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Plünderung von Artus durch Neobarbaren mit Schiffen aus den Beständen aufgegebener interianischer Stützpunkte.

Als Neobarbaren werden Gesellschaften und Völker (Aliens, korrekt: extrasolare Biosophonten) mit anderen Moralsystemen bezeichnet, wenn sich ihre Handlungenweise fatal auf etablierte Zivilisationen auswirken, insbesondere dann, wenn sie dafür fremde Technologie benutzen. Viele dieser Völker hätten wohl nicht von selbst so hochstehende Technik entwickelt, dass sie zu einer Gefahr für ihre interstellaren Nachbarn werden könnten.

Der Begriff "Barbaren" gibt allerdings bei weitem nicht die Vielfalt des Problems wieder. Unabhängige evolutionäre und gesellschaftliche Entwicklungen haben sehr viele unterschiedliche Denkweisen hervorgebracht. Manche wirken in unseren Augen "rücksichtslos", aus ihrer Sicht sind sie "logisch". Was uns "unlogisch" erscheint, kann für sie "ehrenvoll" sein. Das sind Konzepte, die wie verstehen können. Es gibt aber auch Völker mit Handlungsweisen und Moralsystemen, die so verschieden von unseren sind, dass sich ihre Motive nicht in unsere Kategorien einordnen lassen.

Manchmal sind nur einzelne Gruppen eines Volkes problematisch, manchmal das ganze Volk. Auch bei Menschen gibt es schwarze Schafe, z.B. Piraten oder Soziopathen. Wenn sich andere Völker so verhalten, ist oft nicht klar, ob der Grund in einer anderen Entwicklungsgeschichte liegt oder in einer anderen Biologie, oder ob das Volk nach unseren Begriffen im Wesentlichen "anständig" ist und man es mit einzelnen Ausreißern zu tun hat.

Neobarbaren nagen schon immer an den Grenzen interstellarer Gesellschaften, indem sie die schwachen Machtstrukturen an den tiefen Grenzen interstellarer Domänen ausnutzen. Sie stellen kein großes Problem dar, solange ein Raum unter der Kontrolle einer starken interstellaren Macht steht. Im Gegenteil: wenn Neobarbaren in der interstellaren Nähe entwickelter Zivilisationen auftreten, dann werden sie relativ schnell in die Gesellschaft eingefügt oder in Schranken verwiesen. Nur dann, wenn keine Großmacht dominiert, bedeuten Neobarbaren ein echtes Problem.

Besonders in der Nachfolge des Interianischen Reiches treten viele relativ gut ausgestattete Neobarbarenvölker auf. In den Randbereichen Interias wird diese Entwicklung durch zwei Faktoren begünstigt:

- In der Endphase des Imperiums stehen aus gesellschaftlichen Gründen nur sehr wenige raumflugfähige Individuen zur Verfügung. Interia hat deshalb die durchschnittliche Mannschaftsstärke stark reduziert. Die Raumschiffe, vor allem die kämpfenden Einheiten, sind weitgehend automatisiert und selbstwartend. Fast alle verfügen über eine KI, die einfache Steuerung durch natürliche Sprache ermöglicht, wenn auch die interianische Sprache dafür erlernt werden muss, da die KIs meistens als Minimalschutz keine Übersetzerausgaben akzeptieren. Die Einheiten können relativ leicht auch ohne technische Kenntnisse übernommen und bedient werden.

- Es war von Beginn an interianische Politik gewesen, nicht interstellarflugfähige Völker und Gesellschaften aufzuspüren und in ihr Imperium einzugliedern. Während des Niedergangs wurde die Unterstützung neu kontaktierter Völker immer schwächer verfolgt. Deshalb waren beim Rückzug des Imperiums viele primitive Gesellschaften kontaktiert, aber nicht nachhaltig in die interstellare Gesellschaft integriert. Viele dieser Völker ergreifen die Gelegenheit, sich interianische Ausrüstung anzueignen. In den meisten Fällen wird Gerät ohne Wissen und Einwilligung Interias übernommen. Fremde Völker kapern Transporter und Kriegsschiffe oder räumen sogar mit eigenen Interplanetarschiffen interianische Depots aus. Viele Depots waren auch gerade in der Nachbarschaft von potentiellen Hilfsvölkern angelegt und werden von diesen nach kurzer Dienstzeit als Söldner komplett übernommen, als die Zentralmacht plötzlich implodiert.

