Zeitleiste

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2671

Sapio: Eine Gruppe von Siedlungen wird von Ureinwohnern überrannt und zerstört.

Dabei kommen 80.000 Siedler ums Leben.

2672

Die Völker Thoas werden vor einer planetenweiten Eiszeit gerettet.

2673

Konflikte mit Ureinwohnern eskalieren.

Auf vielen Planeten mit eingeborener Bevölkerung gibt es schon seit Jahren Spannungen. Auf einigen entstehen daraus offene Konflikte, auch mit Opfern auf beiden Seiten.

Die Koalition war in den ersten Jahrzehnten des Aufbruchs – bis auf wenige Ausnahmen – sehr zurückhaltend in Bezug auf die Unterstützung von Siedlern bei Problemen mit Ureinwohnern. Die Siedlungsgesetze verboten eine Einmischung und die inneren Angelegenheiten und dies wurde in der Tagespolitik auch so umgesetzt.

Die interfraktionelle Kommission unter der Leitung der Senatorin Niu Yuqin entwarf die Siedlungsgesetze nach gründlichem Studium. Die Kommission untersuchte die wenigen damals verfügbaren außerirdischen Quellen und nahm sozioökonomische Modellrechnungen der Technischen Universität Kalkutta zu Hilfe, um die Folgen verschiedener Entwürfe zu betrachten. Die endgültige Fassung, die dann die Parlamente passierte, war ein sehr vorausschauender Versuch die Kolonien zu unterstützen und dabei gleichzeitig die junge Koalition nicht durch zu starkes Engagement an vielen weit entfernten Orten zu überfordern.

Aber die Siedlungspolitik der Koalition ändert sich etwa 15 Jahre nach der Kelrec-Belagerung. Die Koalitionsregierung wird von den Handlungen der Siedler ungewollt in Konflikte hinein gezogen. Sie gibt den Forderungen der Siedler nach und gewährt erst militärischen Schutz, später auch offensive Unterstützung.

Die Erfahrung mit dem einträglichen Protektorat Miro verleitet die Koalition zu einer mehr Einfluss beanspruchenden Politik.

Der Konflikt mit Kisor entstand als die Siedlungspolitik der Koalition immer imperialistischer wurde und Machtanspruch auf andere Planeten erhob. Als die Koalition dann auch versucht diese Politik mit Gewalt durchzusetzen, treten ihr die Kisor-Zwillinge entgegen. Die Kisor-Planeten haben aus Tradition keine Kolonien und beanspruchen auch offiziell keine Interessensphäre. Kisor war als interianisches Regionalzentrum bis zum Rückzug des Imperiums 800 Jahre für den Sektor verantwortlich gewesen. Die Kisori betrachten es seither als ihre Aufgabe, im umliegenden Raum die Ordnung aufrechtzuerhalten und dazu gehört es auch, dass sie sich – ihrer Meinung nach – eroberungslüsternen Emporkömmlingen entgegenstellen.

2673

Tawanna: Die neuen Siedler müssen sich nach Übergriffen der Ureinwohner in die Raumhafenzone zurückziehen.

2674

Entdeckung des Brandes.

Ein Raumgebiet von 50 Lichtjahren Durchmesser, das vor ca. 30.000 Jahren durch lebensfeindliche Sporen verseucht und vollständig entvölkert wurde.

2676

Alway: Entdeckung. Besiedlung durch irdische Siedler nach Abkommen mit den Ureinwohnern nach 11 Jahren.

Die Streitigkeiten, die schon acht Jahre nach der Besiedlung begonnen haben eskalieren so schnell, dass die menschlichen Siedlungen bald festungsartig ausgebaut werden müssen. Nach weiteren fünf Jahren Auslöschung einer Stadt und Versklavung der Siedler durch das im gleichen Gebiet lebende Kangri-Volk.

2677

Besuch einer Expedition im Herrschaftsbereich der Mansalu.

Nach Berichten über Mansalu in vielen Quellen war eine privat finanzierte Expedition zu einer fünf Jahre dauernden Reise aufgebrochen. Mansalu liegt über 2.000 Lichtjahre entfernt.

