Zeitleiste

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2804

Die Jagd auf die riesigen reptilienähnlichen Grillka von Aukkan wird verboten, als man bei ihnen eindeutig Partialintelligenz feststellt.

Vermutungen darüber hatte es schon lang gegeben.

Zehn Jahre vorher wurde in einer von der Frechette Forschungsallianz finanzierten Studie festgestellt, dass die Grillka sehr ausgeprägte partielle Intelligenz vor allem in speziellen Bereichen sozialer Intelligenz besitzen. Diese starke Fokussierung war bisher noch nie beobachtet worden und war der Grund dafür, dass das Bewusstsein der Grillka in früheren Tests nicht entdeckt wurde. Erst eine neue Variante der Subramaniam Korrelationsanalyse zeigte scharfe, eindeutigen Spitzen im Spektrum. Nach der Entdeckung dauerte es sechs Jahre, bis die Grillka als Intelligenzwesen eingestuft wurden und weitere acht Jahre bis eine strenge Durchsetzung des Verbots die Jagd tatsächlich beendete.

2806

Weltraum Müll von Aliens in unserem Sonnensystem.

Wie in vielen Sonnensystemen haben auch im Solsystem manche Besucher ihren Abfall hinterlassen. Die Hinterlassenschaften stammen von verschiedenen Besuchern aus ganz verschiedenen Zeiten. Auch die Zusammensetzung ist sehr unterschiedlich, von rein biologischen Abfällen über typische Abfälle des Raumschiffbetriebs bis zu kompletten Geräten. Vermutlich kann man auch das Kaio-Schiff dazuzählen, denn es wurde offensichtlich ausgeschlachtet und an einen Asteroiden befestigt zurückgelassen.

Der meiste Abfall befindet sich auf solaren Umlaufbahnen. In der Ekliptik sind 13 Objektgruppen bekannt und drei auf Bahnen mit mehr als 10 Grad Neigung, wobei die Entdeckungswahrscheinlichkeit für Objekte kleiner als 1 Meter außerhalb der Ekliptik wesentlich geringer ist. Die Objekte wurden vermutlich einfach ausgeschleust und verblieben auf der aktuellen Trajektorie.

In den meisten engen Solarorbits (bis zur Jupiterbahn) verschwinden kleine Objekte nach wenigen Millionen Jahren durch Kollisionen mit den Planeten, vor allem Jupiter, und durch Sturz in die Sonne nach Ablenkungen durch Planeten. Große Objekte in weiteren Solarorbits oder in planetaren Orbits bleiben länger.

Eine große Gruppe von Objekten mit einer Gesamtmasse von 8.000 Tonnen zum Teil radioaktiven Abfalls ist über die äußeren Saturnringe verteilt. Die Objekte sind etwa 20 Millionen Jahre alt. Simulationen zeigen, dass diese Gruppe als ein Stück lose zusammenhängenden Materials ausgesetzt wurde und sich durch die Gezeitenkräfte inzwischen weit verteilt hat.

Bis auf wenige Ausnahmen können die Relikte nicht bestimmten Völkern oder Vorgängen zugeordnet werden. Ein fünf Millionen Jahre altes kompaktes Paket von Abfällen mit biologischen Komponenten im Asteroidengürtel weist starke Verwandtschaften mit Solberg 86 III auf. Das biologische Codesystem ist identisch mit dem der dortigen Arten, die Organisation des Makrostruktursystems weicht aber deutlich ab. Der Umstand könnte im irdischen, DNA-dominierten Codesystem nur mit einer Parallelentwicklung von 500 Millionen Jahren erklärt werden. Man vermutet deshalb, dass mit dem Solberg Codesystem Bioengineering betrieben wurde und auf das Codesystem eine künstliche Makroordnung aufgesetzt wurde. Eine Technik, von der wir nur träumen können.

Eine historische Rarität ist eine 12.000 Jahre alte Sammlung defekter IT-Baugruppen aus der Frühzeit des Solemischen Reiches. Man weiß aus anderen Quellen, dass Erkunder des Reiches in der Anfangszeit Reisen weit über die damaligen Reichsgrenzen hinaus unternommen haben. Die zeitliche Einordnung bedeutet, dass der Besuch im Sol-System immerhin fast 4000 Jahre vorher geschah, bevor das Reich seine Grenzen in den lokalen Sektor ausdehnte. Einige Elemente haben akustische Hilfefunktionen, die immer noch funktionieren, so dass man heute, 12.000 Jahre später, die Sprache eines Instruktors aus der Anfangszeit des legendären Solemischen Reiches hören kann.

Gut zuordnen kann man auch 80 Tonnen von 14.000 Jahre alten biologischen Abfällen, die als Cluster verteilt über 100 Kubikkilometer die Sonne umkreisen. Die Abfälle stammen eindeutig von einem kisorischen Kreuzer des ersten Imperiums. Der Cluster wird 2806 entdeckt und als kosmischer Misthaufen Kisors bezeichnet; ein gefundenes Fressen für die Boulevardmedien des Sol-Systems bei der damaligen kisorfeindlichen öffentlichen Meinung.

Der sogenannte Weltraum-Müll ist der einfachste Beleg dafür, dass in der Umgebung des Sol-Systems schon seit vielen Millionen Jahren Raumfahrt betrieben wird. Es besteht kein Grund zur Annahme, dass die Verhältnisse in der übrigen Galaxie anders sind. Man kann außerdem davon ausgehen, dass nur ein geringer Bruchteil der Besucher Abfall hinterlässt. Bei den meisten Völkern ist es üblich, Abfall in die Sonne zu entsorgen. Das bedeutet, dass es noch wesentlich mehr Besucher im Sonnensystem gegeben hat. Die Gesamtheit der raumfahrenden Völker besucht alle Systeme viele Male, jedoch jedes Volk nur einen Bruchteil der Systeme. Die meisten Besucher treffen nicht auf eine Zivilisation, da die weitaus meisten Zivilisationen von intelligenten Wesen nur einen geringen Bruchteil der Lebensdauer eines Sonnensystems bestehen.

