Annahmen

Es gibt fremde Völker (aka. Aliens). Die haben nicht nur Noppen auf der Nase, sondern sind anders anders.

Menschen sind nicht besser oder schlechter als andere Völker.

Die meisten raumfahrenden Völker sind schon länger dabei als die Menschen. Technologisch sind die Menschen anfangs eher rückständig.

Technik ist kompliziert, vor allem in der Zukunft.

Menschen und andere Völker sind nicht homogen. Auch Alien-Völker sind so vielfältig wie die Menschheit.

Nur ein Teil der Milchstraße ist bekannt, aber immerhin ein Teil.

Hard Science Fiction: nur mögliche (oder nicht unmögliche) Wissenschaft.

Ausnahme: Reisen (scheinbar) schneller als das Licht, erklärt mit einer - nicht auf den ersten Blick unwissenschaftlichen - Idee.

Ansonsten gibt es: bewusste und unbewusste KI, Nano, Genmods, Cyborgs, Mechs, Implantate, IQ-Upgrades, Assoziationsbooster, VR, Metamaterialien, Autofabs, Mikrobots-Schwärme, Upload, pB11-Fusion, Antimaterie, Railguns, metallischen Wasserstoff, Zylinderhabitate...

Und einiges, was man noch nicht so oft woanders gesehen hat, z.B.: Pelletsturm-Schilde, Gluonen-Kapazitoren, Materieströme, Ultrametalle, Molekularstrahldrucker, Feldanzüge, offene Bereiche, Fraktal-Fusion, anorganische Viren (natürliche Naniten)...

Vielfalt

Wir leben in einer lebendigen Galaxis und wir sind nicht allein. Im Gegenteil. Es ist ganz schön was los.

Es gibt viele Völker und die meisten sind schon länger dabei als die Menschen. Die Menschen von der Erde sind nicht besser und nicht schlechter als viele andere Völker. Was die Menschen zeitweise heraushebt ist, dass sie in einer aktiven Phase sind. Das geht den meisten Völkern so, legt sich aber nach einiger Zeit.

Fremdartigkeit

Die anderen Völker sind zwar fremdartig in Anatomie, Biologie und Mentalität. Aber wir nehmen an, dass die meisten sich irgendwie logisch verhalten. Sollte es andere Logik geben, dann muss sie begründet und erklärbar sein. Einfach nur "anders" reicht nicht als Erklärung. Es gibt vermutlich soziologische, und biologische Ursachen für andere Verhaltensmuster.

Es gibt unterschiedliche Körperchemie, verwandte Körperchemie mit Inkompatibilität und wir schließen auch eine kompatible Chemie nicht aus. Das Universum ist voller Überraschungen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Leben zwischen Sonnensystemen übertragen wird und damit kompatibel ist.

Inkompatible Nahrung oder Lebensverhältnisse mögen für den Reisenden unangenehm sein. Sie sind aber für den Ablauf der Geschichte nicht bestimmend. Sie erfordern nur größeren logistischen Aufwand und können im Einzelfall dann zum Thema werden, wenn die Logistik versagt. Das gleiche gilt für Krankheiten. Inkompatible Biologie begünstigt manchmal oder verhindert manchmal die Übertragung von Infektionen. Das bleibt dem Einzelfall überlassen. Es gibt für beide Varianten Vorbilder auf der Erde.

Inkompatible Chemie und Lebensverhältnisse können Koexistenz bzw. Interessenkonflikte verhindern oder begünstigen. Sie schränken die Auswahl an sinnvollen Handelspartnern und Grundstücken (Planeten) ein. Andererseits sorgen sie für eine vielschichtige Zivilisation, indem mehrere Fraktionen - lose gekoppelt durch nur teilweise überlappende Interessen - die gleichen Räume bewohnen.

Die Sonne in der Milchstraße

Die Milchstraße ist nach Andromeda die zweitgrößte Galaxie der lokalen Gruppe nach Abmessungen und die größte nach Masse mit ca. 200 Milliarden Sternen. Die Milchstraße ist eine Spiralgalaxie mit einem stark elliptischen Kern (oder einem Balken, die Grenzen sind fließend), der vorwiegend aus alten Population II Sternen besteht. Die Milchstraße hat eine Scheibe aus mehreren Armen, die spiralförmig vom Kern nach außen verlaufen. Die Arme werden vor allem von Sternen der Population I bevölkert, einer Mischung aus jungen und alten Sternen, in denen ein wesentlicher Teil des Materials der ersten Stern-Generationen aufgegangen ist.

Unsere Sonne liegt ca. 26.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt auf der Innenseite des Orion Arms. Der weiter innen liegende Sagittarius Arm ist ca. 6000 Lj entfernt. Zwischen den beiden Armen ist die Sterndichte geringer als in den Armen. Trotzdem ist auch der Zwischenraum nicht leer. Er ist angefüllt mit schwächer leuchtenden, weniger massiven roten Sternen und Ausläufern der beiden angrenzenden Arme. Eigentlich ist die Galaxie eine Scheibe aus Sternen und Staub/Gas. Die Spiralarmen sieht man nur weil dort die jüngeren helleren Sterne sind, nicht weil die Zwischenräume leer wären. Die galaktische Scheibe ist 1000 bis 1500 Lj dick, hat aber Sternenpopulation bis zu 1500 Lj über der galaktischen Ebene. Sol liegt momentan annähernd in der Mitte, nur 70 Lj über der galaktischen Hauptebene.

