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2747

Erste Austragung des Raumrennens Rama-Sol nach dem Krieg

Das Rennen geht von Rama zur Erde über mehrere Wegpunkte. Zwischen den Wegpunkten ist die Strecke frei wählbar. Die Zwischenstationen liegen so, dass die Teilnehmer an Navigationshindernissen vorbeikommen, wo sie sich für die Route entscheiden müssen, die am besten zu den Möglichkeiten ihres Antriebs passt. Die Teilnehmerzahlen steigen in den nächsten Jahren schnell an.

Bei diesem ersten Rennen starten 12 private Yachten, acht aus dem Rama System, zwei von der Erde und zwei von Syrak. Die Strecke geht von einer geostationären Umlaufbahn Ramas (des Planeten) zur Erde im Solsystem. Die ersten zwei Etappen sind innerhalb des Rama-Systems von Rama zum Gasriesen Dasharatha und dann zu einem KBO (Kuiper-Belt Objekt) namens Sumitra. Dabei müssen die Teilnehmer das Ringsystem Dasharathas durchqueren. Innerhalb der Dasharatha-Umlaufbahn (+ 1 AU) sind ÜL-Antriebe verboten. Deshalb geht die Strecke mit konventionellen Triebwerken senkrecht zur Ekliptik, dann möglichst nahe an der Sperrzone entlang und weiter nach Dasharatha. Interessant ist der erste Abschnitt dadurch, dass viele Asteroiden des zweiten Asteroidengürtels eine exzentrische Umlaufbahn haben und manchmal der Route sehr nahe kommen. Bewohnte Habitate im Asteroidengürtel sind markiert und haben eigene Sperrzonen.

Anschließend geht die Strecke im interstellaren Raum durch den Kataka-Gamma Nebel, und vorbei an einem Gravitationsriff (eine ausgedehnte Ballung dunkler Materie). Darauf folgt eine Sprint-Etappe an deren Ende man in einer Kombinationswertung aus Geschwindigkeit und Genauigkeit einen Kontrollpunkt möglichst dicht und schnell passieren muss. Im letzten Abschnitt zum Solsystem ist dann Dauerleistung gefragt. Die Etappe endet in 20 Lichtwochen Abstand zu Sol.

Im letzten Abschnitt der regulären Strecke muss man auf einem selbstgewählten Kurs durch den dichteren Teil der Oort'sche Wolke navigieren, um bei Eris anzukommen. Eris steht weit außerhalb der solaren Ekliptik. Abschließend gibt es noch zwei Sprintwertungen. Die erste im ÜL-Betrieb von Eris zu einem Punkt 1 AU oberhalb der aktuellen Position der Erde und eine mit konventionellen Triebwerken von dort zu Luna. Für die ÜL-Sprintwertung ist das ÜL-Flugverbot in der Pluto-Raumkugel suspendiert.

Das Rennen war zwischen 2683 und 2704 alle zwei Rama-Jahre durchgeführt worden, dann aber wegen des Kontaktverbots während des Kriegs für 30 Jahre nicht möglich gewesen. Ab 2751 wird das Rennen jährlich durchgeführt. Die Teilnehmerzahlen steigen rasant, vor allem durch den Wirtschaftsaufschwung im Solsystem. Bei späteren Rennen treten Hunderte von Teilnehmern an, viele von Firmen gesponsert.

Immer wieder kommt es zu Ausfällen. Vor allem dann, wenn Piloten zu viel riskieren. Zum Glück sind das meistens nur Schäden am ÜL-Triebwerk. Manchmal müssen die Piloten mehrere Tage ausharren bevor ihr Schiff geborgen werden kann.

2749

Gabriele von Pellworn wird zur Regentin von Makadam auf Adrian.

Als Dank für ihre Verdienste in den Erbfolgekriegen Makadams wählen die Adrianer die Familie von Pellworn für 64 Adrianjahre (230 Jahre) zur Erbdynastie.

Gabriele von Pellworn, die Kommandeurin einer Söldnertruppe von Germania, hatte im Auftrag eines lokalen Fürsten in die Erbfolgekriege auf dem Makadam Kontinent eingegriffen. In dem vier Jahre währenden Einsatz gelangt sie zu einem legendären Ruf unter der einheimischen Bevölkerung. Unter anderem bewahren ihre Leute 300.000 Bürger ersten Grades (35 Millionen anderer Grade) im südlichen Makadam vor einer meteoriteninduzierten Flutwelle. Sie setzt drei den Frieden sabotierende Fürsten durch Volksaufstände ab und rettet die Dritteltochter des rechtmäßigen Herrschers von Makadam.