Der Herrschaftsbereich der Mansalu erweist sich als sehr großes, aber friedlicher und sehr wohlhabender Bereich. Mansalu selbst ist äußerst beeindruckend. Der Begriff Mansalu, den man vorher für den Zentralplaneten eines Herrschaftsbereiches gehalten hatte, stellte sich heraus als ein Komplex von acht vollvernetzten und -industrialisierten Sonnensystemen im Umkreis von zehn Lichtjahren mit mindestens 10.000 Milliarden Bewohnern von denen 95% im interplanetaren und interstellaren Raum lebten. Die Netto-Informationsaktivität wird auf das 10-Millionenfache des solaren Verbundes geschätzt. Das spricht dafür, dass es eine noch viel größere Zahl von Infosophonten im virtuellen Raum gibt. Kommunikation und Präsenz ist durch ein gigantisches Relaynetz fast zeitverlustfrei über den gesamten mehrere Lichtjahre großen Raumbereich möglich.

Physischer Transport wird über ein vergleichbar gut ausgebautes öffentliches Netz von Konverterstrecken abgewickelt. Reisen ist innerhalb eines Systems quasi instantan und dauert nur wenige Stunden innerhalb des Verbunds. Da auch die interstellaren Zwischenräume gut angebunden und schnell zu erreichen sind, lebt ein großer Teil der realen Bevölkerung tatsächlich in den Oortschen Wolken und im interstellaren Raum weit entfernt von den Sonnen. Es gibt bedeutende Zentren realer und virtueller Bevölkerung mitten im Leerraum. Tatsächlich ist der Leerraum angefüllt mit Habitaten, V-Clustern, Relays und einer Hierarchie von Konverterstrecken von Fernstrecken bis zum "Nahverkehr".

2678

Alway: Landung von Koalitionstruppen. Bombardierung und Besetzung von Kangri-Städten. Partisanenkrieg der Kangri.

2679

Entdeckung der goldenen Städte von Lakai.

Die Bauwerke werden berühmt nicht wegen der gewaltigen Mengen Gold, sondern wegen der Komposition als Gesamtkunstwerk.

2680

Ohni: Unruhen in den Uranbergwerken der Gesellschaft Stellar Metals werden mit Waffengewalt niedergeschlagen.

Drei Jahre später Vernichtung der menschlichen Kolonie durch eine 100 kt Bombe.

2681

Entdeckung einer uralten Roboterzivilisation auf dem Planeten Solberg 86 III

Eine Expedition erreicht das System des Sterns Solberg 86. Die Wissenschaftler gehen in einem Orbit um den dritten Planeten. Dort finden sie eine Roboterzivilisation. Die Zivilisation ist außerordentlich stabil und langlebig. Die Roboter bewachen ein uraltes Erbe ihrer Erbauer. Deshalb soll sie studiert werden.

Die Expedition hatte das System gezielt angeflogen. Viele Entdeckungen des Aufbruchs werden aufgrund von Recherchen in extrasolaren Bibliotheken gemacht. Die interstellare Raumfahrttechnologie der Menschen ist noch nicht so weit, dass viele Schiffe vom Solsystem ausschwärmen und unbekannte Systeme durchsuchen können. Interstellare Forschungsreisen sind immer noch aufwändig und teuer. Deshalb ist es effizienter in extrasolaren Bibliotheken nach lohnenden Forschungszielen zu recherchieren und diese dann gezielt anzufliegen. Diese Art der "geplanten Entdeckung" hat sich inzwischen etabliert. Viele interessante Ziele sind bekannt. Aber ein Planet gilt erst dann als von Menschen "entdeckt", wenn er wirklich von Menschen besucht worden ist.

Für die Recherche haben sich öffentliche Bibliotheken im relativ nahen Thoris-System bewährt. Die Menschheit hat traditionell eine gute Beziehung zur Babur-III-Harmonie im äußeren System. Im Thoris-System gibt es mehrere Handelsvertretungen von Menschen. Diese Stützpunkte haben Zugang zum öffentlichen Netz und zu Bibliotheken. Bei der Recherche über neue Handelsmöglichkeiten fallen den beteiligten Wissenschaftlern immer wieder besondere Systeme der näheren Umgebung auf. Manchmal entstehen so neben der kommerziellen Recherche auch private wissenschaftliche Abhandlungen. Die Information wandert dann über die Mailboxen der Frachter bis zum Solsystem.

Ähnliches gilt für Artu. Allerdings ist die Kommunikation mit den verschiedenen Sophonten im Artu-System wesentlich schwieriger. Schon früh konnte ein reger Handel mit Artu etabliert werden. Aber darüber hinaus sind die Kontakte gering.

