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Entdeckung der Höhlensysteme auf Sona durch Forscher von Lishi

Die Höhlen sind voneinander isoliert und haben unterschiedliche Biosysteme entwickelt. Sona bietet Wissenschaftlern eine einzigartige Möglichkeit die Interaktion von Biosystemen zu beobachten.

Die Oberfläche des Planeten ist sehr heiß und trocken. Sie besteht fast nur aus Wüsten. Die Landmasse konzentriert sich auf einen relativ schmalen Äquatorialkontinent, der den ganzen Planeten umläuft. Auf dem Äquatorialkontinent gibt es in Äquatornähe rund um den Planeten einige hohe Gebirge. Dort regnen Passatwinde ab und es herrscht ein gemäßigteres Klima. Die Konzentration der Regengebiete auf die Gebirge sorgt dafür, dass der Boden dort stark ausgewaschen wird. Dadurch sind riesige Höhlensysteme entstanden. Einige Systeme haben Hunderte von Hohlräumen jeweils mit bis zu 250 Meter Breite und 400 Meter Höhe. Die niedrige Schwerkraft von nur 0,7 g ermöglicht größere Hohlräume als auf der Erde.

Die Höhlen sind sehr feucht. Fast der gesamte Regen läuft über die Höhlensysteme ab. Dort sind Biotope entstanden, die ohne Licht von den Mineralien der Gesteine und den eingeschwemmten Nährstoffen leben. Höhlen durch Auswaschung von Böden gibt es auf vielen Planeten. Das Besondere an den Höhlen von Sona ist, dass fast jedes Höhlensystem ein eigenes Biosystem entwickelt hat.

Die Höhlensysteme sind durch die Wüsten voneinander getrennt. Tagsüber erreichen die Wüsten Temperaturen bis 60 Grad Celsius Luft und bis 90 Grad Bodentemperatur. Auf der Oberfläche gibt es deshalb fast keine Migration von höheren Lebewesen zwischen den Höhlensystemen. Die meisten Höhlensysteme befinden sich unter den Gebirgen, aber trotzdem weit über Meeresniveau. Das Wasser, das durch die Höhlensysteme strömt, läuft nördlich und südlich des Äquatorialkontinents steil ins Meer ab, oft über hohe Klippen. Auch auf diesem Weg gelangen keine größeren Lebewesen vom Meer in die Höhlen.

Die meisten Biosysteme von Sona sind kompatibel. Sie müssen einen gemeinsamen Ursprung haben. Aber sie haben sich sehr verschieden entwickelt. Im Pent Lao Puk-Komplex dominieren 6-beinige Arten, vor allem eierlegende Säugetiere. Im benachbarten Rahmani-Höhlensystem gibt es viele große (bis zu 50 cm) Tiere mit Exoskelett. Sie sehen aus wie Insekten, laufen auf vier Beinen mit dem Körper in der Mitte, wie irdische Spinnen. Aber sie haben ein zentrales Nervensystem und ein Gehirn. Sie sind nicht vergleichbar mit irdischen Insekten.

Das Changer-Biotop im Unaha-Labyrinth wird dominiert von Morphzellern. In ihrer Ruhephase sehen sie aus wie ein alles bedeckender Schleim von Mikroben. Die Morphzeller können sich zusammenschließen, um mobile Einheiten zu bilden. Sie lösen sich dann vom Biofilm und verhalten sich wie eigenständige Lebewesen. Manche ernähren sich in dieser Form von Pflanzen, Pilzen und höher wachsenden Früchten. Andere verhalten sich wie Raubtiere und jagen ihre vegetarischen Brüder.

Die Pellegrini-Höhlen unterscheiden sich von den anderen Biosystemen durch eine abweichende genetische Makroordnung. Die nativen Biosysteme Sonas gehören zur Klasse der Polymergene, lange Ketten organischer Moleküle, deren genaue Abfolge die Gene kodiert. Im Gegensatz zu irdischer DNA dient auf Sona aber Polyamid als Träger. Die Geninformation der Pellegrini-Höhlen benutzt auch Polyamid, verwendet aber zum Teil andere funktionale Gruppen.

Im Mesa-Gebirge liegen mehrere unabhängige Höhlensysteme mit nicht Sona-nativen Lebensformen. Die Biosysteme unterschieden sich so sehr untereinander und von den meisten anderen, dass sie vermutlich nicht auf Sona entstanden sind. Im Lauf der Jahrmillionen sind wohl schon andere Forscher auf die Idee gekommen die Höhlen von Sona als Versuchsgelände für Biosysteme zu verwenden.