Nachdem der Friede wieder hergestellt ist, verzichtet dieser allerdings auf den Thron und das Volk proklamiert von Pellworn zur Regentin für ein Adrianjahr. Die Adrianer widersetzen sich ihrem Rücktritt nach dieser Zeit und wählen sie zur Erbkönigin. So entsteht ein fremdrassiges Herrschertum mit Zustimmung der eingeborenen Bevölkerung (ersten Grades). Gabriele von Makadam regiert 110 Jahre. Während der 120-jährigen Herrschaft ihrer Tochter schließt sich ganz Adrian freiwillig der makadamischen Hegemonie an.

2750

Veröffentlichung des interaktiven VR-Dramas "Executive Decision".

Hintergrund ist die spektakuläre Rettung der Überlebenden des Spacedomes durch die Solare Befreiungsfront in der Endphase des Kisor-Krieges und der moralische Konflikt auf beiden Seiten.

Die kleine Rettungsflotte der Solaren Befreiungsfront (SLF) kämpft sich durch die kisorischen Wachschiffe. Der finale Schlagabtausch findet sehr nahe am Spacedome statt, da die Kisori die Struktur als Ortungsdeckung nutzen. Unglücklicherweise detonieren die Sprengköpfe von Anti-Schiff Röntgenlasern der SLF beim Polarisbogen des Spacedomes. Der Polarisbogen wird komplett zerstört. Im angrenzenden Spica-Abschnitt verlieren 7145 Menschen ihr Leben. Die SLF kann mit Bodentruppen landen und 23.647 Überlebende retten.

Später, nach dem Krieg wird immer wieder diskutiert, ob die Entscheidung von Kapitän Mauro Toselli von der "Washington" (nach dem Staat Washington, dem Ort der Entscheidungsschlacht im 2. amerikanischen Bürgerkrieg 2259), auf die kisorischen Fregatten hinter dem Polarisbogen zu feuern, richtig war.

Die taktische Situation der angreifenden SLF war zu dieser Zeit verzweifelt. Der schwere Kreuzer "Francis Marion" war bewegungsunfähig geschossen worden und driftete weg. Mit ihm schwand der Raketenabwehrschild des verbliebenen SLF-Verbands. Es war abzusehen, dass die Raketenabwehr der übrigen Einheiten binnen kurzer Zeit den Angriffen der kisorischen Verteidiger unterliegen würde. Damit wäre die Befreiungsaktion gescheitert und es würde vermutlich keine weitere mehr geben. Die verbliebenen Bewohner des Spacedomes wären sich selbst überlassen und hätten den Krieg vermutlich nicht überlebt.

Der gewagte Schuss von Toselli war die einmalige Gelegenheit, zwei Verteidiger auf einen Schlag auszuschalten und das Blatt zu wenden. Die Fregatten waren ungewöhnlich nahe beieinander, so dass beide gleichzeitig durch die letzten verbliebenen Anti-Schiff-Torpedos der SLF ausgeschaltet werden konnten. Toselli wusste aus den Liveübertragungen, dass der Polarisbogen schon vor einiger Zeit evakuiert worden war. Viel mehr war über den Aufenthaltsort der Bewohner nicht bekannt, da die Menschen ständig auf der Flucht waren. Aber es war auf jeden Fall mit Verlusten zu rechnen. Toselli stand also vor der Entscheidung, alle verbliebenen Bewohner aufzugeben oder – unter Inkaufnahme von Verlusten – doch noch viele zu retten. Vielleicht hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben. Aber Toselli hatte nur zehn Sekunden Zeit, um die Situation zu beurteilen und zu handeln.

