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Entdeckung des Centaurus-Komplexes im Solnet.

Die Studenten E. Harris und S. Nunez entdecken den Centaurus-Komplex. Der Softwarekomplex läuft seit langer Zeit anonym im Solnet und wird beliebt als Ausflugsziel.

Der Centaurus-Simulationskomplex wurde per Zufall im Solnet, dem solaren Informationsverbund entdeckt. Er umfasst eine Datenmenge von 85 PB; 15 PB im Interface, ca. 50 PB im Kern und 20 PB Utilities, darunter mindestens vier verschiedene nicht bewusste KIs. Der Komplex ist größen- und inhaltsstabil. Die mittlere Datenaustauschrate beträgt nur 10 ppB pro Jahr, im Wesentlichen durch Statistik und automatische Optimierungen. Er ist wie viele andere Komplexe delokalisiert mit 60% Aufenthaltswahrscheinlichkeit der Hauptmasse im irdischen Geosyncbackbone. Der Gesamt-IO war in der Vergangenheit vernachlässigbar, steigt in jüngster Zeit aber deutlich an.

Die Hauptfunktion des Komplexes ist die physikalische Simulation eines (für Menschen idyllischen) Kontinents auf Eon im Vocon-Cluster. Die Simulation ist sehr detailliert, so dass der durchschnittliche Benutzer mit einem modernen Rig keine Inkonsistenzen sehen sollte. Der ursprüngliche Zweck scheint eine wissenschaftliche Biosphärensimulation zu sein. Darauf deuten die alten Logs hin. In den Logs erscheinen die Beschreibungen sehr vieler Simulationsläufe und Restarts mit jeweils leicht variierenden Anfangsbedingungen. Deutlich sind Forschungsreihen zu erkennen in denen Wissenschaftler von Vocon den Einfluss von Umwelteffekten auf die Biosphäre untersuchten. Die einzelnen Personen sind heute nicht mehr zu identifizieren. Für genaue Nachforschungen ist der Vocon-Cluster aber auch zu weit entfernt und der Komplex zu alt.

Die im Vergleich zur Funktionsvielfalt und Detailtreue geringe Größe des Centaurus-Komplexes spricht für einen hohen Entwicklungsstand der Informationsverarbeitung. Die Blindleistung des Simulatorkerns wird auf weniger als 30% geschätzt; bei weniger als 5% Transferverlusten. Die Implementierung ist sehr flexibel. Sie läuft im öffentlichen Solnet auf moderner Quantenhardware und sogar – mittels einer eigenen KI – auch im alten Nukleonenarrayverbund, der im Tara Computing History Museum immer noch als Simulation betrieben wird. Untersuchungen verschiedener Kernsysteme zeigen sehr effiziente Algorithmen. Einer der Objectcores wurde sogar in das irdische Wettersystem übernommen. Dies geschah allerdings erst nach Ablauf der Sperrfrist, die den Entdeckern für 20 Jahre die Exklusivrechte zusicherte.

Der Komplex verfügt über keinerlei herausgehobene Ausführungsprivilegien. Er läuft selbständig nur mit einem schmalen Wartungsflow, der sehr wenig Leistung beansprucht. Der Komplex lebte deshalb unauffällig mit Myriaden anderer Low-Priority Prozesse in Solnet und wird über öffentliche Budgets unterhalten. Bei aktiver Benutzung wird der Eingangsbereich semistatisch erzeugt über die persönliche Visualisierung des Benutzers. Interfaces zu Nano-Caves sind verfügbar. Es gibt eine breite Palette von Standardszenen die von den meisten Visualisierungen interpretiert werden können. Im Normalfall wird der Simulatorkern nicht benötigt. Die Standardszenen sind flexibel genug, um individuelle Szenen ohne Vollsimulation zu ermöglichen. Dadurch ist der Zugang sehr günstig. Dies ist ein wesentlicher Grund, dass der Centaurus-Komplex als Ausflugsziel immer beliebter wird. Neben der fast perfekten Darstellung einer bezaubernden Landschaft ist es vor allem der günstige Zugang auch für kurze Runs, der immer mehr Leute anzieht. Obwohl Nano-Visualisierung wegen der Cavezeit nicht so günstig ist, wie 3D, wird auch der Zugang über das Nano-Interface immer häufiger benutzt. Vor allem die Nano-Darstellung überzeugt durch detailreiche aber ressourcenschonende Implementierung. Eine normale 2-Personen Szene im 500er Cave (500 Kubikmeter) degradiert den Cave-Fog nur um ein Prozent pro Stunde.