Durch Wasserabflüsse aus den Höhlensystemen gelangen Lebewesen aller Biosysteme in den Ozean. Dort ist ein bunt gemischtes Biotop entstanden mit Arten aus sehr unterschiedlichen Biosystemen. Die gemeinsame Herkunft macht sie immerhin so weit kompatibel, dass sich manche gegenseitig fressen können. Es gibt aber auch erstaunliche Koexistenz zwischen Arten aus verschiedenen Biosystemen in der gleichen ökologischen Nische. Immer wieder kommt es zu abrupten Änderungen des Gleichgewichts, wenn plötzlich eine neue Art aus einem der Höhlensysteme eine ökologische Nische besetzt und andere verdrängt. Das passiert auf allen Stufen der Nahrungskette. Arten, die in ihrem Biosystem keine natürlichen Feinde haben, treffen im Ozean auf potente Gegner. Mikroben aus fremden Biosystemen können plötzlich Infektionen auslösen.

Im Lauf von 20 Jahren errichten viele Völker und Fraktionen Forschungsstationen. Alle Höhlensysteme werden kartographiert und ihre Biosysteme erforscht. 2794 schließen sich die Forschungsinstitute zusammen unter dem Dach der Sona Universität für Biogenetik (SUB, Kisori: Terak). Die SUB ist später eine bedeutende Forschungseinrichtung und Begegnungsstätte vieler Völker, selbst dann wenn sich die Heimatplaneten der Träger im Konflikt befinden. Der Hauptsitz ist am höchsten Berg des Mesa-Höhenzugs.

2778

Bevölkerung und Industrie Cobols wachsen weiterhin stark an.

2779

Kisorfeindliche Stimmen tauchen in der öffentlichen Meinung auf.

2780

Die 'adeligen' Gilden Alphas besiegt. Vormachtstellung Betas.

Ende der Inosch, der faktischen Regierung des Zweiplanentenreichs. Irrationales Misstrauen zwischen Alpha, dem Ursprung der Rasse und Beta, der überlegenen Kolonie. Totaler Krieg vermieden. Die erste Gilde funktionslos und am Ende.

2782

Beginn des 16-jährigen Baus der Hyperfunkstrecke Sol-Cobol.

Da keine bekannte Hyperfunktechnik interstellare Entfernungen überbrückt, sind Funkstrecken sehr wichtig für den Nachrichtenaustausch zwischen Zivilisationszentren. Hyperfunkstrecken bestehen aus unzähligen Hyperfunk-Tranceivern. Jede Station überbrückt nur wenige Lichtstunden. Nachrichten werden so überlichtschnell von Station zu Station weitergereicht. Aufbau und Unterhalt einer Funkstrecke sind allerdings sehr teuer, sodass sich nur wohlhabende Planeten und Organisationen eigene Funkstrecken leisten können. Die Strecke Sol-Cobol besteht aus ca. 54.000 Tranceiverstationen, die einen relativ hohen Energiebedarf haben und deshalb vor allem im interstellaren Raum ständig gewartet werden müssen. Zur Zeit des Imperiums wird dann ein Großteil der Strecke durch effizientere Technik ersetzt.

2783

Unabhängigkeitserklärung Kisors

Die Kisor Zwillinge, Alpha und Beta, erklären ihre Unabhängigkeit vom Interianischen Imperium. Kisor gibt offiziell den Status als Regionalzentrum auf. Fast 1800 Jahre war Kisor Teil des Imperiums gewesen. 1100 Jahre sogar als Regionalzentrum und damit die lokale Ordnungsmacht.

Faktisch endet der Einfluss des Imperiums schon 100 Jahre vorher. Um 2500 zieht sich das Imperium auf einen Kernbereich zurück. Dort ist es aber noch sehr aktiv, wirtschaftlich und militärisch stark. Es regiert die Peripherie indirekt durch die Regionalzentren. Das ist eine Folge des langen dynastischen Ringens im Herz des Imperiums.

Über die nächsten 100 Jahre bis 2600 wird der Kontakt des Zentrums zur Peripherie immer schwächer. Schon ab 2620 erklären sich viele andere Regionalzentren für unabhängig. In Kisors Bereich erneuert Interia seine Präsenz mit der Kelrec-Intervention 2650. Die Intervention ist zwar die letzte große Flottenaktion des Imperiums. Sie sorgt aber dafür, dass der Einfluss des Imperiums in Kisors Sektor länger währt, als in den anderen Randbereichen. Trotzdem wird auch Kisors Sektor um 2700 praktisch aufgegeben. Der interianische Regent wird 2693 zurück gerufen. Die Tributzahlungen enden 2725 als Kisor herausfindet, dass das zuständige Hauptzentrum, wo man über ein halbes Jahrtausend Tribute abgeliefert hatte, diese schon seit 20 Jahren nicht mehr an Interia weiterleitet.

Trotzdem bleibt Kisor noch 60 Jahre lang offiziell eine Bastion des Imperiums. Das ist zum Teil aus Vorsicht, falls das Imperium doch zurückkehren sollte. Es ist aber auch Pflichtgefühl und die ehrliche Verantwortung für den Sektor angesichts des sich verschärfenden Neobarbaren-Problems.

