Galaktische Zivilisationen
Zum Fermi Paradoxon oder
warum es keine geschlossene galaktische Zivilisation gibt
Wir wissen nicht, warum sich die galaktische Zivilisation auch nach einer Millionen Jahre alten Geschichte immer noch so fragmentiert darstellt, wie wir dies beobachten. Fast alle Völker expandieren in ihrer aktiven Phase sehr schnell und später gemächlicher. Viele Völker geben Technologie an andere weiter. Dies geschieht absichtlich oder unabsichtlich. Es gibt eine ganze Reihe von Völkern, die auf eine sehr lange (interstellare) Geschichte zurückblicken, bis zu mehreren 10.000 Jahren. Man könnte annehmen, dass sich durch diese Prozesse im Lauf der Zeit in der Galaxie oder sogar darüber hinaus eine dichte, einheitliche und sehr fortschrittliche Zivilisation herausbilden sollte. Anscheinend ist dies aber nicht der Fall.
Trotzdem der beständigen Expansion vieler Völker ist bei weitem noch nicht die gesamte Galaxie besiedelt. Zwischen den bewohnten Welten existieren immer noch viele spärlich oder überhaupt nicht bewohnte Planeten. Anscheinend werden im zeitlichen Mittel genauso viele Siedlungen wieder aufgegeben, wie angelegt. Die meisten Völker, die interstellar expandieren, kolonisieren eine ganze Reihe von Sonnensystemen in der jeweiligen näheren Umgebung. Dies geschieht in einem relativ kurzen Zeitraum von wenigen hundert Jahren. Danach findet nur noch langsam Neubesiedlung statt. Im weiteren Verlauf scheint die Rate der Siedlungsaufgaben die Rate der Neugründungen zu übersteigen.
Da im bekannten Bereich ständig technisch-wissenschaftliche Fortschritte gemacht werden, sollte der Technologielevel nach einiger Zeit einen sehr hohen Stand erreichen. Dazu kommen interstellarer Handel und Kommunikation. Trotz der technologischen Interaktion und ständiger technischer Weiterentwicklung scheint der mittlere technologische Level aber gemessen über grosse Raumvolumina konstant zu bleiben. Das Wissen über wissenschaftliche und technische Errungenschaften bleibt lokal begrenzt und geht offensichtlich auch regelmässig lokal wieder verloren. Man kann Technologiewellen erkennen anhand einzelner Technologien, die sich über einige Jahrhunderte oder Jahrtausende und wenige tausend Lichtjahre ausbreiten. Man hat aber auch Beispiele gefunden, dass gewisse Hochtechnologien sogar am Ursprungsort wieder verloren gehen, während sie an anderer Stelle noch genuzt werden.
Über die Gründe für diesen quasi-statischen Zustand wird viel geforscht und spekuliert. Verschiedene Völker, verschiedene Weltanschauungen und Forschungsansätze kommen zu ganz unterschiedlichen Erklärungen. Neben Verschwörungstheorien, die Elder Zivilisations der aktiven Unterdrückung bezichtigen, gibt es vor allem ökonomische Erklärungen für das Verschwinden von Technologien. Vor allem der Umgang mit hochentwickelten Techniken des Feldengineerings und Dimensionstechniken scheint so aufwändig im Unterhalt zu sein, dass kleine Störungen der zivilisatorischen Leistungsfähigkeit die Technologie versperren können. Simulationen zeigen, dass eine Modellzivilisation im Abstand von einigen Jahrtausenden regelmässig Krisen zu bewältigen hat, die einen technologischen Rückschritt bewirken, wenn die Leistungsfähigkeit einer Zivilisation unter das Supportlimit der jeweiligen Technologie fällt. Die interstellare Kopplung ist nicht gross genug, um diesen Verlust auszugleichen. So geht Technologie regelmässig wieder verloren und wird lokal neu entdeckt.
Neben den ökonomischen Ansätzen gibt es auch ökologische Theorien. Man vergleicht interstellare Zivilisationen mit Individuen in einer planetaren Ökologie. Verwandte Zivilisationsgruppen, ähnlich den biologischen Spezies und belegen ökologische Nischen. Sie entstehen und verschwinden, bzw. transformieren mit sehr langsamen Trends der Lebensgrundlagen auf galaktischer Skala. So wie Leben auf Planeten oft sehr schnell entsteht, gibt es schon früh und sehr lange in der galaktischen Geschichte Zivilisationen. Zivilisationsarten und -gattungen entstehen und vergehen für eine lange Zeit bis schliesslich ein Übergang stattfindet, der äquivalent ist zur Entwicklung von Intelligenz im biologischen Analogon.
Das Universum bestand für viele Milliarden Jahr aus unbelebter Materie. Sobald die Bedingungen reif waren, entstand an vielen Orten fast gleichzeitig Leben. Es vergingen weitere Milliarden Jahre in denen das Leben sich zu komplexen Formen entwickelte und schliesslich entstanden unabhängig voneinander viele Lebensformen mit Selbsterkenntnis und Intelligenz. Vermutlich werden intelligente Lebensformen und deren Zivilisationen lange Zeit dominieren, bis die Bedingungen für eine nächste Stufe der Organisation im Universum vorhanden sind.
Wir wissen nicht, ob diese Folgerungen stimmen und haben keine Vorstellung, wie die nächste Stufe aussehen kann. Aber wenn die Analogie zutrifft, dann ist dies nicht verwunderlich, denn es erscheint abwegig, dass sich nicht intelligente Tiere, wie Hunde, Katzen oder Affen, den Zustand der Intelligenz und einer planetare technische Zivilisation vorgestellt hätten, bevor sich mit dem Menschen die Intelligenz entwickelt hat. Die Analogie sagt uns, dass wir heute solch einen Übergang und den Zustand danach nicht verstehen können. Genauso, wie ein Hund nicht die Mittel hat, um über Intelligenz zu spekulieren, fehlen uns die Mittel, um über den nächsten qualitativen Organisationsschritt nachzudenken.
Der Verdacht, dass weiter fortgeschrittenen Zivilisationen innerhalb unserer Galaxie nicht unbeteiligt an der Erhaltung des Status quo sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Es gibt verschiedene Hinweise auf deutlich fortgeschrittenere Völker und höhere Bewustseinsformen, wie Lem oder die Crab-Nebel Zivilisation. Vor allem der Besuch des Contour Systemfahrzeugs bei Cobol ist ein eindeutiger Beweis, dass es neben den uns bekannten Zivilisationsformen noch andere, weiter entwickelte, sogenannte Elder Civilizations gibt, deren Lebensräume sich vermutlich mit unseren überdecken ohne, dass wir es merken.
Die Elder Civilizations hätten sehr wohl die Möglichkeit, das technologische Niveau dauerhaft und flächendeckend anzuheben. Sie tun dies aber offensichtlich nicht. Die Contour haben sogar durch eine subtile Steuerung des Informationsflusses verhindert, dass ihr Besuch Auswirkungen auf unsere Zivilisation hat. Ob die Elder Civilizations aber auch aktiv eingreifen um Entwicklungen zu verhindern oder Rückgängig zu machen ist nicht bekannt. Wenn sie dies tun, dann so gut verdeckt, dass nicht einmal Hinweise auf dieses Wirken bekannt werden.