Wie ein so hochentwickeltes Simulationspaket der Vocon Zivilisation in das Solnet gelangte, ist weiterhin ungeklärt. Nachforschungen haben ergeben, dass es erstmals 2764 in Backups auftaucht. Traces, die über die ersten Transaktionen Aufschluss geben könnten, sind vermutlich bei der Solnet Kompaktifizierung 2824 gelöscht worden. Es konnte keine Eigentumszuordnung gefunden werden, weder im Komplex, noch in Solnet-Beständen. Die einzige externe Zuordnung mit Kontakteigenschaften im Solnet ist intern ungültig. Centaurus ist nach neuesten Erkenntnissen ein TSNH-Fall (This Should Never Happen). Seine Entdeckung löste ein aufwändiges systemweites Remapping referenzieller Gruppenkennungen aus. Der Komplex lebte – und lebt immer noch – unter diversen wechselnden öffentlichen Identitäten, eine durchaus weit verbreitete Vorgehensweise. Vermutungen, dass der Komplex als Tarnung für einen Infiltrationsmechanismus dient, haben sich als haltlos erwiesen. Der Komplex wurde als unbedenklich eingestuft und hat in 150 Jahren öffentlichen Betriebs keine Auffälligkeiten gezeigt.

Der Centaurus-Komplex wurde von zwei Studenten entdeckt, die an einer Studie über Transformationsfluktuationen zweiter Ordnung in Backbone-Flows arbeiteten. Die Studenten, E. T. Harris (hartE) und S. Nunez (ce9kit) griffen nur zufällig Transaktionen von Centaurus heraus. Sie analysierten dann aber die Quelle und verschafften sich schließlich Zugang zum Komplex. Der Wartungszugang war nur schwach gesichert mit einer einfachen Passgeste, die mit Standardtools rekonstruiert werden konnte. Die Geste ähnelt dem Sternbild Centaurus, daher der Name des Komplexes. Nach dem Unclaimed Information Structure Act von 2800 wurde der Komplex nach 3-jähriger einspruchsfreier Offenlegungsfrist den beiden Entdeckern zugesprochen. 2869 wurde er dann öffentliches Eigentum unter Solnet Verwaltung. Die Wartungszugänge wurden geschlossen, um den Komplex vor Missbrauch zu schützen. Das Besuchertor bleibt weiterhin geöffnet.

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Plünderung von Artus durch Neobarbaren mit Schiffen aus den Beständen aufgegebener interianischer Stützpunkte.

Als Neobarbaren werden Gesellschaften und Völker (Aliens, korrekt: extrasolare Biosophonten) mit anderen Moralsystemen bezeichnet, wenn sich ihre Handlungenweise fatal auf etablierte Zivilisationen auswirken, insbesondere dann, wenn sie dafür fremde Technologie benutzen. Viele dieser Völker hätten wohl nicht von selbst so hochstehende Technik entwickelt, dass sie zu einer Gefahr für ihre interstellaren Nachbarn werden könnten.

Der Begriff "Barbaren" gibt allerdings bei weitem nicht die Vielfalt des Problems wieder. Unabhängige evolutionäre und gesellschaftliche Entwicklungen haben sehr viele unterschiedliche Denkweisen hervorgebracht. Manche wirken in unseren Augen "rücksichtslos", aus ihrer Sicht sind sie "logisch". Was uns "unlogisch" erscheint, kann für sie "ehrenvoll" sein. Das sind Konzepte, die wie verstehen können. Es gibt aber auch Völker mit Handlungsweisen und Moralsystemen, die so verschieden von unseren sind, dass sich ihre Motive nicht in unsere Kategorien einordnen lassen.

