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2750 Veröffentlichung des interaktiven VR-Dramas "Executive Decision".

In der letzten Phase des Kisor Krieges gerät das Sol System um 2721 in die Defensive. Die am Krieg beteiligten Gilden belagern das Sol System. Die Tika-Gilde, die für die psychologische Kriegsführung verantwortlich ist, missbraucht das Kriegsabkommen, um im Spacedome eine dramatische Situation zu herbeizuführen in der sich 150.000 menschliche Zivilisten mit primitiven Mitteln gegen kisorische Nanokomplexe verteidigen müssen. Die besonderen Bedingungen des Kriegsabkommens führen dazu, dass die verzweifelte Lage der Menschen im Spacedome systemweit live in allen Einzelheiten ausgestrahlt wird. Die solare Menschheit kann den im Spacedome eingeschlossenen Flüchtlingen nicht helfen. Die Tika-Gilde versucht so die Moral der Menschen zu brechen, um die Menschheit zur Aufgabe zu bewegen. Letztlich geht der Plan nicht auf. Die Menschheit muss doch militärisch niedergerungen werden.

Die spektakuläre Rettung der Überlebenden des Spacedoms durch die Solare Befreiungsfront und der moralische Konflikt auf beiden Seiten bilden den Hintergrund des VR-Dramas "Executive Decision" von Marktorf Filmkraft Produkktion. Die Handlung des Dramas ist eine Reproduktion der Rettungsmission von 2727 mit vielen spielbaren Enden, die abhängig von den Entscheidungen des Spielers ausgewählt werden.

Die kleine Rettungsflotte der Solaren Befreiungsfront (SLF) kämpft sich durch die kisorischen Wachschiffe. Der finale Schlagabtausch findet sehr nahe am Spacedom statt, da die Kisori die Struktur als Ortungsdeckung nutzen. Unglücklicherweise detonieren die Sprengköpfe von Anti-Schiff Röntgenlasern der SLF beim Polaris-Bogen des Spacedoms. Der Polarisbogen wird komplett zerstört. Im angrenzenden Spica-Abschnitt verlieren 7145 Menschen ihr Leben. Die SLF kann mit Bodentruppen landen und 23.647 Überlebende retten.

Später, nach dem Krieg wird immer wieder diskutiert, ob die Entscheidung von Kapitän Mauro Toselli von der "Washington" (nach dem Staat Washington, dem Ort der Entscheidungsschlacht im 2. amerikanischen Bürgerkrieg 2259), auf die kisorischen Fregatten hinter dem Polarisbogen zu feuern, richtig war.

Die taktische Situation der angreifenden SLF war zu dieser Zeit verzweifelt. Der schwere Kreuzer "Francis Marion" war bewegungsunfähig geschossen worden und driftete weg. Mit ihm schwand der Raketenabwehrschild des verbliebenen SLF-Verbands. Es war abzusehen, dass die Raketenabwehr der übrigen Einheiten binnen kurzer Zeit den Angriffen der kisorischen Verteidiger unterliegen würde. Damit wäre die Befreiungsaktion gescheitert und es würde vermutlich keine weitere mehr geben. Die verbliebenen Bewohner des Spacedoms wären sich selbst überlassen und hätten den Krieg vermutlich nicht überlebt.

Der gewagte Schuss von Toselli nutzte die einmalige Gelegenheit, zwei Verteidiger auf einen Schlag auszuschalten um das Blatt doch noch zu wenden. Die Fregatten waren ungewöhnlich nahe beieinander, so dass beide gleichzeitig durch die letzten verbliebenen Anti-Schiff-Torpedos der SLF ausgeschaltet werden konnten. Toselli wusste aus den Liveübertragungen, dass der Polarisbogen schon vor einiger Zeit evakuiert worden war. Viel mehr war über den Aufenthaltsort der Bewohner nicht bekannt, da die Menschen ständig auf der Flucht waren. Aber es war auf jeden Fall mit Verlusten zu rechnen. Toselli stand also vor der Entscheidung, alle verbliebenen Bewohner aufzugeben oder – unter Inkaufnahme von Verlusten – doch noch viele zu retten. Vielleicht hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben. Aber Toselli hatte nur zehn Sekunden Zeit, um die Situation zu beurteilen und zu handeln.

Wir wissen, wie seine Entscheidung ausfiel. Wir wissen heute, dass sie 7145 Menschen das Leben kostete. Das waren viel mehr Opfer, als das SLF-Kommando erwartet hatte. Aber weniger, als die Kisori annahmen. Die Kisori nutzten den Polarisbogen als Deckung weil sie glaubten, dass die SLF nicht auf die großen Wohnbereiche des Polarisbogens schießen würde. Kisori verfolgten das Drama der Live-Feeds nicht so genau wie die Menschen. Ihnen war entgangen, dass der Polarisbogen zu dieser Zeit nicht mehr bewohnt war. Sonst hätten sie vermutlich nicht dort Deckung gesucht.