Seit der Kelrec-Bedrohung 30 Jahre zuvor besteht außerdem enger Kontakt mit Kisor. Die kompatible Denkweise macht die Kommunikation mit kisorischen Quellen besonders einfach. Zudem gibt es viele persönliche Beziehungen zwischen Menschen und Kisori weil zigtausende Kisori im Solsystem bei der Verteidigung halfen. Inzwischen ist Kisor dabei, Thoris als Haupthandelspartner des Solsystems abzulösen. Thoris ist zwar viel näher, aber seit der Belagerung und der Hilfe Kisors orientiert sich das Solsystem stark an kisorischer Technologie.

Die Information über Solberg 86 III kommt tatsächlich von Kisor. Das System war beschrieben in der Dokumentation zu einem automatischen Asteroiden-Miner. Dhatu Metals hatte von der Siko-Gilde den Miner gekauft. Im Anhang des Benutzerhandbuchs der Miner-KI befand sich eine Datenbank von autonomen Systemen und darunter waren nicht nur kommerzielle kisorische Modelle, sondern auch ein Überblick über exotische KI-Systeme. Das war vermutlich ein Fehler beim Zusammenstellen der Dokumentation. Anscheinend wurden beim Kopiervorgang statt der Quellenangabe aus Versehen die gesamten 23 Terabyte des Quellmaterials mit in den Anhang kopiert.

Ein Mitarbeiter von Dhatu Metals entdeckte die Datenbank während der Inbetriebnahme des Miners. Über die Technologietransferstelle der Bengaluru-Universität und ein Projektmeeting des Sonderforschungsbereichs "Isolierte Autonome Systeme" der Shankara-Forschungsgesellschaft gelangten die Daten an das Zentrum für interstellare Geschichte der Saurashtra Universität Rajkot/Gujarat. Professorin Khatia Buniatishvili stellte einen Antrag für eine Feldexpedition im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Replikationsinhibitoren" der Shankara-Gesellschaft.

Der Antrag wird genehmigt und so kommt es, dass unter der Leitung der Geschichtsprofessorin Khatia Buniatishvili ein gechartertes Raumschiff im Orbit von Solberg 86 III kreist und versucht, mehr über die dortige Roboterzivilisation herauszufinden. Die Expedition ist gewissermaßen ein Joint-Venture zwischen der Historischen Fakultät der Saurashtra Universität, die sich weit zurückreichende geschichtliche Daten erhofft, und der Shankara-Gesellschaft, die erforschen will, wie die autonomen Systeme von Solberg 86 III so lange stabil bleiben konnten.

Seit fast 30 Millionen Jahren existiert die Roboterzivilisation schon. Genau gesagt seit 29.825.413 irdischen Jahren. Damals starb der letzte ihrer Erbauer. Die Roboter geben bereitwillig Auskunft über den gesamten Zeitverlauf. Dafür wurden sie programmiert. Die Aufgabe der Roboterzivilisation ist es, das Andenken der Erbauer zu bewahren und jedem (auf Anfrage) alle Informationen über die Erbauer zu geben. Dazu gehören ihre Geschichte, ihre Biologie, die Gesellschaft, Philosophie, Kunst, ihre Technologie und Biographien einzelner Erbauer seit Beginn der Aufzeichnungen. Es ist ein gewaltiger Berg an Informationen. Der vollständige Datenabzug einer ganzen Zivilisation.

Besonders die Technologie scheint interessant, bis man herausfindet, dass es im High-Tech Bereich viele Lücken gibt, vor allem bei Dual-Use Technologien, die auch militärisch verwendbar sind.

Die historischen Daten über die Zivilisation der Erbauer sind sehr umfangreich. Man erfährt alles über ihre 80.000 jährige Geschichte und über die Völker in der Umgebung vor 30 Millionen Jahren.

Aber noch interessanter wären genaue Daten zur Geschichte des Sektors im Verlauf der letzten 30 Millionen Jahre, vor allem zur jüngeren Geschichte, also der letzten 100.000 Jahre. Leider beschränken sich die Informationen seit dem Ende der Erbauer auf eine Liste der Besucher im Solberg 86 System. Aus den Beschreibungen kann man Informationen zum umliegenden Sektor ableiten. Die Herkunft der Besucher gibt indirekt Auskunft über die Abfolge der wichtigen Völker im Lauf der Geschichte. Aber die Roboter haben selbst nie das System verlassen, um weitere Daten zu sammeln.