Die explizite Unabhängigkeitserklärung ist eigentlich nicht nötig. Sie ist sogar riskant, da nicht ausgeschlossen ist, dass das Imperium tatsächlich wieder erstarken könnte. Der Beschluss ist vor allem innenpolitisch motiviert. Er ist ein Ausdruck des aufsteigenden (merantischen) nationalistischen Bewegung.

Bis zum Schluss erfüllt Kisor seine Aufgabe als Regionalzentrum vorbildlich. Kisor verwaltet und beschützt seinen Sektor auch in einer Zeit, in der die Aufgabe schwerer wird und das Zentrum des Imperiums nicht helfen kann. Dabei kommen aber auch Kisors eigene Interessen nicht zu kurz. Kisor ist nicht altruistisch. Das Imperium verlangte nur Schutz für den Sektor und regelmäßigen Tribut. Darüber hinaus sind Regionalzentren frei in der Ausgestaltung ihre Pflicht.

Die Menschheit ist mehrmals von Kisors Aktivitäten direkt betroffen, im Guten wie im Schlechten. Anfangs betrachtet Kisor die Expansion der Menschen mit Wohlwollen. Es gibt wenig Kontakt. Die Menschheit ist noch zu wenig entwickelt, zu weit entfernt und wirtschaftlich uninteressant. Das ändert sich aber im Lauf der Zeit. Als Neobarbaren die Menschen angreifen wird Kisor aktiv. Kisor engagiert sich mit großem Aufwand.

Die Hilfe Kisors gegen die Kelreci beginnt schon bevor Interia auf das Kelrec-Problem aufmerksam wird. Kisor unterstützt die Menschen aus eigenem Antrieb ohne auf eine Anordnung Interias zu warten. Die Menschen profitieren sehr stark vom Technologietransfer während der 10-jährigen Unterstützung. Die Anpassung an den interstellaren Techlevel hätte sonst viel länger gedauert. Kisor rüstet die Menschen auf ohne Rücksicht darauf, dass die Menschen später eine Konkurrenz als Regionalzentrum darstellen könnten. Das Solsystem entgeht schließlich der Plünderung durch die Kelreci. Während viele andere Regionalzentren sich schon als selbständig betrachten, erfüllt Kisor also immer noch seinen Auftrag.

Allerdings muss sich die Koalition für Kisors Hilfe hoch verschulden. Kisor schöpft danach für mehrere Jahrzehnte den Reichtum der Menschheit ab. Das Imperium verlangt von Regionalzentren Schutz gegen Neobarbaren, aber keinen Altruismus. Deshalb entspricht das Vorgehen Kisors völlig dem Auftrag.

Vergleicht man eine einmalige Plünderung durch Kelreci mit zehn Jahren totalem Krieg und 80 Jahre Rückzahlung teurer Kriegsanleihen, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Plünderung günstiger gewesen wäre. Manche fragen sich auch, ob Kisor immer nur so viel hilft, dass ein langes Patt entsteht. Kisor hätte sich stärker engagieren können und die Kelreci zurückschlagen können. Trotzdem sind die Menschen Kisor unendlich dankbar für die Rettung vor den Barbaren.

Letztlich bezwingt aber Interia und nicht Kisor die Kelreci. Das Imperium mobilisiert eine große Streitmacht und greift deren Heimatplaneten an. Das hätte auch Kisor tun können. Stattdessen rüstet Kisor die Menschheit so weit, dass sie sich – mit Mühe – selbst verteidigen kann. Aber auch Kisor greift gelegentlich aktiv ein. Meistens geschieht das verdeckt. Die Rettung des Spacedomes 2650 war eine solche Geheimoperation. In der solaren Geschichtsschreibung gilt die Rettung als Wunder.

Später treibt die Menschheit die Kolonisierung der umliegenden Systeme immer rücksichtsloser voran. Kisor stellt sich den Menschen entgegen, um die anderen Völker zu schützen. In einem 26 Jahre langen Krieg weist Kisor die Menschen in Schranken. Der Krieg bricht die Macht der expansionistischen Koalition.

Die Menschheit wird aber entgegen den Befürchtungen nicht unterworfen, dezimiert oder gar ausgerottet. Solche Schreckensszenarien dominierten die öffentliche Meinung während des Krieges. Sie erweisen sich aber als unbegründet. Im Gegenteil, nach dem Krieg hilft Kisor beim Wiederaufbau.

Der Kisor-Krieg ist ein gutes Beispiel für die opportunistische Weise in der Kisor seine Pflicht als Regionalzentrum des Imperiums erfüllt. Kisor schützt seinen Sektor vor dem Menschen, die gegen Ende des 27. Jahrhunderts tatsächlich ziemlich rücksichtslos vorgehen. Als Nebeneffekt fallen die Handelsgesellschaften des Solsystems für 50 Jahre als Konkurrenz zu Kisors Gilden aus.

Das Imperium verlangt von seinen Regionalzentren nur Effizienz, keinen Altruismus.

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