Manchmal sind nur einzelne Gruppen eines Volkes problematisch, manchmal das ganze Volk. Auch bei Menschen gibt es schwarze Schafe, z.B. Piraten oder Soziopathen. Wenn sich andere Völker so verhalten, ist oft nicht klar, ob der Grund in einer anderen Entwicklungsgeschichte liegt oder in einer anderen Biologie, oder ob das Volk nach unseren Begriffen im Wesentlichen "anständig" ist und man es mit einzelnen Ausreißern zu tun hat.

Neobarbaren nagen schon immer an den Grenzen interstellarer Gesellschaften, indem sie die schwachen Machtstrukturen an den tiefen Grenzen interstellarer Domänen ausnutzen. Sie stellen kein großes Problem dar, solange ein Raum unter der Kontrolle einer starken interstellaren Macht steht. Im Gegenteil: wenn Neobarbaren in der interstellaren Nähe entwickelter Zivilisationen auftreten, dann werden sie relativ schnell in die Gesellschaft eingefügt oder in Schranken verwiesen. Nur dann, wenn keine Großmacht dominiert, bedeuten Neobarbaren ein echtes Problem.

Besonders in der Nachfolge des Interianischen Reiches treten viele relativ gut ausgestattete Neobarbarenvölker auf. In den Randbereichen Interias wird diese Entwicklung durch zwei Faktoren begünstigt:

- In der Endphase des Imperiums stehen aus gesellschaftlichen Gründen nur sehr wenige raumflugfähige Individuen zur Verfügung. Interia hat deshalb die durchschnittliche Mannschaftsstärke stark reduziert. Die Raumschiffe, vor allem die kämpfenden Einheiten, sind weitgehend automatisiert und selbstwartend. Fast alle verfügen über eine KI, die einfache Steuerung durch natürliche Sprache ermöglicht, wenn auch die interianische Sprache dafür erlernt werden muss, da die KIs meistens als Minimalschutz keine Übersetzerausgaben akzeptieren. Die Einheiten können relativ leicht auch ohne technische Kenntnisse übernommen und bedient werden.

- Es war von Beginn an interianische Politik gewesen, nicht interstellarflugfähige Völker und Gesellschaften aufzuspüren und in ihr Imperium einzugliedern. Während des Niedergangs wurde die Unterstützung neu kontaktierter Völker immer schwächer verfolgt. Deshalb waren beim Rückzug des Imperiums viele primitive Gesellschaften kontaktiert, aber nicht nachhaltig in die interstellare Gesellschaft integriert. Viele dieser Völker ergreifen die Gelegenheit, sich interianische Ausrüstung anzueignen. In den meisten Fällen wird Gerät ohne Wissen und Einwilligung Interias übernommen. Fremde Völker kapern Transporter und Kriegsschiffe oder räumen sogar mit eigenen Interplanetarschiffen interianische Depots aus. Viele Depots waren auch gerade in der Nachbarschaft von potentiellen Hilfsvölkern angelegt und werden von diesen nach kurzer Dienstzeit als Söldner komplett übernommen, als die Zentralmacht plötzlich implodiert.

So kommt es, dass hochentwickelte Ausrüstung in die Hände von Völkern oder Individuen fällt, die mit der Machtfülle nicht so verantwortungsvoll umgehen, wie sich entwickelte Gesellschaften dies wünschen würden.

Die Kisor-Zwillinge, einst das Regionalzentrum des Interianischen Imperiums, ist nicht mehr in der Lage den Raumsektor zu schützen. Kisor leidet nach einem systeminternen Umsturz unter dem Verlust des Gildesystems, schweren Wirtschaftsproblemen und inneren Konflikten. Dazu kommen nationalistische Tendenzen, mit denen Kisor die Verantwortung für den Sektor abstreift.

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