Einige interessante Ereignisse gibt es aber doch. Schon vor 50.000 Jahren, und seitdem immer wieder, waren Kelaner unter den Besuchern. Kelaner haben wohl nie eine bedeutende Rolle im lokalen Sektor gespielt. Aber sie waren nach den Angaben anderer Völker irgendwie schon immer da. Jetzt weiß man ungefähr wie lange Kelaner schon zu den raumfahrenden Völkern gehören.

Man sieht auch deutlich die Wellen der kisorischen Zivilisation über die letzten 15.000 Jahre. Die Statistik zeigt Aufstieg und Fall des legendären solemischen Reiches und man erkennt den Beginn des Interianischen Imperiums. Damals besuchten sogar mehrmals Personen, Hände des Imperiums, das Solberg 86 System. Unzählige Völker haben Solberg 86 besucht. Die meisten kann man heute, nach Millionen Jahren, nicht mehr zuordnen.

Im Lauf der Jahrtausende und Jahrmillionen kamen auch immer wieder feindliche Besucher. Neben den üblichen Plünderern, die ohne großen Aufwand abgewehrt wurden, gab es auch viele Versuche die Roboterzivilisation zu vernichten. Mech-Zivilisationen werden von den meisten Völkern nicht gerne gesehen. Alle Völker haben während ihrer technischen Entwicklung mit KI-Ausbrüchen zu kämpfen. Meistens werden diese eingedämmt und die Technologie dann mit Replikationsinhibitoren versehen. Autonome Systeme sollen nur den Betreibern dienen, nicht selbständig agieren und sich auf keinen Fall unkontrolliert ausbreiten. Selbständige Mech-Zivilisationen, wie Solberg 86 III, die ohne ihre biologischen Erbauer weiter existieren, werden als Bedrohung angesehen. Im Lauf der Zeit haben viele lokale Ordnungsmächte, die jeweils herrschenden Imperien und Allianzen von Nachbarvölkern, Solberg 86 angegriffen. Aber alle wurden abgewehrt.

Die Roboter geben auch dazu bereitwillig Auskunft. Es gibt detaillierte Aufzeichnungen von allen Angriffen und in manchen Fällen sieht man riesige Mengen von Kampfeinheiten, die von allen Monden des Solberg 86-Systems aus verborgenen Arsenalen starten. Und man sieht beeindruckende Waffenwirkungen, die leider nicht in der Technologiedatenbank verzeichnet sind.

Die Roboterzivilisation hatte Millionen Jahre Zeit, um Kampfmittel zu bauen. Offensichtlich halten die Roboter ihr Material auch nach so langer Zeit betriebsbereit. Dafür ist sicher eine riesige technische Infrastruktur notwendig.

Auf den ersten Blick erscheint nur der dritte Planet von Robotern "bewohnt". Es gibt geringe Bergbauaktivitäten in den Asteroiden und den Monden der Gasplaneten. Aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass große Teile des Systems, viele Monde und Asteroiden, ausgebaut sind und unterirdische technische Anlagen besitzen.

Die Roboter haben den Auftrag das Andenken ihrer Erbauer zu bewahren. Sie sorgen mit allen Mitteln dafür, dass das so bleibt. Der Auftrag ändert sich nicht. Sie ändern sich nicht. Es gibt keine Mutation, keine Neuinterpretation des Auftrags, keine Ausbreitung, keine Bedrohung anderer Völker. Zeit spielt für sie keine Rolle. Sie sind da. Sie bleiben da. Sie befolgen weiter ihren 30 Millionen Jahre alten Auftrag.

Über sich selbst geben die Roboter wenig Auskunft. Ihr Informationsauftrag bezieht sich nur auf ihre Erbauer. So bekommen die mitgereisten KI-Forscher nur wenig Substantielles über den langfristigen autonomen Betrieb der Mech-Zivilisation. Die Historiker der Expedition erfahren sehr viel über die Geschichte vor 30 Millionen Jahren, aber wenig über die jüngere Vergangenheit.

Die Expedition liefert interessante Erkenntnisse. Alleine die Tatsache, dass es diese Mech-Zivilisation schon so lange gibt, öffnet vielen Menschen die Augen wie groß und vielfältig das Universum ist. Auf der anderen Seite sind die meisten Informationen nur indirekt (abgeleitet aus den Besucherlisten), unvollständig (im High-Tech Bereich) oder inzwischen irrelevant (wie die ausführliche Geschichte der Erbauer in einer längst vergangenen Epoche).

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