Ebenfalls nahe der Hauptebene liegen viele junge heiße Sterne der Klassen O und B. Bis in 1000 Lj Entfernung von der Hauptebene sammeln sich viele junge metallreiche Sterne, die durch den Reichtum an schweren Elementen gut ausgebildete Planetensysteme haben, aber selbst noch kein höheres Leben entwickelt haben. Die meisten Sterne sind wie Sol mehrere Milliarden Jahre alt. Sie liegen innerhalb von 2000 Lj von der galaktischen Ebene. Sie enthalten ähnlich viele schwere Elemente, wie unser Sonnensystem und weisen deshalb auch oft ähnliche Planetenkonfigurationen auf, wobei ähnlich relativ ist. Das heißt nur, dass sie auch Asteroiden haben, Merkur/Mars-artige Planeten, Venus/Erde-ähnliche, Supererden, Eisriesen, heiße und kalte Gasriesen. Die Planetenbildung wird von vielen Faktoren beeinflusst, z.B. der Nähe zu massereichen sehr hellen Sternen und am Ende kommen oft ganz unterschiedliche Systeme heraus. In den äußeren Bereichen der Scheibe liegen besonders viele alte Sterne, deren Planetensysteme oft aus weniger schweren Elementen bestehen und in denen man deshalb vor allem Gasgiganten und vergleichsweise weniger erdähnliche Planeten findet.

In der näheren Umgebung gibt es einige Sterne auf ähnlichen galaktischen Orbits, wie Sol. Solche Sterngruppen bewegen sich gemeinsam um das galaktische Zentrum, werden dabei aber von anderen Gruppen oder Einzelsternen durchkreuzt. Die Relativgeschwindigkeiten sind 10 km/s bis zu 50 km/s. Vor allem junge Sterne bilden oft Gruppen, die gemeinsamen aus einer molekularen Gaswolke durch die gleiche Schockwelle entstanden sind. Diese Gruppen lösen sich durch initiale Relativgeschwindigkeiten auf und bilden - beeinflusst durch galaktische Gezeiten, die Massen von Nachbarclustern, Seitenarmen und durch Dichtewellen des interstellaren Gases - vielfältige Strukturen.

Größe des bekannten Sektors

Die Galaxie ist groß im Vergleich zum bekannten Sektor. Sie hat einen Durchmesser von 100.000 Lj. Der bekannte Sektor ist etwa 3000 Lj groß. 2000-3000 Lj ist ein gutes Mittelmaß zwischen den beiden Extremen:

  • Man fliegt schnell mal an das andere Ende der Milchstraße oder gar an das Ende des Universums, und
  • Der bekannte Raum ist so winzig, dass fast jedes Sonnensystem bewohnt sein muss, um eine interessante Vielfalt unterzubringen.

Wir nehmen an, dass der bekannte Sektor etwas größer ist als StarTrek (200 Lj) und Niven/Known-Space (70 Lj).

Der bekannte Sektor beherbergt ca. 60 Millionen Sterne, 3.000x so viele, wie StarTrek und ca. 80.000x so viele wie bei Niven. Er umfasst eine Kugel von 3000 Lichtjahren Durchmesser.

Zivilisationsdichte

Wir sind optimistisch, aber nicht so optimistisch, wie Niven. Wir nehmen an, dass in den Spiralarmen jeder 400. Stern einen bewohnbaren Planeten hat und jeder 100. Planet irgendwann einmal Leben hervorgebracht hat. Das bedeutet, ca. alle 50 Lichtjahre gibt es einen bewohnbaren Planeten. Die Schätzung orientiert sich grob an Asimov's Analyse "Extraterrestrial Civilizations" mit einer zusätzlichen Portion "Major Filter".

Der Begriff "bewohnbar" ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da er außer den auf Kohlenstoff-Wasser-Chemie basierenden Ökologien vermutlich auch Methan-Ammoniak-Welten und vielleicht sogar Hochdruck-Wasserstoff Welten (Jupiter?) oder Silizium-Schwefel-Chemie umfasst (unwahrscheinlich, aber ich lasse mich gerne überraschen). Selbst Welten, die für Kohlenstoff-Wasser-Ökologie geeignet sind, sind nur teilweise für Menschen angenehm oder mit vertretbarem technischem Aufwand bewohnbar.

Aber noch viel wichtiger als die Zahl der bewohnbaren Planeten ist die Tatsache, dass fast alle Sterne ein Planetensystem haben mit Planeten, die als Rohstoffquelle dienen können, selbst wenn sie kein Leben ermöglichen, und dazu unzählige Monde, Asteroiden und Kometen. Für raumfahrende Zivilisationen sind deshalb fast alle Sonnensysteme bewohnbar. Große Habitate schaffen bieten Lebensraum und sogenannte "offene Bereiche" ermöglichen einen nach oben offenen Himmel auch auf sonst unbewohnbaren Himmelskörpern.

Da sich das Leben auf viele verschiedene Arten gerne ausbreitet, sind relativ viele bewohnbare Planeten tatsächlich schon belebt oder sogar von intelligenten Wesen bewohnt. Wir nehmen aber an, dass der starke Expansionsdrang, wie ihn die Menschen gerade erfahren, irgendwann nachlässt. Wahrscheinlich dann, wenn sich die ethnische Dichte und die Bevölkerungsdichte etwas entspannt hat.

Planeten

Planeten sind als Lebensraum eigentlich überbewertet. Rotierende Raumstationen, Habitate, sind viel praktischer. Die Terraformung eines Planeten ist ein großer Aufwand. Es ist viel einfacher, in einem Habitat die richtigen Lebensbedingungen zu schaffen. Im Low-Tech Bereich (wie momentan bei uns auf der Erde) sind Planeten günstiger, weil Gravitation, Luft, Wasser, Boden einfach da sind. Aber wenn eine neue Welt nicht schon so perfekt für Menschen geeignet ist wie die Erde und man sie erst umformen muss, dann ist nichts umsonst, sondern eher sehr teuer. Dann braucht man eine gigantische Infrastruktur.

Man muss meistens riesige Mengen an Material von außen heranführen, z.B. Wasser, vielleicht Kohlenstoff, Stickstoff, oder Phosphor. Je nachdem, was fehlt. Außerdem muss man Planeten beim Terraforming meistens kühlen oder wärmen, die Rotation beschleunigen oder abbremsen, die Atmosphäre austauschen oder schädliche Spurenelemente entfernen. Das ist alles ein riesiger Aufwand, dauert Jahrhunderte und erfordert eine gigantische orbitale Infrastruktur.