2808

Erster Kontakt mit den schwebenden Lebensformen des Riesenplaneten Tyr-83 Gamma.

Auf vielen Gasplaneten gibt es fliegende Lebensformen. Aber sehr wenige sind intelligent und mit noch weniger kann man wirklich kommunizieren.

2809

Entdeckung der intelligenten neandertalerähnlichen Wesen auf Folsoms Planet.

Auf einem weit entfernten terrestrischen Planeten werden Wesen entdeckt, die Homo neanderthalensis ähnlich sind. Weitere Untersuchungen ergeben, dass diese Wesen tatsächlich genetisch mit dem Neandertaler der Erde verwandt sind. Eine Erklärung für diese erstaunliche Entdeckung gibt es nicht. Man kann nur vermuten, dass ihre Vorfahren vor 30.000 - 50.000 Jahren von der Erde entführt und dort angesiedelt wurden. Seitdem haben sie sich weiterentwickelt und ohne die Konkurrenz zum Homo sapiens offensichtlich bis heute überlebt.

2811

Entdeckung eines uralten unterirdischen Raumhafens auf Thor.

Die Anlagen befinden sich in einem lang erloschenen Vulkan.

2813

Öffnung der historischen Archive der ausgestorbenen Sehala auf Kofu durch Forscher von Syrak.

Bei der Untersuchung von Ruinen entdecken die Forscher einen Zeitcache. Der Cache ist 120.000 Jahre alt. Er enthält historische Daten aus einer Zeit von vor 130.000 Jahren. Leider gibt es nur Informationen zu einem kurzen Zeitabschnitt. Über 400 Jahre sind die historischen Daten sehr ausführlich. Dann werden sie immer unvollständiger und allgemeiner. Zusätzlich gibt es aber Hinweise auf weitere Zeitcaches, die Daten zu anderen Zeitabschnitten enthalten sollen. Es gibt Koordinaten von zwei anderen Caches. Allerdings sind die Koordinaten nicht einfach zu entschlüsseln. Das Koordinatensystem ist unbekannt. Man weiß anfangs nicht, was die Symbole bedeuten.

Durch einen aufwändigen Vergleich von Kartenabschnitten in den historischen Daten und realen Geländeformationen auf Kofu kann das Koordinatensystem rekonstruiert werden. Auf manchen Karten fehlen Koordinatenangaben, aber man kann sie im Kontext der historischen Ereignisse zuordnen. Dafür müssen die Forscher sich intensiv mit der beschriebenen Geschichte auseinandersetzen. Manchmal sind es nur ein Hinweis in einem untergeordneten Abschnitt, mit dem sich Karten und Koordinaten kombinieren lassen. Dann stellt sich heraus, dass die Koordinaten der anderen Caches relativ zu Orten beschrieben sind, die im Archiv erwähnt werden. Deshalb muss man auch für die Entschlüsselung der Koordinaten wieder aufmerksam alle Daten auswerten.

Der nächste Cache, den man aufspüren kann, ist genauso strukturiert. Er hat wieder etwa 400 Jahre Historie und Koordinaten weiterer Caches, die genauso aufwändig entschlüsselt werden müssen. Mit der Zeit kristallisiert sich heraus, dass das kein Zufall ist. Die Sehala, die den Inhalt des Zeittresors entworfen haben, haben dafür gesorgt, dass man sich intensiv mit ihrer Geschichte auseinandersetzen muss, um den nächsten Cache mit der Fortsetzung ihrer Geschichte zu finden. Es genügt nicht, die Daten zu verarbeiten und zu durchsuchen. Viele Hinweise sind so versteckt, dass man sich in die Lage der Protagonisten hineinversetzen muss. Eine Aufgabe, die für KI und automatische Daten-Miner schwierig ist.

Die Sehala wollten, dass sich andere Wesen mit ihrer Geschichte beschäftigen und nicht nur Automaten. Sie spekulierten darauf, dass zukünftige Historiker viel Zeit investieren würden, um die Rätsel zu lösen und an weitere Caches zu kommen. Sie wollten anscheinend nicht einfach ein riesiges Archiv bereitstellen, das dem Entdecker einfach in die Hände fällt und dann vielleicht nur wieder archiviert wird. Sie wollten wohl, dass sich jemand intensiv mit ihrer Geschichte beschäftigt.

Offensichtlich war die Annahme richtig. Im Lauf der Zeit werden sehr viele Archive aufgespürt und entschlüsselt. Ein Cache führt zum nächsten. Jeder setzt die lange Geschichte der Sehala fort. Alle Caches sind in zwei Richtungen verknüpft, dem nächsten und dem vorherigen. Mit großem Aufwand kann man sich so durch die ganze Geschichte hangeln, egal welchen Cache man als erstes findet. Es ist eine sehr anspruchsvolle Schnitzeljagd für Historiker. Entworfen von den Historikern für ihre späteren Kollegen. Bereitgestellt von einem Volke, das nicht vergessen werden wollte.

Die Gesamtheit der historischen Archive der Sehala ist ein wichtiger Baustein für Historiker, die die Geschichte des lokalen Sektors rekonstruieren wollen.

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