Wir wissen aber auch, dass durch Tosellis entschlossenes Handeln mehr als 23.000 Menschen gerettet wurden. Und wir wissen, dass dies tatsächlich die letzte mögliche Befreiungsaktion war. Keine andere Gruppierung im Asteroidengürtel hätte sie retten können. Die Menschen hätten die nächsten vier Jahre bis zum Ende des Krieges im Spacedom nicht überlebt.

Kapitän Toselli wird nach Kriegsende von Angehörigen der Opfer verklagt, mit dem Vorwurf, dass er als Kommandeur einer Miliz einen Massenmord begangen habe. Die Klage wird abgewiesen, mit der Begründung, dass die SLF durch eine informelle Sicherheitspartnerschaft mit den Koalitionstruppen dem Militär zuzurechnen sei. Die Opfer sind damit Kollateralschäden von Kriegshandlungen und keine Mordopfer. Durch diese Entscheidung wird das Militär zuständig. Kapitän Toselli muss sich vor einem Kriegsgericht verantworten und wird schließlich freigesprochen.

Noch viel später wird bekannt, dass das kisorische Oberkommando die Spacedom-Aktivität schon mit dem Beginn der Bodenoffensive auf der Erde beenden wollte. Die Menschen im Spacedom hätten also nur 15 Monate und nicht vier Jahre aushalten müssen. Die Beurteilung, wie viele der verbliebenen Menschen so lang überlebt hätten, bleibt jedem selbst überlassen.

Die Situation um den Spacedom ist die Vorlage für das interaktive VR-Drama "Executive Decision" mit Maurizio Magris und Sren Tot Plok. Ein bemerkenswertes Feature des Stückes ist, dass man nicht nur die Personen auf der Brücke der "Washington" spielen kann, sondern auch kisorische Entscheidungsträger mit einer sehr genauen Betrachtung der moralischen Aspekte auf kisorischer Seite.

Es ist geschichtlich erwiesen, dass der kommandierende Offizier einer der kisorischen Fregatten, Trash Prek Nuang, gespielt von Sren Tot Plok, ein Fan der Spacedom-Feeds war und diese sehr genau verfolgte. Er musste über die Räumung des Polarisbogens Bescheid wissen und deshalb mit einem Angriff der SLF rechnen.

Nach einer interaktiven Variante des Drehbuchs versucht Prek den Kommandeur der anderen Fregatte zu überzeugen, den Ortungsschatten des Polarisbogens zu verlassen und damit sowohl sein Kommando als auch die Menschen im Spica-Abschnitt zu retten. Der andere Kommandeur folgt aber strikt seinen Befehlen. Er ist der Vorgesetzte von Prek und Befehlshaber der kisorischen Flotille. Sippeninterne Politik spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der moralische Konflikt Preks. Durch sein Wissen über die Abläufe im Spacedom ist Prek zerrissen zwischen Loyalität zur Gilde und der Schuld als Teil der Wachflotte für die grausamen Szenen im Spacedom mitverantwortlich zu sein.

Ein häufiges Ende besteht darin, dass der interaktive Prek-Spieler sein Wissen über den Polarisbogen zurückhält. Durch den Aufruf alter Sippenverpflichtungen hätte er seinen vorgesetzten Offizier sogar zwingen können, ihm zu folgen und den Ortungsschatten zu verlassen. Aber er tut es nicht. Prek akzeptiert die Vernichtung der beiden Fregatten und seinen eigenen Tod als Wiedergutmachung der Schuld, die die Tika-Gilde durch die Spacedom-Affäre auf sich geladen hatte.

Er ermöglicht damit die Rettung der 23.000 Überlebenden und verurteilt gleichzeitig über 7.000 menschliche Zivilisten zum Tode. Darunter sind einige, die Prek durch die Feeds kennen und schätzen gelernt hatte und deren Leben er in den letzten Jahren aus der Ferne begleitete.

Obwohl der historische Prek von der Evakuierung des Polaris-Bogens wusste, wurde die kisorische Wachflotte besiegt und die Rettungsaktion gelang. Das bedeutet, dass Prek wissentlich die beiden kisorischen Fregatten und die Menschen im Spica-Abschnitt opferte. Wir wissen, wie er sich entschied, aber seine wahren Motive werden wir nie erfahren. Die Interpretation der Ereignisse überlässt das VR-Drama dem Spieler.

"Executive Decision" bekommt auf Kisor hohe Auszeichnungen.

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