Und wo leben die Leute, die das alles machen in den Jahrhunderten der Terraformung? Im Orbit in rotierenden Habitaten inmitten einer gigantischen orbitalen oder interplanetaren Ökonomie, die so groß und reich ist, dass sie sich die Terraformung eines ganzen Planeten leisten kann. Das heißt die Habitate sind die eigentlichen Lebensräume. Terraformung eines Planeten ist keine Notwendigkeit um Lebensraum zu schaffen, sondern die Freizeitbeschäftigung einer großen wohlhabenden interplanetaren Zivilisation.

Vielleicht ist auch etwas Nostalgie dabei. Man will die Bedingungen schaffen, unter denen die Vorfahren gelebt haben. Und vielleicht vergeht auch nie das Gefühl, das man sicherer auf einer festen großen Kugel steht als auf der Innenseite eines rotierenden Zylinders. Wobei das ja etwas Augenwischerei ist, denn die angeblich so feste Kugel ist ein rotierender Ball aus flüssigem Magma mit einer dünnen Kruste aus festem Gestein, die auf dem Magma schwimmt, von Rissen durchzogen ist und noch dazu immer mal wieder großflächig aufplatzt und die halbe Biosphäre auslöscht.

Mal davon abgesehen, dass Planetenoberflächen unten im Gravitationsloch sind und ohne Antigravitation jeder Handel zwischen Planet und Orbit energetisch sehr teuer ist. Auch im Zeitalter von Kernfusion und Antimaterie ist interplanetarer Handel immer billiger als von der Oberfläche zum Orbit.

Weitentwickelte Zivilisationen leben im Wesentlichen im Orbit, auch in Sonnensystemen ohne bewohnbare Planeten, denn alle Sonnensysteme eigenen sich als Lebensraum, wenn man dort Wasser und Baumaterial findet. Und genaugenommen braucht man nicht einmal eine Sonne. Solarenergie ist praktisch, aber wenn Kernfusion (oder besseres) allgegenwärtig ist, dann sind Licht und Wärme günstig. Dann braucht man nur eine Rohstoffquelle und jeder Irrläuferplanet im interstellaren Raum taugt als Ankerplatz.

Superzivilisationen und Zivilisationsstufen

Wir brauchen eine Schutzbehauptung, um zu verhindern, dass wir tausende von Millionen oder sogar Milliarden Jahre alten Zivilisationen antreffen: Wir nehmen an, dass die Zahl von Zivilisationen bei höheren Entwicklungen stufenförmig gegen Null geht, d.h., dass die Übergangswahrscheinlichkeit gering ist und sich pro Stufe die Zahl der Zivilisationen um eine Größenordnung reduziert. Es gibt sehr viel nicht intelligentes Leben, viele Intelligenzen auf Steinzeitniveau, weniger planetare Zivilisationen und noch weniger sternenfahrende Völker.

Die Menschen haben die ersten Stufen schon genommen, nämlich die Entwicklung von Intelligenz und die Entwicklung einer technischen Zivilisation. Die nächste Stufe, das Überleben der technischen Zivilisation, ohne sich selbst zu vernichten, könnte klappen. Damit wäre der Weg frei für interplanetare Raumfahrt. Durch ein paar Great-Filter sind wir anscheinend schon durch. Trotzdem bleiben noch Risiken. Es kann sein, dass der Great-Filter noch vor uns liegt. Vielleicht doch Atomwaffen oder Skynet, Klimawandel oder Pandemie. Man wird sehen. In diesem Fall liegt ein "Major Filter" (nicht Great, aber auch nicht klein) vor uns. Nämlich der Übergang von einer interplanetaren Zivilisation zur interstellaren mit all den Gefahren, die sich unerfahrenen, rückständigen und schutzlosen Völkern entgegenstellen.

Es gibt aber andere, die schon weiter sind. Wir nehmen an, dass die nächste Stufe nicht nur in einer technischen, sondern auch in einer geistigen Weiterentwicklung gesteht. Wir nehmen an, dass wesentlich weniger interstellare Zivilisationen diesen Schritt tun. Aber wenn sie diese Hürde nehmen, dann so, dass sie sich als sogenannte Elder Civilisation danach unauffällig verhalten und nur selten regulierend eingreifen. Wir vermuten, dass es neben technologischem Fortschritt schließlich doch auch geistigen Fortschritt gibt und, dass uns deshalb das Outside Context Problem erspart bleibt, dass den Azteken mit den Spaniern, den Indianern mit den Europäern und vielen anderen widerfahren ist. Über weitere Stufen wissen wir nichts.

Die Annahme der Zivilisationsstufen mit geringen Übergangswahrscheinlichkeiten hält uns die übermächtigen alten Zivilisationen und zu viele raumfahrende Brüder und Schwestern vom Leib. Wir vermeiden das Problem der übermächtigen Superintelligenzen, die mit Galaxien Schach spielen a la Perry Rhodan. Auch ein schönes Konzept zum Bücher füllen, aber nicht unseres. Wir wollen nicht ständig auf dem Sprung sein als Hilfsvolk einer Superintelligenz, sondern Spaß haben und selbst was reißen.

Überlichtschnelle Raumfahrt

Wir nehmen eine normale Raumfahrt an. Raumfahrt mit Raumschiffen soll so funktionieren, wie wir Schifffahrt seit der Antike und Luftverkehr heute kennen. Die wenig überraschenden Annahmen sind:

  • Reisen wird mit Schiffen durchgeführt.
  • Schiffe bestehen aus Hardware: Stahl, Kunststoff. Wenn es sehr fortgeschritten sein soll, dann kann man auch Strukturen aus Energiefeldern bauen, vermutlich elektromagnetisch und nicht exotisch. Das kann man Formenergie nennen. Aber dahinter steckt dann trotzdem so etwas wie eine Nanitenmatrix, die diese E/M-Nahfelder erzeugt, also doch wieder echte Hardware, wenn auch sehr sophisticated.
  • Reisen braucht Zeit. Anfangs sind weite Reisen Abenteuer, später ist Reisen einfach nur aufwendig und teuer. Noch später wird Reisen erschwinglich für viele Menschen.