Wir wissen, wie seine Entscheidung ausfiel. Wir wissen heute, dass sie 7145 Menschen das Leben kostete. Das waren viel mehr Opfer, als das SLF-Kommando erwartet hatte. Aber weniger als die Kisori annahmen. Die Kisori nutzten den Polarisbogen als Deckung in der Annahme, dass die SLF nicht auf die großen Wohnbereiche des Polarisbogens schießen würde. Kisori verfolgten das Drama der Live-Feeds nicht so genau wie die Menschen. Ihnen war entgangen, dass der Polarisbogen zu dieser Zeit nicht mehr bewohnt war. Sonst hätten sie vermutlich nicht dort Deckung gesucht.

Wir wissen aber auch, dass durch Tosellis entschlossenes Handeln mehr als 23.000 Menschen gerettet wurden. Und wir wissen, dass dies tatsächlich die letzte mögliche Befreiungsaktion war. Keine andere Gruppierung im Asteroidengürtel hätte sie retten können. Die Menschen hätten die nächsten vier Jahre bis zum Ende des Krieges im Spacedome nicht überlebt.

Kapitän Toselli wird nach Kriegsende von Angehörigen der Opfer verklagt, mit dem Vorwurf, dass er als Angehöriger einer Miliz einen Massenmord begangen habe. Die Klage wird abgewiesen, mit der Begründung, dass die SLF durch eine informelle Sicherheitspartnerschaft mit den Koalitionstruppen dem Militär zuzurechnen sei. Die Opfer sind damit Kollateralschäden von Kriegshandlungen und keine Mordopfer. Durch diese Entscheidung wird das Militär zuständig. Kapitän Toselli muss sich vor einem Kriegsgericht verantworten und wird schließlich freigesprochen.

Noch viel später wird bekannt, dass das kisorische Oberkommando die Spacedome-Aktivität schon mit dem Beginn der Bodenoffensive auf der Erde beenden wollte. Die Menschen im Spacedome hätten also nur 15 Monate und nicht vier Jahre aushalten müssen. Die Beurteilung, wie viele der verbliebenen Menschen so lange überlebt hätten, bleibt jedem selbst überlassen.

Die Situation um den Spacedome ist die Vorlage für das interaktive VR-Drama "Executive Decision" mit Maurizio Magris und Sren Tot Plok. Ein bemerkenswertes Feature des Stückes ist, dass man nicht nur die Personen auf der Brücke der "Washington" spielen kann, sondern auch kisorische Entscheidungsträger mit einer sehr genauen Betrachtung der moralischen Aspekte auf kisorischer Seite.

Es ist geschichtlich erwiesen, dass der kommandierende Offizier einer der kisorischen Fregatten, Trash Prek Nuang, gespielt von Sren Tot Plok, ein Fan der Spacedome-Feeds war und diese sehr genau verfolgte. Er musste über die Räumung des Polarisbogens Bescheid wissen und deshalb mit einem Angriff der SLF rechnen.

Nach einer interaktiven Variante des Drehbuchs versucht Prek den Kommandeur der anderen Fregatte zu überzeugen, den Ortungsschatten des Polarisbogens zu verlassen und damit sowohl sein Kommando, als auch die Menschen im Spica-Abschnitt zu retten. Der andere Kommandeur folgt aber strikt seinen Befehlen. Er ist der Vorgesetzte von Prek und Befehlshaber der kisorischen Flotille. Sippeninterne Politik spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der moralische Konflikt Preks. Durch sein Wissen über die Abläufe im Spacedome ist Prek zerrissen zwischen Loyalität zur Gilde und der Schuld als Teil der Wachflotte für die grausamen Szenen im Spacedome mitverantwortlich zu sein.

Ein häufiges Ende besteht darin, dass der interaktive Prek-Spieler sein Wissen über den Polarisbogen zurückhält. Durch den Aufruf alter Sippenverpflichtungen hätte er seinen vorgesetzten Offizier sogar zwingen können, ihm zu folgen und den Ortungsschatten zu verlassen. Aber er tut es nicht. Prek akzeptiert die Vernichtung der Fregatten und seinen eigenen Tod als Wiedergutmachung der Schuld, die die Tika-Gilde durch die Spacedome-Affäre auf sich geladen hatte. Er ermöglicht damit die Rettung der Menschen und verurteilt gleichzeitig über 7000 menschliche Zivilisten zum Tode. Darunter sind einige, die Prek durch die Feeds kennen und schätzen gelernt hatte und deren Leben er in den letzten Jahren aus der Ferne begleitete.

"Executive Decision" bekommt auf Kisor hohe Auszeichnungen.

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