So kommt es, dass hochentwickelte Ausrüstung in die Hände von Völkern oder Individuen fällt, die mit der Machtfülle nicht so verantwortungsvoll umgehen, wie sich entwickelte Gesellschaften dies wünschen würden.

Die Kisor-Zwillinge, einst das Regionalzentrum des Interianischen Imperiums, ist nicht mehr in der Lage den Raumsektor zu schützen. Kisor leidet nach einem systeminternen Umsturz unter dem Verlust des Gildesystems, schweren Wirtschaftsproblemen und inneren Konflikten. Dazu kommen nationalistische Tendenzen, mit denen Kisor die Verantwortung für den Sektor abstreift.

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Kisor tritt dem kisorischen Völkerbund bei.

Der Völkerbund ist eine Organisation zum gegenseitigen Beistand. Er wurde gegründet von mehreren alten kisorischen Siedlungen im Randbereich der alten Interia-Domäne. Während der Gildezeit betrachteten weder Kisor noch diese Völker selbst sich als kisorische Kolonien. Diese Einstellung änderte sich parallel zum Aufstieg des kisorischen Nationalismus. Viele Mitglieder des Völkerbunds verstanden sich als Kisori und als Teil der alten kisorischen Zivilisation. Mit dem Beitritt des Kisor Systems übernimmt Kisor faktisch die Führung des Bündnisses.

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Einsatz von Söldnern zum Schutz von Geleitzügen aus dem Solsystem.

Die Geleitzüge starten an den Raumterminals Nord, nördlich der Ekliptik, und Neptun. Für Söldner werden später permanente Stützpunkte eingerichtet. Rekrutiert werden vor allem Privateers aus Hochkulturen und deren Kolonien, später aus Kostengründen aber auch Mannschaften von primitiven Planeten, denen die Schiffe gestellt werden.

Der Fernhandel ist auch dadurch betroffen, dass immer wieder Handelspartner überfallen werden, unter fremde Herrschaft geraten oder Wirtschaftskrisen erleiden.

Das Währungssystem bricht zusammen. Die Börsen auf Erde, Cobol, Sterge, Lishi und anderen Menschenplaneten erleiden schwere Verluste von bis zu 95% innerhalb von zehn Jahren. Anderen Volkswirtschaften der Umgebung, wie Kisor und Yaris, geht es nicht besser.

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Befestigung des Sol-Systems.

Nach Überfällen von Neobarbaren in der interstellaren Nachbarschaft beginnen die Fraktionen des Solsystems, eine Systemverteidigung aufzubauen. Das ist eine gewaltige und teure Aufgabe. Die alten Tiefraumsperren müssen neu arrangiert werden, um Hochgeschwindigkeitsanflüge mit Raumkrümmern zu unterbinden. Teratonnen Material wird in solaren Orbits auf Höhe der Asteroiden verschoben. Auch oberhalb und unterhalb der Ekliptik werden Masseansammlungen in exzentrische Orbits gebracht, um das äußere Verteidigungsellipsoid zu bilden. Als Schutz gegen kinetische Angriffe mit relativistischen Waffen wird der Relativistikschild wieder in Betrieb genommen. Überall im Sonnensystem werden Schildkomponenten aktiviert und neu konfiguriert. Viele der Sensoren und Konverterkanonen müssen ersetzt und neu munitioniert werden. Zusätzlich wird das ganze System mit Langstreckenraketen vermint.

Gleichzeitig startet die sogenannte Goodwill-Kampagne.

Mit der Kampagne sollen Neobarbaren zivilisiert werden. Die Kampagne wird mit großem Aufwand vorangetrieben und fast vom gesamten Solsystem mitgetragen. Die Erfolge sind allerdings begrenzt. Andere Völker und Machtbereiche folgen dem Beispiel nicht wie vorgesehen. So bleibt der Umfang der Bemühungen insgesamt zu gering im Vergleich zur Dimension des Problems.

Die Kampagne hat trotzdem positive Auswirkungen. Wie spätere Forschungen zeigen, brechen die Leccianer ihren ersten Angriff auf Cobol deshalb ab, weil der Kommandant im Rahmen der Goodwill-Kampagne einige Menschen kennen und schätzen gelernt hatte. Dies gibt Cobol zwei Jahre Zeit, eine Verteidigung aufzubauen mit der das Cobol-System die folgenden Wellen gut übersteht. Damit ist die Goodwill-Kampagne ein wichtiger Wegbereiter für den späteren Aufstieg Cobols.

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