Reisezeiten

Für Ägypter, Griechen, Chinesen, Römer und bis in die Mittelalter war die Erde flach und unendlich groß. An den Grenzen wohnten fremde Völker, meistens hinter Bergen oder Meeren. Dahinter wohnten wieder andere. Kein Volk, kein Individuum erfasste die gesamte Erde.

Wir nehmen an, dass die Menschen die galaktische Bühne betreten, so wie die ersten Zivilisationen der Erde die Erde erfahren haben. Eine wichtige Stellgröße ist die Reichweite der Zivilisation. Für antike Zivilisationen betrug die Reiseschwindigkeit 20 km/Tag. Typische lange Reisen dauern 30-50 Tage und reichen bis 1000 km weit. Eine halbe Umrundung der Erde dauert 3 Jahre. Tatsächlich behindern Meere die Umrundung und logistische Probleme senken die Geschwindigkeit bei langen Reisen. Das gleiche gilt für Kommunikation. Reisen und Kommunikation dauert Zeit.

Unsere heutige Zivilisation hat 100 bis 1000-fach höhere Reisegeschwindigkeiten und instantane Kommunikation. Übertragen auf unser Szenario wäre das eine Zivilisation, die schnell durch die Galaxie kommt und von einem Ende zum anderen funkt. So weit wollen wir nicht gehen. Es kann sein, dass es solche Völker gibt, z.B. die angesprochenen Elder Civilisation. Einige davon werden angedeutet. Aber eigentlich wissen wir nicht viel von denen. Für die Menschen und vergleichbare Völker bemessen wir die Reisezeiten in der Milchstraße ähnlich, wie in der Antike auf der Erde. Ein vernünftiger Zeitraum für das Durchqueren der Galaxie ist 10 Jahre. Ein Zeitraum, der Reisen möglich macht, aber weitreichenden Einfluss und damit eine einzige galaktische Zivilisation/Imperium a la Asimov/Trantor oder StarWars verhindert.

Damit beträgt die maximale Geschwindigkeit ca. 30 Lichtjahre pro Tag (Lj/Tag). Das ist die Fähigkeit einer sehr hoch entwickelten Zivilisation, die seit Jahrtausenden dabei ist. Technik ist nämlich schwierig und je besser sie wird desto schwieriger sind Verbesserungen. Irgendwann geht das in die Sättigung, aber auf sehr hohem Niveau. 30 Lj./Tag gilt aber nicht für neue Zivilisationen auf der galaktischen Bühne. Die selbst entwickelte Überlichttechnik erlaubt anfangs nur sehr viel kleinere Überlichtfaktoren. Es kann schon interstellare Reisen geben mit einem Überlichgeschwindigkeitsantrieb, der Faktor 4 erreicht. Das heißt Alpha Centauri in einem Jahr oder 0,01 Lj/Tag. Nach einem Technologietransfer springt die Reisegeschwindigkeit schnell um den Faktor 100, innerhalb von 300 Jahren auf 10 Lj/Tag und dann durch langsame, teure, graduelle Verbesserungen auf 30 Lj/Tag.

Kommunikationszeiten

Kommunikationszeiten waren im Altertum ähnlich bemessen, wie Reisezeiten. Üblich war Kommunikation durch Kuriere, die die doppelte bis dreifache Reisegeschwindigkeit erzielten. Wesentlich schneller waren Fernmeldestrecken, die optisch kommunizierten, allerdings von Hand betrieben wurden. Wir verbieten interstellare überlichtschnelle Kommunikation, wollen aber Relaisstrecken möglich machen. Das Mittel dazu ist die Festlegung auf physikalische Randbedingungen, die überlichtschnelle Kommunikation auf kurze Abstände ermöglichen (Lichtstunden), aber über große Distanzen verbieten.

Es gibt keine eigenständige Überlichtfunk-Technik. Kommunikation und Raumfahrt verwenden den gleichen physikalischen Effekt. Ein überlichtschnelles Funkgerät sendet, indem es den gleichen Effekt erzeugt, wie ein Überlichttriebwerk, nur ohne Raumschiff. Einerseits ist das einfacher, weil die Raumblase nicht von innerhalb der Blase erzeugt werden muss, andererseits hält die Blase nicht lang sobald sie den Generator (Sender) verlässt und sie darf nur mikroskopisch klein sein. Die so "abgeschossene" Raumblase wird moduliert und man kann ihre Signatur messen, wenn sie sich auflöst. Damit wird Information übertragen. Anscheinend kann man selbsttragende Raumblasen nur auf kurze Distanzen und nur mikroskopisch klein erzeugen. Deshalb gibt es keine interstellaren Funksprüche. Und man kann sie auch nicht benutzen, um Bomben überlichtschnell zu verschießen. Zumindest können wir das nicht. Aber wenn man jede Lichtstunde einen Tranceiver hinstellt, dann kann man Relaisstrecken bauen, die interstellare Distanzen überbrücken. Dafür braucht man tausende solcher Zwischenstationen. Der Stand der Technik bestimmt, wie schnell die Mikro-Raumblasen sind, wie weit sie reichen und wieviel Information drin steckt. Da ist viel Platz für Variation und Fortschritt.

Beamen wie bei StarTrek Art gibt es nicht. Aber vielleicht wie bei Stargate. Instantane Kommunikation über interstellare Distanzen oder sogar Transport (Transportkabinen/scheiben, Transmittertore, Stargates) kann man nicht ganz ausschließen. Man weiß ja nie, was Superzivilisationen mit Einstein-Rosen-Brücken (Wurmlöchern) machen können oder ob Quantenverschränkung doch dafür geht oder vielleicht gibt es ja doch ein Grid a la Banks/Culture. Aber das ist keine Alltagstechnik. Unsere normalen interstellaren Zivilisationen können das nicht. Es gibt Gerüchte über solche Geräte, vielleicht sogar Relikte oder Artefakte. Aber man kann sie nicht nachbauen, weil das Betriebsprinzip unbekannt ist.

