektromagnetischer Widerstandsfähigkeit.

Der Energieverbrauch kann bei industriellen und militärischen Anwendungen 100-mal höher sein, als beim Standard-Vakuum Feldanzug. Wegen des hohen Energieverbrauchs haben diese Anzüge wesentlich kürzere Laufzeiten. Für manche Anwendungen betreibt man den Anzug deshalb drahtlos an einem mobilen Fusionsreaktor. Das ist natürlich nicht praktikabel für militärische Einsätze. Der Gefechtsbetrieb wird deshalb je nach Situation nur für kurze Zeit aktiviert.

Weitere 50 Jahre später gibt es Anzüge, die ihre Widerstandsfähigkeit selbständig lokal regulieren. Die Reaktionsgeschwindigkeit reicht sogar für unerwartete kinetische Belastungen durch chemische Beschleuniger. Gegen Gauß- und Energiewaffen hilft weiterhin nur eine situationsbewusste KI, die rechtzeitig die Leistung hochfährt.

Die ersten Feldanzüge werden vom Jishu Konglomerat (Mars) auf den Markt gebracht. Schnell kommen weitere Hersteller dazu: Sistemos Technologijos, Avtopneft OsOO, Havvy Gearz AG (Hochdruckanzüge mit externem Reaktor). Die ersten Anzüge mit militärischen Fähigkeiten sind von Geavanceerde Apparatuur ShinSE und Yedivay Ltd.

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