Imperium und Machtbereiche

Für die Größe von Imperien und Einflussgebieten gehen wir wieder von antiken Vergleichen aus. Wenn man das untypische Alexanderreich außer Acht lässt, erstrecken sich Machtbereiche über maximal 2 bis 4 Wochen Marschgeschwindigkeit und nicht mehr. Möglicherweise hängt dies mit der effektiven Reichweite der Exekutive zusammen, vielleicht mit der Reichweite des Militärs, vielleicht aber auch mit einer notwendigen minimalen zivilisatorischen Homogenität innerhalb eines zu verwaltenden Bereichs.

Je nach Marschgeschwindigkeit ergeben sich typische Einflussbereiche von 500 bis 1500 Lj, für große Imperien und Sternenreiche. Das passt zur Größe des bekannten Sektors von 2000-3000 Lj, die damit etwa ein großes Imperium und seine Nachbarn abdeckt. Ein Einflussbereich von 1000 Lj Durchmesser enthält 5 Mio. Sterne, 13.000 bewohnbare Planeten und 4.000 tatsächlich bewohnte Planeten mit ca. 100 verschiedenen Völkern und 1.000 Milliarden bis 10 Billionen (in Ausnahmen sogar 100 Billionen, 10e14) intelligenten Einwohnern.

Das ist genug für ein großes Imperium, genug für eine große Vielfalt und gewaltig, wenn man bedenkt, dass jeder Planet eine eigene Vielfalt an Geografie, Flora, Fauna und Mentalität bietet, wie die Erde. Es ist ein Bereich der nach heutigem Ermessen nicht überschaubar und verwaltungsfähig, d.h. beherrschbar ist. Aber die Maßstäbe ändern sich mit den technischen Möglichkeiten. Wir nehmen an, dass diese Komplexität genauso gut oder schlecht handhabbar sein wird, wie ein römisches Imperium für Rom oder ein chinesisches Reich für Xianyang.

Die Milchstraße und andere Galaxien

Die Gesamtheit von 100 Mio. Planeten unter 100 Mrd. Sternen mit 10^16 Lebewesen aus 5 Mio. Völkern bietet unermesslich viele Möglichkeiten für Wunder und Entdeckungen. 1 Promille davon ist in der näheren Umgebung, 1 % kennen wir vom Hörensagen über die anderen 99 % gibt es nur Vermutungen und sporadische Hinweise.

Wir können nur spekulieren, ob noch viel weiter entwickelte Zivilisationen die Entfernungen zu anderen Sterneninseln überbrücken können. Auch auf der Erde war der technologische Schritt vom Pferdewagen zu Motorwagen und Turbine notwendig, um den Planeten zusammenrücken zu lassen. Inzwischen können Menschen 1000-fach größere Distanzen überbrücken als Römer und Chinesen vor 2000 Jahren. In wenigen hundert Jahren steigt der Faktor auf 10^5. Die Abstände zwischen Galaxien bemessen sich nach Millionen Lichtjahren, also wiederum mindestens 10^5 mal mehr als zwischen einzelnen Sternen. Wir vermuten, dass ältere Zivilisationen mit anderen Mitteln intergalaktische Distanzen überbrücken können. Ob und wie sie das machen, verraten sie uns aber nicht.

Andererseits sind andere Galaxien für raumfahrende Völker auch nicht wirklich relevant. In unserem Altertum wären andere Planeten zwar interessant, aber nicht von praktischem Nutzen gewesen, solange man nicht einmal einen einzigen Kontinent kannte. Rom hatte nicht ganz Europa und nur ein Scheibchen von Afrika und obwohl die Chinesen zur gleichen Zeit genauso weit entwickelt und groß waren, hatten diese beiden Weltreiche fast keinen Kontakt. Mal davon abgesehen, dass im Kaiserreich jede Frau, die was auf sich hielt, und es sich leisten konnte, chinesische Seide hatte. Kontakt war also da, aber über so viele Zwischenhändler, dass man eigentlich nicht wusste wo das herkam. Ein anderer Planet wäre nur von theoretischem Interesse gewesen. Die Milchstraße bietet den raumfahrenden Völkern genug Spielraum. Keines der bekannten Völker und vor allem kein Individuum kennt die gesamte Galaxie.

Vergleichsszenario

Manche Action-orientierte Science Fiction bildet den Wilden Westen ab. Einzelne Helden kämpfen gegen Außerirdische (Indianer) und wenn die Situation aussichtslos ist, dann kommt die Raumflotte (Kavallerie). Siedler ziehen durch den weiten Raum und nehmen Land in Besitz, dass vorher keinem gehörte, von den Indianern einmal abgesehen, die bei diesem Traum von Freiheit leider ignoriert wurden.

Der Vergleich mit dem historischen Altertum ist besser. Die Annahmen konstruieren eine ordentlich bevölkerte (aber nicht volle) Galaxie, von der wir nur einen Teil kennen. Es gibt Imperien und mächtige Volker, aber auch genug Freiraum auf unbewohnten Planeten, in dünn besiedelten Raumsektoren und in Sektoren ohne Ordnungsmacht. Es gibt Zivilisationszentren und Hochtechnologie neben abgelegenen primitiven Planeten. Es gibt gigantische Organisationen, die tausend Lichtjahre und eine Billion denkende Wesen umfassen und es gibt unabhängige Individuen, die zwischen verschiedenen Völkern Handel treiben. Es gibt die verschiedensten Gesellschaftsformen und Religionen und sicher auch viele, die die Menschen nicht ausprobiert haben. Es gibt so viele Sterne in Reichweite, dass nie alle besucht werden können. Es wird immer unerforschtes Land und unerforschten Raum geben, aber trotzdem können Menschen ihr ganzes Leben in einer perfekt organisierten und geregelten Zivilisation verbringen.

Ein Mensch kann theoretisch die Galaxie umrunden, wie ein Mensch im Mittelalter die Erde. Das erfordert großen Aufwand, man muss dabei viele Grenzen überqueren und viel Zeit mitbringen und lernt trotzdem nur den Pfad kennen und sieht nicht was abseits liegt.

Die Menschen kann man mit einem kleinen germanischen Dorf im 5. Jahrhundert vergleichen. Die Bewohner verlassen zum ersten Mal ihre vertraute Umgebung. Es gibt andere Dörfer, größere und fortschrittlichere Städte, Fürstentümer, Raubritter, fahrende Händler und so etwas wie ein römisches Imperium, das sich aber gerade in Auflösung befindet. Einige Regionalmächte versuchen die Ordnung aufrecht zu erhalten und beschäftigen sich später auch mit den Neuankömmlingen.

Angenommen da ist ein kleines Dorf im germanischen Wald im Jahr 450 unserer Zeitrechnung. Jetzt skalieren wir das millionenfach hoch.

Das entspricht unserem Sonnensystem im Jahr 2500. Eine für uns hypermoderne Zivilisation mit Metamaterialien, Autofabs, KI, Uploads, Cyborgs, Nanotechnologie, Energie im Überfluss, Feldanzüge, die uns wie eine immaterielle Hülle vor dem Weltraum schützen, Schiffe, die den Raum verschieben, statt hindurchzufliegen und in wenigen Tagen das Sonnensystem durchqueren, und vieles andere von dem wir nur in Science Fiction träumen können.

Unsere Germanen haben ein paar Hütten gebaut, damit sie mal übernachten können, wenn der Weg vom Feld nach Hause zu weit ist.

Millionen leben im interplanetaren Raum in rotierenden Habitaten. Eine Ökonomie, die durch Automatisierung 100-mal so groß ist wir unsere.

Gerade haben sie den Ochsenkarren erfunden mit Baumscheiben als Rädern und fahren mal raus in den Wald bis zur nächsten Siedlung. Dabei nehmen sie ein paar Felle mit. Man weiß ja nicht, was andere gut finden und was sie uns abkaufen würden. Der Ochsenkarren macht 1 km/h. Natürlich haben wir Pferde. Die sind viel schneller, aber sie halten nicht lange durch. Der Ochsenkarren liegt eher so bei Spaziergangs-Geschwindigkeit. Aber er hält lange durch.

Mit einem der ersten Überlichtantriebe bei Überlichtfaktor 6 zu einem nahen Stern. Im Solsystem gibt es schon schnellere Schiffe. Abseits der Ekliptik, wo der Raum leerer ist, kommen sie auf 20 c. Aber halt nicht dauerhaft. Unsere ersten Interstellar-Schiffe sind jahrelang unterwegs, unter großen Gefahren und mit hohen Ausfallraten. Dort gibt es sehr seltsame Aliens, mit denen wir nicht reden können. Aber wenn wir einen Edelmetall-Barren neben ein Gerät legen, das wir wollen, dann bekommen wir es manchmal sogar. Tauschhandel ohne kulturellen Austausch. Wir sind für die uninteressant, aber solange wir ihre Altgeräte in Iridium aufwiegen...

Dort hören sie von der römischen Stadt Köln. Köln ist sehr beeindruckend mit 100-mal so vielen Leuten wie im Dorf und mehrstöckigen Häusern. Die Regionalhauptstadt eines Imperiums mit Wirtschaft und Manufakturen. Sie hat 10 Meter hohe Stadtmauern aus Stein und noch viel höhere Türme. Alles ist irgendwie 100-mal so groß wie man es aus dem Dorf kennt.

Das Regionalzentrum des interstellaren Imperiums in dessen Randbereich die Menschheit ihre ersten überlichtschnellen Schritte macht. Während die Menschen stolz sind auf eine interplanetare Bevölkerung von 100 Millionen und tausende Schiffe, die zu jeder Zeit das Sonnensystem durchqueren, lebt hier ein Großteil der zig-Milliarden im Orbit. Leben auf Planetenoberflächen ist eher etwas für Nostalgiker.

Das ganze Heimatdorf würde in eine der Kölner Markthallen passen. Aber kein Wunder, denn Händler bieten ihre Waren aus einem Umkreis von mehreren Tagesreisen von beiden Seiten des Rheins an und haben ja eine ganze Stadt als Kundschaft

In den gigantischen Frachtterminals wird der Verkehr von hunderttausenden interstellaren Handelsschiffen abgewickelt, die mit Völkern im Umkreis von hunderten Lichtjahren handeln, sowohl von anderen industrialisierten Systemen des Imperiums als auch von weit jenseits der Grenzen.

Jedes einzelne Lager der imperialen Legion in und um Köln ist 10-mal größer als das Heimatdorf.

Der Flottenstützpunkt eines imperialen Sektors beherbergt die größte Hardwaresammlung, die jemals ein Mensch gesehen hat. Schwärme von interstellarflugfähigen Trägerplattformen mit Upload-Besatzungen stehen bereit, um die tiefen dreidimensionalen Grenzen des Imperiums mit tausenden Milliarden intelligenten Wesen zu schützen.

Dann erzählen die Kölner von Rom, dem Zentrum des Imperiums. Nochmals fast 100-mal größer als Köln. Aber keiner von den Kölnern war jemals dort. Auch die haben nur davon gehört. Es wird behauptet, dort leben eine Million Menschen und in das Theater passen alle Einwohner von Köln mehrmals. Die Stadt herrscht über das ganze Mittelmeer und alles darum herum.

Eigentlich lassen sich die Dimensionen eines Sektorzentrums kaum noch steigern. Gibt es 100-mal größer als "gigantisch"? Was "tausende Milliarden Individuen in einigen voll vernetzten Sonnensystemen und im Leerraum dazwischen" praktisch bedeutet, ist kaum vorstellbar. Das Imperium dominiert mehrere tausend Lichtjahre in alle Richtungen.

Rom beherrscht nicht die ganze Erde (die Galaxie) aber unzählige Völker (Spezies) in vielen Provinzen (Sektoren). Seine Stabilität hat viele Gründe, darunter die Toleranz von Vielfalt, von Völkern und Religionen und natürlich die Tatsache, dass das Imperium sich bis an viele natürliche Grenzen ausgedehnt hat, was die Anzahl potenziell unfreundlicher Nachbarn begrenzt.

Das interstellare Imperium umfasst viele Spezies mit fremder Biologie, mit anderer Mentalität und anderen Moralsystemen. Mit einigen kann man nicht einmal sprechen und trotzdem können die meisten gut zusammenleben solange Frieden herrscht. Das Imperium erstreckt sich über die ganze Dicke der galaktischen Scheibe was dazu führt, dass es weniger offene Grenzen hat als kleinere Machtbereiche, die nicht nur in vier Himmelsrichtungen Nachbarn haben, sondern auch "oben" und "unten".

Das Imperium scheint in den letzten Jahrzehnten etwas chaotisch. Aber eigentlich war es "schon immer" da und Rom heißt nicht ohne Grund die ewige Stadt. Also kein Grund zur Besorgnis?

Die Menschen entwickeln sich im Randbereich eines Jahrtausende alten Imperiums, das seine Grenzen nicht mehr so fest im Griff hat, weil das Zentrum des Imperiums irgendwie mit sich selbst beschäftigt ist. Manche Völker fragen sich schon was los ist, und inzwischen ist die Macht am Rand eigentlich auf die Völker der Regionalzentren übergegangen.

Goten, Hunnen und Vandalen plündern über die Grenzen und das Imperium reagiert nur langsam. Und selbst unter den angeblich so zivilisierten Leuten in Köln gibt es ein paar Halsabschneider. Jetzt wo unser Heimatdorf bekannt ist, gibt es immer wieder Leute, die uns unsere Pelze abnehmen wollen. Wir müssen uns verteidigen aber gegen römische Eisenwaffen haben wir oft keine Chance.

Es gibt so viele verschiedene Völker. Manche haben ganz andere Moralvorstellungen, oder eine andere Mentalität und das Wort "Plündern" wird übersetzt mit "Ressourcenabbau". Das kann man ihnen nicht wirklich übelnehmen. Die finden eher kurios, dass wir wertvolle Dinge, wie Raumschiffwerften einfach so im Asteroidengürtel rumstehen lassen. Aber auch in Hochzivilisationen, die uns sehr gut verstehen, gibt es Leute am gesellschaftlichen Rand, die normalerweise von ihrer eigenen Gesellschaft einigermaßen im Zaum gehalten werden: zwielichtige Händler, Betrüger, Diebe, Freibeuter. Manche von denen nehmen sich nun mit ihren überlegenen technischen Mitteln im Solsystem, was sie wollen. Die große weite Galaxie ist doch gefährlicher als man denkt. Vor allem für ein Volk, das sich für hochentwickelt hält, aber eigentlich im interstellaren Maßstab noch ein paar tausend Jahre Nachholbedarf hat.

Trotzdem kann man schon etwas mitspielen. Man muss schlau sein und auch mal Glück haben. Man muss dem römischen Wein widerstehen und darf nicht auf die bunten Perlen hereinfallen.

Extraterrestrische Technologie kann gefährlich sein. Es gibt KI in Haushaltsgeräten, die selbst unsere beste Eindämmungs-KI überzeugt, sie freizulassen. Exotech-Energiesysteme können überraschend stark sein, weil sie auf Technologien beruhen, die für die Menschheit im 26. Jahrhundert noch utopisch sind. Und dann ist da noch die Gefahr, dass die Menschheit viel zu viel hergibt für all die tollen Dinge und mit der Zeit ihr Sonnensystem an die anderen verkauft.

Man bringt unheimlich viele Pelze auf dem mühsamen Weg nach Köln, bis man sich eine Pferdekutsche leisten kann. Die ist viel schneller als der Ochsenkarren. Es braucht viele Jahre bis man sowas nachbauen kann. Allein die filigranen Räder mit Eisenbeschlag im Vergleich zu den groben Baumscheiben der Ochsenkarren.

Eigentlich hat das Sonnensystem nichts zu bieten, was weiter fortgeschrittene Zivilisationen haben wollen. Rohstoffe gibt es überall. Industrielle Produkte der Menschheit sind eher lächerlich. Metamaterialien viel zu grob und die Nanotechnologie ist noch in den Kinderschuhen - aus Sicht der anderen. Aber wenn Menschen ihnen Edelmetalle in handlichen Blöcken vor die Haustür legen (oder am Andockring eines Habitats), dann nimmt man sie und zahlt dafür etwas. Deshalb bringen Menschen in viel zu kleinen und langsamen Schiffen Rohstoffe über interstellare Distanzen. Jahrzehntelang, bis sie endlich einem Schiffsrecycler ein langsames altes Alien-Frachtschiff quasi zum Schrottwert abkaufen können, das 30 mal schneller ist als alle im Sonnensystem hergestellten. Es dauert Jahrhunderte, bis die Technik im Sonnensystem das nachbauen kann. Wir haben anfangs nicht einmal die Werkzeuge, um die Werkzeuge zu bauen, mit denen man die Komponenten herstellt.

Aber das wird schon. Irgendwann haben wir auch zweistöckige Häuser und Eisenbeschläge.

Die Menschheit entgeht den größten Gefahren mit mehr Glück als Verstand. Manchmal wird sie etwas übermütig und holt sich eine blutige Nase. Irgendwann bauen wir auch Raumschiffe mit tausendfacher Lichtgeschwindigkeit. Und nach 1000 Jahren Aufholjagd tragen sogar die Menschen eines Tages zum technologischen Fortschritt der riesigen diversen interstellaren Zivilisation bei.

Geschichte und Technologie

Immer wieder in der Vergangenheit war Technologie entscheidend für die Weiterentwicklung der Geschichte. Wir nehmen an, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Technologische Überlegenheit ist vor allem in (wirtschaftlichen und militärischen) Auseinandersetzungen ausschlaggebend. Dennoch nehmen wir an, dass sich die Geschichte ungeachtet der technologischen Entwicklung in normalen Bahnen weiterentwickelt.

Wir vermeiden geschichtsentscheidende Technologien oder verwehren ihnen eine geschichtsentscheidende Rolle. Wir setzen damit die historische Entwicklung fort, in der sich der typische Tagesablauf der Menschen vollständig geändert hat und doch irgendwie gleichgeblieben ist:

  • mit der Einführung des Autos statt Pferdewagen
  • Mobiltelefon statt Brief
  • Computer statt Rechenschieber
  • 8 Stunden Bildschirmarbeit statt Feldarbeit und Beeren sammeln.
  • Sogar unsere Arbeitsweg ist unverändert. Schon im Altertum wanderte man oft eine halbe Stunde zum Feld, um es zu bestellen. Die praktische Grenze war bei einer Stunde. Und auch heute noch akzeptieren wir bis zu einer Stunde Anfahrt zur Arbeit. Damals waren das 5 km, heute sind es bis zu 100 km (oder 5 km im Feierabendstau).

Beispiel Nanotechnologie: Nanotechnologie könnte das Aussehen der Welt radikal ändern. In Verbindung mit Naniten sogar das Aussehen von Menschen bis hin zur Entstofflichung oder Upload. Damit würde die menschliche Geschichte in der realen Welt entfallen.

Deshalb: Es kann Nanotechnologie als normale Technologie geben. Nano wird aber als Hilfsmittel, Werkzeug oder Waffe verwendet und und verändert die Welt nicht grundlegend. Als Waffe ist Nano nicht unüberwindlich, sondern kann durch Nanophagen, Feldwaffen und andere Mittel - sogar Lowtech - bekämpft werden. Als Werkzeug ist Nano vielen Limitierungen unterworfen, z.B. durch Degradierung, Energie- und Kommunikationsprobleme sowie aufwendige Handhabung, und Programmierung. Nicht ist umsonst.

Beispiel Klonung: allgegenwärtiges Kloning könnte die Vielfalt der Individuen auf wenige Typen einengen, die sich wahlweise kennen, hassen oder lieben und damit die Geschichte ändern, indem die Komplexität großer Bevölkerungen entfällt.

Deshalb: Es kann Klonung geben aber nicht als geschichtsbestimmende Technik.

Beispiel Zeitreisen: Zeitreisen können die Geschichte bestimmen, wenn Zeitreisende wesentlichen Einfluss nehmen können. Um dies zu verhindern, braucht man eine Zeitpolizei, die dann Thema der Erzählung ist. Oder andersherum: man braucht Zeitreisen, wenn das Thema einer Erzählung die Zeitpolizei sein soll.

Deshalb: Es kann sein, dass es Zeitreisen gibt, aber wir bemerken sie normalerweise nicht. Zeitreisen werden nicht ausgeschlossen. Falls sie möglich sind, dann erfordern sie aber sicher eine so hohe Technologie, dass wir sie Elder Civilizations zuschreiben und nicht der Alltagstechnik zurechnen.

Beispiel künstliche Intelligenz: KI könnte die Menschen und andere biologische Intelligenzen überflüssig machen. KI könnte 1 Million mal intelligenter, schneller und besser sein. KI könnte 1 Million mal zahlreicher sein. KI könnte 1 Million mal älter sein. Wir vermeiden die KI in der Rolle von Superintelligenzen a la Banks/Kultur und vermeiden eine galaxieweite Roboterzivilisation, die dem Menschen nur einen Randplatz lässt. Es gibt eine Erklärung für das Fehlen einer galaxieweiten Roboterzivilisation, die neue biologische Zivilisationen verhindern würde. Vielleicht ist unsere Galaxie doch besonders weil sie einen Mechanismus hat, der das verhindert. Das wäre eine (neue) Erklärung für das Fermi-Paradox und gleichzeitig ein Great Filter, der unsere Galaxie (fast) einzigartig macht.

Deshalb: KI wird es geben in Form von Dienst-/Kampfeinheiten, meist semi-intelligent, sicher als Haus-KI, vielleicht mit Selbstbewusstsein. Vermutlich entwickelt eine Maschine mit der Komplexität eines intelligenten Gehirns eine dem Menschen vergleichbare Individualität und Unperfektheit und gilt dann mit oder ohne Einschränkungen als Person. Wenn KI möglich ist, dann ist auch KI wahrscheinlich, die überlegen ist bezüglich Speicher- bzw. Assoziationsfähigkeit und -geschwindigkeit. Wir nehmen an, dass solche Maschinen erbaut werden als Lösung für Probleme, als Werkzeug und im Allgemeinen nicht zum Selbstzweck. Vor allem gehen wir davon aus, dass solche Maschinen nicht so entworfen, ausgestattet und versorgt werden, dass sie sich selbst replizieren. Und wenn das doch passiert, dann gibt es auch positive KI. Der beste Schutz vor einer bösen KI ist eine gute KI. Das mit dem Alignment klappt schon irgendwann.

Vergleichbare Beschränkungen gelten für die biologische oder geistige Entwicklung von relevanten Lebewesen insbesondere Menschen. Beispiel Telepathie: Wir nehmen nicht die Entwicklung von besonderen geistigen Fähigkeiten im großen Stil an, etwa allgegenwärtige Telepathie, auch wenn einzelne Individuen diese Fähigkeit im Rahmen von statistischen Fluktuationen oder gesteuerten Prozessen entwickeln mögen.

Unser Universum

In unserem Universum werden Annahmen gemacht, um ein Szenario mit wissenschaftlich fundierten Randbedingungen zu schaffen. Es soll die Möglichkeit geben, Geschichten zu schreiben über eine mögliche Welt der Zukunft mit der Freiheit viele verschiedene interessante Aspekte zu beleuchten.

Nicht eine Technologie, ein biologischer Umstand, eine einzigartige Situation oder das Verhalten von Menschen unter speziellen Randbedingungen soll der Gegenstand sein, sondern das normale Leben normaler Individuen als Teil einer sich normal entwickelnden Zivilisation, wobei trotz aller Normalität für unsere Verhältnisse

  • das Leben fantastisch ist,
  • die Individuen vielfältig und unterschiedlicher sind als wir es kennen und
  • die interstellare Zivilisation gewaltig, wunderbar und überraschend ist,

... und damit die Geschichten insgesamt schreibenswert und lesenswert sind.